Eine Frau und ein Mann vor einem grünen Hintergrund in der Mitte Mikrophone. Text: Oversharing Folge 7

Folge 7 - Medikamente bei ADHS

29.07.2024

In dieser Episode sprechen wir über unsere persönlichen Erfahrungen mit Medikamenten bei ADHS. Wir möchten betonen, dass unsere Meinungen subjektiv sind und keine medizinischen Ratschläge darstellen.

Zur Folge

Takeaways

  • Die Entscheidung, Medikamente bei ADHS zu nehmen, ist individuell und sollte auf persönlichen Erfahrungen und Bedürfnissen basieren.
  • Medikamente können die Konzentration verbessern und den Leidensdruck verringern, aber sie sind keine Heilung für ADHS.
  • Vorurteile über Medikamente bei ADHS, wie Charakterveränderungen oder Doping, sind oft unbegründet und sollten überdacht werden.
  • Die Verfügbarkeit von Diagnose- und Behandlungsterminen kann eine Herausforderung sein und den Zugang zu Medikamenten erschweren.
  • Es ist wichtig, offen über Medikamente bei ADHS zu sprechen und das Pillshaming zu beenden. Medikamente können bei ADHS helfen, insbesondere bei schwereren Fällen.
  • Nicht jeder Mensch mit ADHS benötigt Medikamente, aber sie können eine wirksame Behandlungsoption sein.
  • Eltern sollten die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung für ihre Kinder mit ADHS in Betracht ziehen.
  • Medikamente können Nebenwirkungen haben, aber diese können individuell unterschiedlich sein.

Transkript Folge 7

Johannes (00:00.788)
Herzlich willkommen bei Oversharing, dem ADHS Podcast mit Johannes

Hannah (00:06.49)
Herzlich willkommen! Heute sprechen wir über Medikamente. Nicht nur irgendwelche Medikamente, sondern über die, die man nehmen kann, wenn man eine ADHS -Diagnose bekommen hat. Wir wollen euch ein bisschen von unseren persönlichen Erfahrungen bzw. Nicht -Erfahrungen berichten und unseren Gedanken dazu. Sollte man welche nehmen, sollte man keine nehmen.

wichtig dabei ist. Wir sprechen dabei unsere eigenen Meinungen und das natürlich keine allgemeingültigen Punkte hier, sondern ganz

Johannes (00:45.108)
Und vielleicht ein weiterer Hinweis, sind natürlich keine MedizinerInnen. Das heißt, alles was wir hier sagen, sind jetzt keine Gesundheitsinformationen oder Vorschläge, sondern es geht hier wirklich unsere privaten Meinungen, ohne dass da irgendjemand sich von beeinflussen lassen sollte.

Hannah (01:01.69)
Ganz genau. Und ich glaube, vielleicht habe ich das auch gerade bisschen falsch ausgedrückt, weil ich glaube, es geht nicht nur Meinung, sondern auch ja Erfahrung. Ich weiß, das habe ich eben auch schon gesagt, aber vielleicht ist das auch noch mal wichtig, dass da der der Fokus eher drauf ist. Was haben wir so erlebt? Wo hätte es vielleicht hilfreich sein können, medikamentöse Unterstützung zu haben? Oder wo könnte man sich das in der Zukunft gut vorstellen? Oder vielleicht auch nicht. Denn das ist ja auch eine total valide Option.

Johannes (01:32.692)
Genau. Welche Erfahrungen hast du denn mit Indikamenten? Gibt es irgendwas, was du aktuell nimmst, wenn du das erzählen möchtest? Gibt es irgendwas, wo du vielleicht auch schlechte Erfahrungen mitgemacht hast? Wenn du magst, erzähl doch gerne mal ein bisschen.

Hannah (01:47.45)
Ja, also ich kann ja vielleicht mal von vorne anfangen, denn wie wir jetzt ja schon öfter erzählt haben, ist es so, dass ich ja meine Diagnose schon als Kind bekommen habe und damals war das ja auch ein bisschen anders. Also es gab ja noch viel weniger Medikamente bzw. war das ja alles noch nicht ganz so. Ja, gab es nicht so viele Optionen. Das heißt, ich habe in der vierten Klasse die Diagnose bekommen und ab der fünften Klasse habe ich dann damals Medikinet genommen.

Und damals gab es noch keine Retardkapseln, beziehungsweise ich glaube, es gab sie schon, aber die waren nicht so auf dem Plan. Das heißt, ich habe damals tatsächlich so welche genommen, die dann gewirkt haben relativ schnell für eine kurze Zeit. Und dann musste ich nochmal welche nehmen. Und das hat natürlich in der fünften Klasse super gut funktioniert. Und zwar so gut, dass ich dann so ab 12 Uhr natürlich keine Tabletten mehr genommen habe. Und daraufhin

habe ich dann irgendwann wechseln dürfen zu Ritalin war das damals. Und das war dann Retard und dann hat es auch den ganzen Tag gewirkt und das hat auch einen sehr großen Unterschied für mich gemacht tatsächlich, weil ich dann auch in den Stunden, die so im Nachmittagsbereich war, auch noch konzentrieren konnte im Gegensatz zu vorher. Ja, was habe ich negative Erfahrungen gemacht? Ich kann es nicht so sagen. Manche Leute beklagen sich ja über zum Beispiel Appetitlosigkeit oder

Schwindel oder es gibt ja auch diese wundervollen Vorurteile, dass wenn man Kindern Ritalin oder Medikineten gibt, dass sie dann eine komplette Charakterveränderung hinlegen. Das kann ich zum Beispiel bei mir überhaupt nicht sagen.

Johannes (03:25.331)
Da habe ich tatsächlich eine Meinung zu, aber erzähle erst mal weiter gerne.

Hannah (03:29.69)
Nee, erzähl ruhig deine Meinung dazu, weil vielleicht können wir ja drüber sprechen. Ich glaube, es ist spannender, wenn wir uns abwechseln, als wenn ich jetzt hier so einen halbstündigen Monoloog halte.

Johannes (03:31.092)
Okay.

Johannes (03:36.276)
Ja, man muss dazu sagen, ich habe bis jetzt nur mal zwei Wochen Medikinet genommen in einer relativ niedrigen Dosis, deswegen kann ich zu Medikinet nicht so viel sagen, aber ich kenne ja durchaus einige Menschen mit ADHS, ihre Erfahrungen geteilt haben. Und was zumindest bei vielen Menschen, Medikinet genommen haben, wohl so ein Thema war, ist, dass diese ganze Unruhe und dieses ganze, diese ganzen, diese ganzen inneren Stimmen, die man ständig mit ADHS im Kopf hat, auf einmal

aufhören oder deutlich weniger werden. Und eine Freundin von mir meinte das so, dass Medikinet bei ihr eine unglaublich starke innere Ruhe erzeugt hat. Und natürlich wirkt das dann nach außen so, dass auf einmal, keine Ahnung, dass man auf einmal stumpf wird oder dass man auf einmal irgendwie, ja, sich verändert. Aber ich glaube, dass das einfach nur eine Reaktion auf das Innere zur Ruhe kommen ist, dass man dann natürlich auch äußerlich zur Ruhe kommt. Aber

Ich glaube, dass das so starke Veränderungen in den Leuten auslöst. Nicht weil sich der Charakter ändert, sondern weil man halt das allererste Mal im Leben keine Stimmen übertragen sind im Kopf hat. Keinen inneren Dialog, genau. Danke. Keinen inneren Dialog hat, dass man davon so überwältigt wird, dass man natürlich dann ruhig wird. Und ich glaube, das viel eher eine Wirkung des Medikinets ist, als dass sich da irgendwie, keine Ahnung, der Charakter

Hannah (04:45.53)
Kein inneren Dialog, nennen wir es doch so.

Johannes (05:04.724)
in Anführungszeichen zu einem Zombie verändert.

Hannah (05:08.701)
Ja, ist ja... Ich wünsche mir immer, dass sich dieses Stereotypbedenken über diese Medikamente auch verändert hat. Also in meiner Bubble merke ich das ganz klar, dass es da wenig Stigmatisierung gibt. Aber ich weiß natürlich auch, dass das nicht überall so ist. Aber früher war es, glaube ich, trotzdem noch bisschen krasser. Also wann bin ich in der vierten Klasse? 2002 bin ich in die fünfte Klasse gekommen. Also das ist ja wirklich schon ein bisschen her.

Und damals war wirklich das, was du gerade gesagt hast, dieses Zombie -Gedanke ganz stark vertreten und dass man seine Kinder damit irgendwie, dass man denen damit was ganz Schlimmes antut, wenn man diese Medikamente gibt, weil das bedeutet, dass man sie dann nicht mehr so liebt, wie sie sind und dann sind sie ganz anders und plötzlich völlig wesensverändert und ruhig und haben keinen Spaß mehr am Leben und sind nur noch kleine Maschinen, die funktionieren müssen.

Johannes (05:38.516)
Mh.

Hannah (06:03.93)
Und ich glaube, dass das ein bisschen was damit zu tun hat, dass manchmal vielleicht auch Einstellungen nicht so sorgfältig gemacht werden. Also ich hatte zum Beispiel eine Zeit im Studium. Ich habe gesagt, ich würde so bisschen erzählen, wie sich im Laufe des Lebens verändert hat. Das ist quasi einmal fast forward, weil dazwischen sind noch andere Dinge passiert. Aber da gab es eine Situation, hatte ich während der Bachelorarbeit nochmal Medikamente.

mir verschreiben lassen. Es war ein Arzt, der kannte mich nicht so gut und der hat mir eine Dosierung verschrieben, die eigentlich zu hoch war für mich. Und da habe ich gemerkt, das ist jetzt nicht so toll. Also da habe ich wirklich einen Unterschied gespürt zu dem, wie es normalerweise ist, wie es mich irgendwie konzentrationsfähig macht zu, okay, jetzt merke ich hier eine Wesensveränderung, weil es einfach zu viel war. Und das natürlich ja wie bei allem, auch wenn es zu viel ist, dann ist es nicht mehr gut. So.

Und dann bin ich auch anders gewesen. Was solltest du gerade sagen?

Johannes (07:05.46)
Ja, das kann ich mir tatsächlich gut vorstellen. Und das kann natürlich auch gerade in der Übergangszeit, wenn du zum Beispiel ein Kind einstellst, natürlich sein, dass es dann vielleicht auch entweder zu hoch oder zu niedrig dosiert wird. Ich muss ja dazu sagen, meine Erfahrungen mit Medikamenten sind ja ganz andere. Ich habe ja nie wirklich Medikament genommen, also eineinhalb, zwei Wochen, aber vielleicht gleich dazu. Ich bin ja

quasi mit Beginn meines Studiums angefangen worden, wegen Depressionen zu behandeln. Aber hatte irgendwie immer Psychiaterinnen oder vor allem auch Psychotherapeutinnen, die meinten, ach, nee, Medikamente brauchste nicht, das passt schon so. Und ich hatte halt auch so ein bisschen so... Also für mich hätte sich das, glaube ich, damals so angefühlt, als ob ich irgendwie, keine Ahnung, in der Therapie versagt hätte, wenn ich da noch Medikamente brauche. Was totaler Unsinn ist, weiß ich genau, aber das ist halt so das, was dir, glaube ich, gerade so in den...

Ich glaube, dass zumindest dieser Aspekt gar nicht so schlecht war, weil ich glaube tatsächlich, dass ich...

Hannah (08:07.866)
Ja.

Johannes (08:24.884)
dann wahrscheinlich noch frustrierter gewesen wäre, weil ich mir relativ sicher bin, dass diese Medikamente nichts gebracht haben, weil ich halt glaube, dass diese Diagnose falsch war. Und ich hab dann ja mit meiner Diagnose auch angefangen Medikamente zu nehmen und das hat halt echt viel verändert. Aber erzähl du vielleicht erst mal bei dir zu Ende, damit die Leute nicht zu durcheinander kommen und dann können wir über meine Erfahrungen sprechen.

Hannah (08:45.914)
Ich glaube ja unsere Zuhörerinnen, sind total flexibel im Gehirn und können uns gut folgen, weil ich glaube viele von denen, die uns zuhören, die haben ähnlich funktionierende Gehirne wie wir. Und ich glaube, das funktioniert. Aber bevor ich weiter erzähle von meiner Chronologie, sozusagen wollte ich einmal ganz kurz da rein gehen, was du gerade gesagt hast, mit diesem Gefühl von, wenn ich Tabletten nehme, dann fühlt sich das an wie Versagen, weil ich glaube, ehrlich gesagt, dass du damit einen total wichtigen Punkt angesprochen hast, der

den ganz, ganz viele Leute so nachfühlen können. Also ich kriege das hier immer wieder mit in der Praxis, dass wenn es darum geht, gerade Antidepressiva zu nehmen, dann ist das ein Gefühl, was total häufig aufkommt. Also wo Leute irgendwie sagen, wenn ich das nehme, dann fühlt es sich so an, als hätte ich versagt. Alle anderen schaffen es doch irgendwie auch so. Ich muss es doch irgendwie aus der eigenen Kraft schaffen. Und das ist natürlich totaler Quatsch. Also es ist immer

eigentlich ja total ungerecht, sich selber das zu verwehren, vom gleichen Startpunkt loslaufen zu können wie alle anderen auch. Und so sehe ich das auch mit den ADHS -Medikamenten. Wenn du diese Diakose hast und wirklich einen Leidensdruck hast, der mit solchen Medikamenten gelindert werden kann, warum solltest du das nicht machen?

Johannes (10:09.423)
Ich muss dazu sagen, dass ich da mittlerweile auch eine ganz andere Meinung dazu habe. Also ich glaube, dass gerade ADHS etwas ist, wo du mit Psychotherapie nur mäßig weiterkommst. Das heißt nicht, dass du das gar nicht mit Psychotherapie oder beispielsweise mit Ergotherapie, da wollten wir auch nochmal was zu machen, in den Griff bekommen kannst. Aber ich glaube,

dass so diese Kernsymptome, du halt hast, fehlende Aufmerksamkeit, die innere Unruhe, klar, die kannst du sicherlich durch Therapie und durch bestimmtes Kills kontrollieren, aber ich völlig wegbekommst du die nicht und abhängig davon, wie stark diese Symptome bei dir ausgeprägt sind und abhängig davon, was du beispielsweise auch für einen Job hast, kann es einfach sein,

dass du halt ohne Medikamente vielleicht gar nicht diesen Job ausüben kannst oder teilweise, je nachdem wie stark deine Symptome sind, auch im Alltag unabhängig von Ergotherapie und anderen therapeutischen Möglichkeiten, dass du halt nicht so gut klarkommst. ich glaube, gerade bei ADHS gibt es ja auch tatsächlich Studien, wie gut Medikamente einfach wirken können. Und ich bemerke das auch in meinem Umfeld, dass ganz viele Leute, die dann tatsächlich mal vernünftig eingestellt waren, echt ihr Leben so viel besser im Griff hatten.

Hannah (11:18.138)
Ja.

Johannes (11:33.172)
Und jetzt ist natürlich die Frage, was sagt das über unsere Gesellschaft aus? Dass halt Menschen mit ADHS oft so stark durchs Raster fallen und so starke Probleme in der Gesellschaft haben. Aber andererseits gibt es halt diese Gesellschaft und wir werden sie halt in naher Zukunft nicht ändern können. Und dann sind Medikamente, finde ich, ein gangbarer Weg, das eigene Leben viel besser gestalten zu können.

Hannah (11:56.57)
Ja absolut. ich bin absolut supporterin davon, darüber zu sprechen, ob das eine Möglichkeit ist für jemanden. Und ich finde auch in der heutigen Zeit sollten wir uns wirklich von diesem Pillshaming verabschieden. Und gerade bei ADHS, und das haben wir auch schon in vorherigen Folgen gesagt, ist es ja auch so, dass es nicht heilbar ist. Also das ist ja auch wirklich was, womit man lebenslang irgendwie umgehen muss. Und ich finde,

Da kann man sich das auch bisschen leichter machen und medikamentös dazu beitragen, dass man immer mehr die gleichen Voraussetzungen hat wie andere neurotypische Menschen auch. Also es ist ja nicht so und das ist ja auch ähnlich wie bei Antidepressiva dann, dass es hier zu hier von Doping sprechen. Also wir machen uns ja nicht mit den Medikamenten irgendwie besser oder leistungsstärker als neurotypische Menschen, sondern gleichen halt etwas aus, wo unsere Gehirne abweichen.

Und das finde ich ist einfach ein total wichtiger Punkt dabei, dass es nicht darum geht, sich einen Vorteil irgendwie zu generieren durch die Einnahme von Medikamenten, sondern sich selber die Chance zu geben, von der gleichen Stadt in die Los zu laufen wie alle anderen

Johannes (13:11.572)
Ja, definitiv. Und ich kann nur für mich selbst sprechen. Jetzt komme ich vielleicht nochmal kurz zu meiner eigenen Biografie. Wie stark die Veränderung von vorher zu nachher war. Ich habe 15 Jahre lang wirklich schwere Depressionen gehabt. Und wobei ich, wie gesagt, ich bin mir gar nicht mehr so sicher, ob das klassische Depressionen sind, weil ich hatte jetzt gar keine Probleme mit Antrieb oder so, sondern einfach mit mit wirklich krassen Stimmungsschwankungen meistens nach unten. Also so, dass wirklich

das sich so anfühlt, als ob irgendwie, keine Ahnung, es ein Loch im Boden gibt und dieses Loch saugt langsam meine ganze Persönlichkeit auf. Und das ungefähr zwei von vier Wochen. Und zwar relativ regelmäßig. Und das war vor ungefähr zwei Jahren so schlimm, dass ich nicht mehr wusste, wie ich meinen Alltag damit gestalten soll. Geschweige denn, wie ich irgendwie damit weiter...

ganz ehrlich auch existieren soll. Und dann habe ich die Diagnose bekommen und das war ganz interessant, weil ich dann mit meinem Psychiater gesprochen habe und der war erst skeptisch und dann habe ich, weil der glaube ich jetzt kein ADHS Spezialist war und dann habe ich mal mit ihm, bin ich ihm so die Symptome durchgegangen, die ich hatte und dann wurde er tatsächlich hellhöriger und meinte so, hm, okay, ja, spricht ja vielleicht doch einiges für. Der war jetzt gar nicht extrem ablehnend.

Und dann meinte er, dann meinte er, okay, müsste ich da einlesen, dann bin ich zwei Wochen später noch mal zu ihm gegangen und dann meinte er, okay, er hat sich da jetzt mal schlau gemacht und er meinte, also dann fragt er mich, was das Schlimmste gerade für mich wäre, dann meinte ich, eigentlich die Depression, also das schlecht fühlen, also okay. Ich hätte sonst eher Medikinet gedacht, aber ich probiere, das erste, was ich jetzt mal ausprobieren, ist Bupropion. Das ist ein Antidepressivum, das aber ein Dopamin Wiederaufnahmehemmer ist, das auch off label

bei ADHS eingesetzt wird. Und das war total spannend, weil ich habe das halt zwei Wochen genommen und das braucht so ungefähr zwei Wochen bis das auch wirkt. Das hat auch eine Retard Wirkung. Und ich kann mich noch an diesen einen Morgen erinnern, wo ich aufgestanden bin und irgendwas war anders. Das war total merkwürdig, weil danach, das hat sich bis heute eigentlich so durchgezogen, obwohl ich dieses Medikament mittlerweile tatsächlich nicht mehr nehme, kann ich gleich noch zu kommen.

Johannes (15:35.156)
hat sich das durchgezogen, dass seitdem meine Depression extrem anders ist, dass ich seitdem viel weniger Tiefphasen habe. Ich hatte eineinhalb Jahre lang gar keine. Und das war schon, oder nenne ich eineinhalb Jahre lang, aber mehr als ein Jahr lang gar keine. Das war schon spannend, weil ich bis dahin nicht gedacht hätte, dass es so einen krassen

Hannah (15:59.354)
Also ich finde das immer wieder erstaunlich, was das bewirken kann und wie man dann auch hinterher merkt, wenn man halt was genommen hat, also ob es jetzt ein Antidepressivum ist oder Medikinet, Ritalin, irgendwelche anderen ADHS Medikamente, wenn man die dann nimmt und sie wirken und man merkt, ach so kann es auch sein, krass. Also das finde ich ist immer wieder erstaunlich.

Johannes (16:27.7)
Ja, und das ist ja wohl bei Medikinet nach allem, was man hört, mindestens genauso krass. Ich frage mich manchmal, ob ich das auch nochmal ausprobieren möchte. Bei mir ist das Problem, dass mein Psychiater halt auch ungefähr eine Stunde mit dem Zug entfernt ist und es in Hannover nicht so einfach ist, jemanden zu finden. Ich habe jetzt tatsächlich jemanden, wo ich nochmal nachhaken möchte, aber das war für mich eigentlich eher das Hindernis. Und

finde ja, große Problem ist ja, dass Medikamente, also eigentlich gar nicht das große Problem ist, den Psychiater, also auch ein großes Problem ist es, den Psychiater zu finden, aber viel größer ist das Problem, eine Diagnose zu bekommen, weil die Diagnostiktermine so spät in der Zukunft erst liegen. das ja so bisschen das Tor ist, durch das du schreiten musst, dann die Medikamente zu bekommen. Und ich glaube, da ist halt einfach ja ein echtes Problem, dass halt Leuten, die teilweise auch ganz akute Hilfe brauchen, halt nicht geholfen werden kann. Aber das ist ja

Allgemeines Problem mit unserem Gesundheitswesen.

Hannah (17:28.154)
Ja, das ist natürlich auch echt tatsächlich, finde ich, sehr problematisch, wenn es diese medikamentöse Unterstützung geht, weil, wie du sagst, ohne Diagnose gibt es auch keine Medikamente. Ich meine, natürlich gibt es die nicht. Wir sprechen ja auch immer noch von Stimulantien, die, soweit ich weiß, unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Und dass die natürlich nicht einfach frei verkörpelt sind, ist dann klar.

Johannes (17:48.052)
ja.

Hannah (17:53.114)
Und trotzdem ist es natürlich dann schwierig, Hilfe zu bekommen, wenn ja Diagnostiktermin noch mehrere Monate oder ein Jahr in der Zukunft liegt. Das ist schon auch schwierig. Vielleicht können wir ja mal ganz kurz, bevor ich so bisschen von meiner Geschichte weiter erzähle, sagen, wie wir überhaupt heute darauf gekommen sind, dieses Thema zu behandeln. Weil nämlich einer der Punkte, warum wir heute hier drüber sprechen, ist, dass ich heute auf dem Weg zur Praxis so bisschen darüber nachgedacht habe.

worüber wir in der letzten Folge oder in den letzten Folgen gesprochen haben, nämlich wie sich unsere Symptome so im Laufe des Lebens verändert haben. Und ich habe auch noch so bisschen reflektiert für mich, welche Strategien ich entwickelt habe und wie gut die so funktionieren. Und dabei habe ich dann darüber nachgedacht, dass ich völlig außer Acht gelassen habe in meiner Erzählung, dass ich ja jetzt seit zweieinhalb Jahren wieder Medikamente nehme.

Und das natürlich auch, dass eine Auswirkung hat darauf, wie sich die Symptome verändert haben. Und das ist einer der Gründe, warum wir heute hier über Medikamente sprechen, weil ich irgendwie dachte, so für die Transparenz und für die Vollständigkeit wäre es irgendwie wichtig, diesen Aspekt auch nur mit rein zu nehmen.

Johannes (19:12.212)
Mhm. Ja, das ist definitiv so. Bei mir ist das ja ein bisschen anders, weil ich nehme tatsächlich seit ungefähr sechs, sieben Monaten keine Medikamente mehr. eigentlich ein bisschen ADHS -typisch. Ich habe jetzt halt ein Jahr lang Pupriol genommen und dann ist mir irgendwann im Januar aufgefallen, du hast jetzt seit drei Wochen deine Medikamente vergessen.

Hannah (19:13.53)
Nein, as well.

Johannes (19:41.94)
Und dann habe ich aber mal zu den letzten drei Wochen reflektiert und dachte so irgendwie war jetzt auch nicht großartig was anders und dann habe ich halt in Rücksprache mit meinem Psychiater die erstmal weggelassen. Hat den großen Vorteil, dass ich nicht alle drei Monate eine Stunde mit dem Zug fahren muss, Medikamente abzuholen. Und bis jetzt bin ich eigentlich sehr okay damit. Also ich merke schon, dass seitdem meine Stimmung wieder ein bisschen mehr schwankt, aber

Ich glaube dadurch, dass ich mittlerweile eher weiß wo das herkommt, weil ich glaube das war halt einfach eine massive Überforderung die ich da hatte, weil ich halt meinen Alltag völlig voll gepackt habe und ständig Dinge getan habe und ich seitdem einfach mehr pace, mehr mir auch mal Wochenenden oder Tage freischaufeln allgemein meine Hobbys ein bisschen umstrukturiert habe. Und ich glaube, dass ich seitdem sowieso besser

Hannah (20:42.126)
Ja, also ich nehme ja jetzt auch wieder Medikamente, habe ich ja schon gesagt, aber ich nehme die auch nicht durchgängig. Also zum Beispiel, wenn ich Urlaub habe oder an den Wochenenden, dann nehme ich zum Beispiel keine Medikamente und dann bin ich ja auch total lebensfähig. Also ich finde das ganz spannend für mich, immer mal wieder den Unterschied zu machen und darauf zu schauen, so wie geht es mir eigentlich, wenn ich keine nehme? Wie ist der Unterschied zu den Tagen, wo ich Medikamente nehme?

Und ich nehme seit zweieinhalb Jahren wieder was hört man ja auch, dass ich in einer sehr, sehr langen Zeit vorher keine medikamentöse Unterstützung hatte. Und auch da habe ich ja gearbeitet und habe meinen Job, hoffe ich, empfinde ich so, ziemlich gut gemacht. Habe ja auch den Großteil meines Studiums und ziemlich großen Teil meiner Schulzeit kein Medikinet oder Ritalin genommen. Ich bin

der festen Überzeugung davon, dass nicht jeder, der eine ADHS -Diagnose hat, Medikamente nehmen muss oder sie nehmen braucht. Ich glaube, das ist eine total individuelle Entscheidung. bei mir war es ein bisschen ähnlich wie das, was du gerade beschrieben hast. Also als ich mich habe nochmal neu diagnostizieren lassen und die Medikamente verschrieben bekommen, hat meine Ärztin mich damals auch gefragt, sie haben ein superhohes Stresslevel.

Wollen Sie die Medikamente, dieses Stresslevel weiter aufrecht erhalten zu können, also weiter auf diesem Extrembelastungslevel arbeiten zu können? Oder sind diese Symptome auch da, wenn sie nicht so gestresst sind, wenn sie in entspannterer Umgebung sind? Ist es dann auch so schlimm, dass sie solche Leidensdruck haben, dass sie da eine medikamentöse Begleitung brauchen? Und das fand ich eine super gute Frage, weil natürlich

sich unsere Symptome total verstärken, wenn es uns nicht gut geht, wenn wir hoch belastet sind. Und das merke ich jetzt auch zum Beispiel. dass das Medikinet eine andere Wirkung hat in Phasen, wo ich super krass gestresst bin. Das kommt zum Glück jetzt nicht mehr so häufig vor. Also in dem Level gestresst, wie ich in meiner Festanstellung war, war ich glaube ich seit ich gekündigt habe nicht mehr. So und trotzdem gibt es natürlich Phasen, ich das besser merke, also wo ich

Hannah (22:59.034)
Resultate sozusagen habe. Aber wie gesagt, deswegen denke ich, es ist eine total individuelle Entscheidung und ich wüsste jetzt auch nicht, ob ich jetzt sagen würde, dass ich für den Rest meines Lebens Medikinet nehmen muss oder möchte. Ich könnte mir durchaus vorstellen und das ist auch tatsächlich mit meiner Psychiaterin so abgesprochen, dass man von Zeit zu Zeit mal guckt, ob das noch notwendig ist. man mal auch Phasen macht, wo man vielleicht nichts nimmt und guckt

hat es sich entwickelt, funktionieren die Strategien, die sich auch in der Zwischenzeit irgendwie bauen durften, auch ohne das Melikinet. Und das finde ich auch total wichtig, dass ich weiß, dass sie da auch so einen Blick mit drauf hat.

Johannes (23:42.58)
Mhm.

Johannes (23:46.964)
Ja.

Hannah (23:47.386)
Ich kann da ja vielleicht mal gerade dran anknüpfen, weil das passt ja ganz gut, diese Pause zu meiner Schulzeit, weil ich wirklich beim besten Willen nicht mehr weiß, warum ich irgendwann in der Schulzeit aufgehört habe, Medikamente zu nehmen. Ich kann mich da wirklich nicht mehr dran erinnern, egal wie dort ich mich anstrengen. Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß auch nicht, wie das Gespräch mit meinen Eltern darüber war oder ob es überhaupt eins gab. Ich habe wirklich keine Erinnerung daran. Ich weiß

dass ich eine Zeit lang keine genommen habe.

Johannes (24:19.156)
Okay, kann ich mal deine Eltern fragen und das dann auf meinen Podcast berichten.

Hannah (24:23.098)
Meine Mutter hört ja unseren Podcast und sagt auch immer, dass sie das so lustig findet, wenn ich sage, meine Mutter hat gesagt. Also Mama, wenn du das hörst, kannst du ja mal sagen, wie da deine Erinnerung ist. Wird mich interessieren. Auf jeden Fall, ich weiß das auch nur so genau, dass ich da teilweise nichts genommen habe, weil ich mich daran erinnern kann, dass, als ich dann Abitur gemacht habe, dass ich da wieder aktiv

Johannes (24:35.284)
Genau, das war mal das interessiert uns jetzt beide.

Hannah (24:51.17)
Medikamente genommen habe und dass das dann eine Veränderung war. Also dass ich ganz klar gesagt habe, jetzt zum zum Lernen und zum Durchhalten von einer sechsstündigen Klausur, da brauche ich auf jeden Fall was, was mir hilft, mich zu konzentrieren. Das ist so, wenn ich es jetzt so erzähle, habe ich mich gerade dabei erwischt, dass ich so dachte, klingt irgendwie eventuell schon nach Doping.

Johannes (25:14.612)
Ich hatte es kurz auf den Lippen und dachte dann, ich verkleide mit denen.

Hannah (25:17.914)
Ja, aber jetzt sag ich dir mal, wie toll mein Abi war. Und dann können wir uns einig sein, dass das kein Doping war, weil mein Abi war überhaupt nicht gut. Und ich bin in meiner kompletten Schulzeit fast jedes Jahr fast sitzen geblieben. Wo man auch dran sehen kann, dass ich keine Medikamente genommen habe in der Zeit, weil nämlich in den Fächern, in denen ich mich interessiert habe, die ich cool fand, da war ich immer ziemlich gut. Und in den Fächern, wo ich kein Interesse drin hatte, da war ich immer richtig schlecht.

Johannes (25:47.188)
Hm?

Hannah (25:47.354)
Und ich weiß noch, ich habe wirklich etliche Male mit meinem Mathelehrer oder meinem Physiklehrer sehr intensiv und hitzig auseinandergesetzt, weil ich wirklich so gar kein Interesse und auch so gar kein Verständnis für diese Fächer hatte. Und in jedem meiner Zeugnisse steht das so. Wenn Hanna Lust auf ein Thema hat, dann ist sie super dabei, dann meldet sie sich, dann hat sie alle möglichen Sachen zu sagen und wenn nicht, dann nicht.

Und ich glaube wirklich, dass meine einzige Chance in der Schule war, diese Diagnose zu haben und halt auch zu merken, dass ich, wenn ich zum Beispiel Medikamente nehme, die Chance habe, mich so zu konzentrieren, auch Fächer durchzustehen, die wirklich so gar keinen Dopamin ausschütten.

Johannes (26:39.86)
glaube das Thema Schule und ADHS sollten wir auf jeden Fall auch nochmal ansprechen. haben wir auch schon immer wieder bisschen angeschnitten. Bei mir war das tatsächlich erstaunlicherweise anders, weil ich an fast allem in der Schule Interesse hatte, wenn ich nicht dafür lernen musste. Deswegen war ich in den meisten Fächern gut, außer in Mathe und Latein. Englisch war mir irgendwie gegeben, das ging ganz gut.

Hannah (26:43.77)
Mhm.

Johannes (27:04.372)
Das lag auch vor allem daran, dass es da schon ein Computerprogramm gab, mit dem man lernen konnte. Alles, was mit Computern zu tun hatte, fand ich schon als kleines Kind toll. Und mit Lernprogrammen hast du mich echt gut gekriegt. Aber ja. Ja, bei mir war das ja auch schon alleine deswegen anders, weil ich erst sehr spät diagnostiziert wurde. Ich frage mich manchmal, was tatsächlich Medikamente bei mir gemacht hätten, sowohl in der Schule als auch im Studium, weil ich habe ja auch ein ganzes Studium ohne Medikamente überstanden.

Hannah (27:17.37)
Mhm.

Johannes (27:33.812)
Und ich kann euch sagen, das war nicht lustig. Gerade Jura macht sich einfach nicht so gut, du Probleme hast, dich zu konzentrieren. ich glaube auch Jura ging am Ende nur, weil ich halt ein so großes Grundinteresse an diesem ganzen Thema habe. Aber wenn man mich heute mal bei Jura reden hört, dann denkt man, okay, das ist Nerd. Ist auch richtig.

Hannah (27:57.942)
Johannes, kurzer Spoiler, das denkt man nicht nur, wenn über Jurarchie.

Johannes (28:02.388)
Das könnte auch sein... Ich weiß nicht, wo das herkommt. Das mag ich auch an mir, also von daher ist das okay. Ich embrace das durchaus. Aber... Okay, zurück zum Thema. Medikamente, genau. Ich fand das total spannend, wie stark diese Veränderung einfach war. wirklich, ich kann mich auch noch an diesen Tag erinnern, wo ich wach geworden bin und dachte, boah, okay, heute ist was anderes.

Hannah (28:03.994)
Aber das mag ich auch an dir.

Das ist doch sehr gut.

Johannes (28:32.596)
Und ich kann allen, die da irgendwie skeptisch sind, nur empfehlen, versucht zumindest, eure Skepsis abzulegen. Und zwar sowohl Leuten, die ADHS haben, die halt überlegen, zu tun. Mal ganz ehrlich, wenn das bei euch nichts bewirkt. Die Medikamente mit ADHS, die ich kenne, gerade auch Bupropion oder Medikinet, die kann man sehr gut wieder absetzen, ohne dass dann irgendwas passiert danach. Das ist nicht so wie... Es gibt ja Antidepressiva, wo

sehr starke Symptome auch bei Wiederabsätzen hast. Und das kann ich zumindest für Buproprüren jetzt nicht sagen und auch für Medikamente nicht. Man muss natürlich dazu sagen, die Medikamente haben sonst eine relativ lange Nebenwirkungsliste. Ich habe Gott sei Dank bei Buproprüren nichts davon mitgenommen. Aber ich kenne Leute, die zwar schon sehr trockenen Mund davon bekommen haben oder auch welche, die glaube ich Herzrhythmusprobleme bekommen haben. Das muss man natürlich bedenken. Aber probiere das aus und wo ich noch viel

kurz einen Appell dran richten möchte, sind Eltern mit Kindern, die ADHS haben. Ganz ehrlich, ich glaube, ihr könnt euch nicht vorstellen, wenn ihr nicht selbst irgendwo auf dem Spektrum seid, wie stark der Leidensdruck mit ADHS gerade in der Schule sein kann und wie viel eine vernünftige Medikamentierung, Medikamentierung, schweres Wort, danke, zum Beispiel das, da helfen kann.

Hannah (29:55.322)
medikamentöse Einstellung.

Johannes (30:00.276)
Das heißt nicht, dass das das aller Heilmittel ist und das heißt nicht, dass es eurem Kind damit automatisch besser geht, aber die Wahrscheinlichkeit, dass das so ist, ist so hoch, ich doch, wenn euer, wenn der Psychiater eures Kindes on board ist oder selbst wenn der Psychiater eures Kindes nicht on board ist, weil es gibt leider auch sehr viele Psychiater, die erstaunlicherweise bei ADHS sehr sehr kritisch sind, ähm, sprecht es zumindest mal an und lasst euch da nicht von irgendwelchen, keine Ahnung, MedikamentenkritikerInnen, die

ich ähnlich finde wie ImpfgegnerInnen, beeinflussen. Big Pharma ist hier kein Thema. Tut das, was für euer Kind und für euch selbst das Beste ist.

Hannah (30:44.25)
vielleicht

Das wollte ich jetzt sagen.

Hannah (30:52.41)
Dazu vielleicht als Ergänzung noch. hattest vorhin ja schon mal gesagt, Therapie und Ergotherapie können bei ADHS nicht so viel machen wie zum Beispiel bei anderen psychischen Störungsbildern. Und ich glaube, da ist es auch wieder sehr individuell, weil natürlich gibt es Menschen, denen... Ich weiß, dass du das auch so meinst, dass das individuell ist. Kannst du gleich sagen, ich muss meinen Satz kurz zu Ende kriegen, sonst weiß ich ihn gleich nicht mehr. Ich glaube aber...

Grundsätzlich, dass es stimmen kann. Dass Medikamente einfach eine wichtige Komponente sind, die nicht so gut ersetzbar sind durch Psychotherapie und Ergotherapie. Und deswegen ja auch oft ein Bein voll in dieser ganzen Behandlung sind. Ergotherapie super wichtig oder kann super wichtig sein für die Leute. Psychotherapie kann super wichtig sein. Und Medikamente dann als noch Ergänzung quasi eine weitere Säule.

Johannes (31:46.772)
Genau, wenn ich gerade gesagt haben sollte, dass Psychotherapie und Ergotherapie nicht so gut wirken wie bei anderen psychischen Erkrankungen, so war das gar nicht gemeint. Ich glaube nur, dass es bestimmte Symptome gibt, die einfach durch Ergotherapie und Psychotherapie nicht weggehen. Anders als beispielsweise, es gibt ja bestimmte Formen von Depressionen, die man mit Therapie zum Beispiel nahezu komplett heilen kann. Und genauso wie bei anderen...

Hannah (32:08.026)
Voll!

Johannes (32:16.66)
Erkrankungen im psychiatrischen Bereich, weil es ja gerade bei ADHS nicht der Fall ist, weil es da keine Erkrankung ist, sondern eine neurologische Störung.

Hannah (32:23.61)
Ja, also ich habe das auch überhaupt nicht negativ gehört, sondern ich wollte das nur nochmal spezifizieren aus meiner Empfindung.

Johannes (32:26.964)
Nee,

Johannes (32:30.836)
Ja, ist ja okay. Ich wollte es nur klarstellen, weil es ist ja 10 Minuten her und wir haben schon mal festgestellt, dass Dinge, die 10 Minuten her sind, auch genauso gut 10 Jahre her sein können. Von daher, weiß gar nicht mehr genau, was ich gesagt habe. Aber, ja, das ist natürlich ein Punkt. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass gerade Leute mit einer, ich würde mal sagen, eher schwach ausgeprägten ADHS auch vielleicht mit einer Therapie zumindest so gut eingestellt sein können, dass sie gar keine Medikamente brauchen. Das ist völlig okay.

Hannah (32:33.37)
Ja.

Johannes (32:58.516)
Ich will jetzt gar nicht sagen, jeder Mensch mit ADHS muss Medikamente nehmen oder auch jeder Mensch mit ADHS sollte Medikamente geben. Aber ich glaube, ab einem gewissen Schweregrad führt da kaum ein vernünftiger Weg dran vorbei.

Hannah (33:12.666)
Ja, also ich glaube tatsächlich, einfach, also dass Therapie und Medikamente häufig auch eine sehr, sehr gute Kombination sein können, weil in der Therapie kann man halt ja auch lernen, Strategien zu entwickeln, mit den Symptomen und den Herausforderungen umzugehen. Aber wie du auch schon sagst, so gewisse Dinge kann man vielleicht nur mit rein therapeutischen Maßnahmen nicht so gut bewerkstelligen, wie man das könnte, wenn man zusätzlich auch noch Medikamente nehmen könnte.

Wobei ich auch ganz klar sagen muss, ich bin sehr, sehr großes Supporterin davon, einfach beides zu machen. Also nicht zu sagen, ich nehme jetzt Medikamente und hoffe, dadurch wird alles supergut und ich muss nie wieder an mir arbeiten, weil so rum funktioniert es natürlich auch nicht. Die Medikamente machen ja nicht, dass plötzlich alles sich in Luft auflöst und man auf einmal magischerweise alles kann, was man vorher irgendwie nicht so gut konnte.

Johannes (33:50.388)
Genau.

Johannes (34:07.956)
Das sollte ich vielleicht dazu erwähnen. habe zuletzt nicht zu dem Jahr, wo ich Medikamente genommen habe, genau ein Jahr Psychotherapie gemacht. das sehe ich genauso. Ich glaube nicht, dass das eine ohne das andere vernünftig funktionieren kann. Und ich glaube gerade die Tatsache, dass ich das Bupro -Bröner absetzen konnte, hängt auch stark damit zusammen, dass dann die dazugehörige Psychotherapie auch geholfen hat.

Hannah (34:32.506)
Mhm.

Johannes (34:34.292)
Glaube ich wäre wahrscheinlich mit dem Bupupröhren alleine auch ganz gut hingekommen, aber das ist ja nicht die Idee dahinter. man muss ja auch dazu sagen, Medikamente sind grundsätzlich halt jetzt auch nicht, es ist nicht so, dass durch Medikamente automatisch irgendwie, dass alle Symptome weg sind, aber Medikamente haben natürlich auch Nebenwirkungen und deswegen ist es durchaus schon nicht verkehrt zu gucken, ob es Situationen gibt, wo man keine Medikamente mehr nehmen muss. Ich glaube nur,

dass die, wie gesagt, einer gewissen Schwere eher nicht unbedingt eintritt. Hängt aber natürlich auch mal davon ab, wie man das eigene Leben gestaltet.

Hannah (35:13.018)
Das ist vielleicht nochmal ein ganz guter Aufhänger, nochmal auf den Grund, den ich vorhin genannt habe, für diese Folge einzugehen. Also dass ich bemerkt habe, ich habe bei dem, wie sich meine Symptome verändert haben und welche Strategien irgendwie funktionieren, nicht mit erzählt, dass ich Medikamente nehme oder das mit einbezogen. Und da muss ich ganz ehrlich sagen, vielleicht auch so beruhigend für die Leute, die auch mit mir arbeiten, was ADHS angeht, die Strategien, die ich entwickelt habe für mich und die ich auch oft

Mit meinen Klientinnen arbeite, von denen bin ich auch überzeugt und die funktionieren auch, wenn ich keine Medikamente genommen habe. Fairerweise muss ich dazu sagen, sie funktionieren besser, wenn ich Medikinet genommen habe häufig, weil natürlich das dann einfach eine andere Voraussetzung ist. Aber sie sind trotzdem auch für mich super hilfreich an den Tagen, ich keinen Medikinet genommen habe. Also, wie ich ja schon gesagt habe, im Urlaub nehme ich nichts, an den Wochenenden nehme ich nichts. Und manchmal, wenn ich weiß, ich habe einen ruhigen Tag,

dann nehme ich auch kein Medikinet. Und dann funktioniert es trotzdem. Also dann gehe ich nicht plötzlich unter und ich habe ja auch schon gesagt, na vorher habe ich eine lange Zeit keine Medikamente genommen und da haben diese Strategien für mich ja auch schon getaugt und mir geholfen. Das finde ich einmal noch mal wichtig, das zu sagen und trotzdem merke ich ja schon, dass es auch ein bisschen leichter wird, ich diese Unterstützung habe. Sonst würde ich sie auch nicht nehmen, muss man auch mal dazu sagen.

Johannes (36:36.66)
Wir sollten auch so ganz langsam zum Ende kommen, da wir etwas längeres Vorgespräch hatten und wir noch eine Zeitung Folge aufnehmen wollen heute.

Hannah (36:47.962)
Ja, ich würde trotzdem noch mal ganz kurz gerne was sagen zu Nebenwirkungen. Weil eigentlich wollte ich hier so bisschen meinen

Johannes (37:06.004)
Das ist jetzt schlecht.

Johannes (39:40.153)
Hi!

Hannah (39:41.784)
Ich weiß nicht, was hier passiert ist.

ehrlich zu sein.

Johannes (39:52.025)
Komm

Hannah (39:53.112)
Du musst einmal den Browser, hier steht, du hast es noch woanders geöffnet und das musst du einmal zumachen.

Johannes (39:59.961)
Okay, geht's besser? Ach so, ich weiß, wo das Problem ist. Ja, ja, ja, ja. So, jetzt müsste es gehen.

Hannah (40:08.536)
Ich habe keine Ahnung, was da gerade passiert ist. Auf einmal haben sich alle Browser Fenster bei mir geschlossen.

Johannes (40:16.496)
Ich schneide das irgendwie zusammen.

Hannah (40:18.36)
Ich hoffe, was wir bisher gemacht

Johannes (40:23.129)
Ich hab gerade nachgeguckt, es schien okay zu sein. Es gibt schon zwei Files, die das System hochgeladen hat und das, was jetzt passiert ist, hat es gerade wie eine neue Aufnahme gesehen. Also gucken wir mal, das müsste geklappt haben.

Hannah (40:33.016)
Okay.

Hannah (40:37.528)
wert sind.

Johannes (40:39.994)
Passiert.

Hannah (40:41.016)
Naja, also ich hoffe, das ist jetzt irgendwie nicht so verschädigt. Ich wollte was zur Nebenwirkung sagen, bevor ich...

Johannes (40:46.265)
Genau, lass es mal kurz... Ich zähre mal kurz runter, damit du dann von ganz... Also damit ich so zusammenschneiden kann, dass ich quasi nach dem, was ich runterzähle, einschneiden kann. Drei, zwei, eins...

Hannah (40:50.232)
Ja, ja. Ja.

Hannah (41:00.024)
Genau. Bevor wir gleich schließen, würde ich noch mal kurz was zu den Nebenwirkungen sagen wollen, weil da sind wir jetzt ja noch gar nicht drauf eingegangen. Ich wollte ja eigentlich bzw. wir wollten ja eigentlich so ein bisschen den roten Faden meiner Biografie nehmen und irgendwie sind wir davon komischerweise abgekommen. Könnte das hier ein ADHS Podcast sein? Man weiß es nicht. Aber da vielleicht noch mal was sagen zu können, ist es so, dass ich im Laufe meines Lebens ja verschiedene Präparate ausprobiert habe.

und auch in verschiedenen Dosierungen. Und da kann ich auf jeden Fall ein bisschen was zu sagen, wie sich das so ausgewirkt hat. Und ich glaube, das ist vielleicht auch nochmal für die eine oder andere Person interessant, weil ich nämlich jetzt sagen muss, ich habe keine Nebenwirkungen. In der Einstellung, in der ich jetzt unterwegs bin, habe ich keine Nebenwirkungen, außer an gewissen Tagen meines Zyklus merke ich so ein bisschen, dass da die Dosierung so müh zu hoch ist. Das sind so zwei Tage.

Und an anderen zwei Tagen meines Zyklus merke ich, dass die ein Mühe zu gering ist und ich ein bisschen weniger von dem ganzen merke als sonst. Finde ich total spannend. Habe ich auch mit meiner Psychiaterin besprochen und wir sind uns eigentlich gewesen, dass vielleicht in den Tagen, wo die Medikamente nicht so gut wirken, aufgrund meines Zyklus, ich vielleicht einfach mal lernen darf, auch mal weniger zu machen, fand ich eine gute Einstellung. Hätte von mir kommen können, aber für sich selber ist das ja mal

Schwierig, so was sich einzubestehen und zu erlauben. Genau, aber jetzt merke ich keine Nebenwirkungen. Ich kann aber sagen, in der Zeit zum Beispiel im Studium, die ich vorhin beschrieben habe, wo die Dosierung zu hoch war, da hatte ich starke Nebenwirkungen. Und zwar habe ich da auch diesen trockenen Mund, von dem du vorhin schon geredet hast, super stark gehabt. Und ich habe wie so eine Überdose, es hat sich das ein bisschen angefühlt, ganz richtig krass Kiefermalen gehabt.

Ich habe so stark meine Zähne aufeinander gepresst, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Ich habe richtig Kopfschmerzen davon bekommen. Und was ich tatsächlich die schlimmste Nebenwirkung fand, so kleiner Link zu dem Zombie -Modus, von dem so viele Eltern oder Leute, die Medikamente stigmatisieren, Angst hatten. Ich habe meinen Humor komplett verloren. Also wenn ich, wenn

Hannah (43:22.392)
viel, also die Dosis zu hoch ist, dann bin ich überhaupt nicht mehr witzig. Ich bin dann einfach nur noch so richtig krass super fokussiert und habe auch keinen Funken übrig für irgendwelche Witze, weil ich so im Tunnel bin, dass ich wirklich dann wie so ein Konzentrationsmaschine da so sitze und einfach nur noch arbeite. Aber nicht unbedingt produktiver als sonst, weil ich bin ja auch gestresst gleichzeitig. Das finde ich echt nicht cool.

Johannes (43:50.489)
Das ist ja ganz spannend, weil offensichtlich scheint ja dein Humor zumindest mit deiner nicht vorhandenen Konzentration zusammen zu hängen. Da kann man sich mal Gedanken zu machen. So,

Hannah (44:03.402)
Also nein, Johannes, ich möchte das kurz klarstellen, weil wenn ich normal eingestellt bin, dann bin ich trotzdem lustig. Also you can't tell me otherwise. Ich finde mir super lustig, auch wenn ich Medikamente genommen habe. Nur halt nicht, wenn ich zu viel genommen habe. Und das finde ich ist schon auch nochmal wichtig für diese. Viele Leute haben ja den Gedanken, was ist, wenn ich jetzt Medikamente nehme und dann verliere ich mein Spark? Was ist dein Spark? Was ist es? Ist es Unordnung?

Johannes (44:12.185)
Hahaha!

Hannah (44:32.504)
Es ist unkonzentriert sein. Es ist auf jeden Fall nicht der Humor, zumindest nicht wenn man richtig eingestellt ist.

Johannes (44:37.817)
Ich kann zumindest sagen, ich finde Hanna sehr sparkly, von daher kann ich das bestätigen. So, jetzt muss ich aber das dritte Mal darauf hinweisen, dass unsere Zeit abgelaufen ist. Ein kleiner Hinweis noch, ja, nehme ich mir jetzt auch noch, Spotify hat ein neues Feature eingeführt und zwar könnt ihr jetzt bei Spotify direkt in der App bei den Podcasts, bei den jeweiligen Folgen Kommentare hinterlassen, die wir sogar beantworten können. Tut das sehr gerne.

Hannah (44:41.496)
Danke.

Hannah (44:48.696)
Ja.

Johannes (45:05.305)
Kommentiert lasst uns Sachen da. Wir haben natürlich auch ein Instagram -Account. Kennt ihr alles. Wir werden nochmal, ich würde tatsächlich gerne mal versuchen uns da auch noch ein bisschen ja, auch was Social Media angeht, etwas zu erweitern, aber da muss ich mir tatsächlich mal Gedanken zu machen, was denn da Sinn ergibt. Wenn ihr sagt, hey, es gibt eine Plattform, es wäre total cool, wenn ihr die irgendwie bespielen könntet, schreibt das auch gerne rein. Wir wollen in diesem Podcast auch irgendwie noch etwas, also noch mehr Reichweite verschaffen. Mehr Reichweite ist immer gut. Die letzten Wochen waren schon

unglaublich gut. wir haben jetzt glaube ich vier Wochen in Folge jeweils die meisten Abrufe gehabt. Vielen Dank dafür. Kommt gut in die Woche. Bis zum nächsten Mal. Ciao.

Hannah (45:46.424)
Auf Wiedersehen!