Folge 5 - RSD und Scham
03.06.2024
In dieser Folge sprechen wir über RSD und das Gefühl von Scham - etwas was viele Menschen mit ADHS besonders gut kennen.
Zur FolgeTakeaways
Takeaways
- RSD ist eine extreme Sensibilität gegenüber Kritik und Ablehnung bei Menschen mit ADHS.
- Die Angst vor Zurückweisung kann zu starkem Leidensdruck und Einsamkeit führen.
- Offene Kommunikation in Beziehungen ist wichtig, um Probleme anzusprechen und Lösungen zu finden.
- Es ist wichtig, sich selbst zu schützen und gesunde Beziehungen aufzubauen, indem man bewusst wählt, mit wem man befreundet sein möchte. Schamgefühle sind normal und menschlich, und wir alle haben sie
- Offenheit und Ehrlichkeit in Freundschaften können zu einer stärkeren Verbindung führen
- Das Teilen von Schamgefühlen kann dazu beitragen, dass sich andere weniger allein und isoliert fühlen
- Fehler in Freundschaften sind normal, aber es ist wichtig, daraus zu lernen und Verantwortung zu übernehmen
Transkript Folge 5
Johannes (00:01.041)
Herzlich willkommen bei Overthinking, dem ADS Podcast mit Johannes und...
Hannah (00:07.824)
Herzlich willkommen bei Oversharing, dem ADHS -Podcast mit Hanna und...
Johannes (00:13.201)
Johannes.
Hannah (00:16.624)
Ja, willkommen heute bei einer neuen Folge. Wir haben heute zwei Themen, vielleicht auch noch mehr. Ich meine, in letzter Zeit hat sich ja schon gezeigt, dass wir von Thema zu Thema kommen. Also wollen wir uns mal gar nicht so einschränken. Aber im Gespräch in der letzten Folge zum Thema exekutive Dysfunktion ist unserem Nachgang nochmal aufgefallen, dass auch ein paar andere Themen auf
sind und neben dem Wunsch, dass wir noch mal irgendwann eine zweite Folge zur exekutiven Dissfunktion machen wollen, wollen wir jetzt erstmal über zwei andere Themen sprechen und zwar RSD und Charme.
Johannes (01:01.329)
Ja, und apropos Charme, ich kann einfach mir diesen, den Namen dieses Podcasts nicht merken. Das ist furchtbar, vor allem wenn ich derjenige bin, der den Namen am Anfang einspricht. Ja.
Hannah (01:12.258)
Was auch übrigens mit Charme zu tun hat, können wir gleich mal so richtig einsteigen, weil als Johannes und ich diesen Podcast geplant haben, habe ich zu Johannes gesagt, Johannes, du musst aber bitte die Einleitung machen, weil ich kann das überhaupt nicht gut so ins Leere reinzusprechen. Das ist mir total unangenehm und ich möchte das nicht. Deswegen musst du das machen, bitte. Und da sind wir ja mitten im Thema sich schämen und Dinge deswegen nicht tun.
Johannes (01:42.513)
Ja, das ist jetzt gerade alles noch für mich im Rahmen, wo ich mich nicht wirklich schäme, sondern das eher ein bisschen witzig finde. Aber ja, ich finde Scham und Rejection -Sensitive Dysphoria sind halt so zwei Themen, die sicherlich zu den, ich würde mal sagen, psychisch belastendsten Themen mit ADHS gehören.
Ich kann für mich zumindest sagen, also wir haben in der letzten Folge ja über exekutive Dysfunktion gesprochen und darüber, dass das halt sehr für den Alltag beeinträchtigt. Das ist auf jeden Fall auch so. Ich kann aber für mich sagen, dass die Thematiken, die mich, ich würde sagen, nachhaltig am meisten beeinträchtigt haben, halt wirklich Scham und die Angst vor Zurückweisung sind. Vielleicht sollten wir mal kurz mal erklären, was ist denn RSD überhaupt, bevor wir da tiefer einsteigen.
Hannah (02:32.144)
Genau, also RSD, da hat sie ja schon gerade gesagt, mit Rejection Sensitivity Dysphoria, haben wir ja auch schon mal angeteasert in, ich meine, der ersten Folge, wo ich ja sogar auch noch den falschen Begriff genannt habe, wo ich mich auch noch geschämt habe für. Also es wird eine spannende Folge, kann ich ja schon sagen. Genau, das ist etwas, was immer wieder auftaucht im Zusammenhang mit ADHS, aber auch anderen Neurodivergänzen und das auch so ein bisschen.
Johannes (02:42.289)
Ja.
Hannah (03:00.944)
Da nagelt mich jetzt bitte nicht drauf fest, aber ich meine, auch immer noch in der Diskussion steht, ob es überhaupt ein Symptom von ist oder ob es was ganz Eigenes ist. Und es beschreibt so ein bisschen den Zustand oder die Situation, dass Menschen, ich beschränke das jetzt mal auf ADHS, weil wir ja auch ein ADHS -Podcast sind, die Betroffene von ADHS sehr, sehr sensibel sind für Kritik.
oder auch Ablehnung. Und dass es da auch nicht immer nur darum geht, dass es wirklich tatsächliche Kritik oder tatsächliche Ablehnung gibt, sondern auch einfach das Gefühl von oder die Erwartung von diesen Dingen.
Johannes (03:42.541)
die Erwartungen von Ablehnung, das ist ein so großes Problem für mich. Das kann ich fast nicht in Worte fassen, wie schlimm das zwischendurch für mich war. Gerade auch so im familiären Kontext, wenn ich, was weiß ich, irgendetwas getan habe, wo ich dachte, das könnte irgendwie jemandem aus meiner Familie, bzw. speziell meinen Eltern nicht gefallen. Und meistens waren das gar nicht Sachen, die irgendwie problematisch waren.
nur weil ich dachte, das könnte problematisch sein, wo ich mich monatelang teilweise für geschämt habe oder monatelang einfach nicht angesprochen habe, nur weil ich dachte, das könnte zur Ablehnung führen.
Hannah (04:23.504)
Ja, und das ist ja auch was, was wir einfach lernen. Ich glaube, ich habe vor zwei Folgen oder so gesagt, unser Gehirn ist total scharf auf Lernerfahrungen. Und das ist genau das. Wir gehen durch unser Leben und machen immer wieder die Erfahrung, dass wir uns für etwas schämen müssen oder dass etwas nicht gut genug war oder dass Leute auf etwas, was wir getan oder gedacht oder gesagt haben, mit Ablehnung oder Kritik reagiert haben. Und das speichern wir ab.
Und gerade bei Menschen mit Neurodivergenz ist es so, dass vermutet wird, dass wir besonders empfindlich dafür sind, weil wir höchstwahrscheinlich auch deutlich mehr Kritik und Ablehnung erfahren. Also einfach weil zum Beispiel viele Anforderungen der neurotypischen Welt einfach gar nicht oder nicht so wie erwartet erfüllt werden können. Gerade wenn wir
Davon sprechen, dass Menschen noch keine Diagnose haben, also auch gar nicht wissen, dass es eventuell Herausforderungen gibt, die sie haben, die andere Menschen nicht haben. Und das führt natürlich auch dazu, dass man sich dann immer fragt, wieso kann ich es eigentlich nicht allen anderen Felsen doch auch so leicht? Nur mir nicht. Bin ich eigentlich die einzige Person, die Probleme damit hat? Und das ist dann natürlich wieder so ein Faktor, der sehr, sehr viel Scham mit sich bringt. Und mit dieser Scham, dass man das nicht kann und das ist...
nur mir so schwer fällt, kommt natürlich auch ein totales Gefühl von Einsamkeit.
Johannes (05:56.049)
Und ich habe auch mal in einem Buch zu ADHS und ich glaube in meinem Hörbuch zu ADHS von zwei Psychiatern, ich muss das noch mal raus suchen, wie es genau heißt, gehört, die meinten, naja, wenn man ADHS hat, erlebt man halt so unfassbar oft Ablehnung und zwar mehrere hundert Mal am Tag oder zumindest mehrere dutzend Mal am Tag.
Das kann sein, du stößt in der Schule, dann wirst du zurechtgewiesen, dann störst du drei Minuten später wieder, dann wirst du zurechtgewiesen, dann spürst du drei Minuten später wieder, dann wirst du rausgeworfen, dann lachen dich Schüler aus, wenn du rausgeworfen wirst, dann kriegst du einen Tadel aufgrund der Tatsache nach Hause, dann kriegst du noch Ärger von deinen Eltern dafür. Das sind jetzt alles keine Dinge, die mir so krass passiert sind, weil ich nicht der hyperaktive Typ bin. Aber ich glaube, dass halt ganz, ganz...
oft wirklich ADHS und Ablehnungen im sozialen Kontext miteinander einhergehen. Ich kann da allein aus meiner Kindheit ganz, ganz viele Dinge erzählen. Und ich hatte gerade tatsächlich so einen Gedanken, den ich mal ganz kurz eben noch mal online recherchiert habe. Und der Gedanke scheint gar nicht falsch zu sein. Und zwar gibt es zur RSD, also zur Rejection Sensitive to the Foreer, quasi keine Forschung. Das ist eine relativ neue Thematik.
muss auch gleich noch mal ganz kurz nachgucken. Ich glaube, die in dem Griff gibt es ungefähr erst seit fünf, sechs Jahren. Hat, glaube ich, eine amerikanische Psychotherapeutin geprägt oder ein Psychotherapeut geprägt, der festgestellt hat, dass nahezu alle seiner Patienten, also ich meine, er meinte über 90 Prozent seiner Patientinnen, sehr empfindlich auf Ablehnungen reagieren und dann gesagt haben, okay, das kann jetzt kein Zufall sein, da muss irgendwas hinterstecken und hat halt diese Theorie aufgestellt. Und dadurch, dass es halt noch relativ
frisch ist und wir wissen alle, gerade Forschung im psychotherapeutischen, im psychiatrischen Bereich dauert halt und ist meistens auch schlecht bezahlt. Deswegen gibt es da auch keine richtigen Forschungsergebnisse zu. Aber ich hatte gerade einen Gedanken und der scheint nicht ganz falsch zu sein und zwar scheint RSD mit einer Form von PTBS zusammen zu hängen. Oder zumindest wird diskutiert, ob das miteinander zusammenhängt, weil du halt so viel Mikro -Traumata in deinem Leben erlebt hast.
Hannah (08:08.912)
Mhm.
Johannes (08:09.137)
dass sich das halt wie eine Form von PTBS darstellen kann. Ich kenne mich jetzt mit PTBS nicht gut genug aus, aber ich kann halt für mich sagen, dass halt wirklich RSD sich so stark anfühlt, dass das bei mir sämtliche Formen von Gefühlen überlagern kann. Es gab mal für mich eine Phase vor anderthalb Jahren, die tatsächlich am Ende zu meiner ADHS -Diagnose geführt hat, weil ich halt gesagt habe, ich habe da so ein großes Problem, ich muss da nochmal dran, wo ich...
Hannah (08:28.56)
Ja.
Johannes (08:38.673)
so starke Angst vor Zurückweisung einer bestimmten Person hatte, dass ich halt über Monate quasi nicht lebensfähig war. Also ich war... Mir ging es so schlecht damit, dass ich regelmäßig Panikattacken hatte und dass ich...
Irgendwann dachte, boah, wenn das so weitergeht, dann muss ich echt, dann muss ich nicht nur ambulant, sondern muss ich stationär behandelt werden, weil das so starken Leidensdruck bei mir ausgelöst hat, wie ich glaube noch nie etwas vorher einen Leidensdruck in mir ausgelöst hat.
Hannah (09:10.576)
Ja, und das, was du beschreibst, ist überhaupt nicht so, dass es ein Einzelschicksal ist. Also das, was du gerade gesagt hast, diesen Zusammenhang, den habe ich auch schon gehört und gelesen und ich finde ihn auch nachvollziehbar. Also einmal ganz kurz nochmal vielleicht erklärt, PTBS steht für posttraumatische Belastungsstörung. Heißt also, wir erleben etwas Traumatisches und schaffen es nicht, es normal in Anführungszeichen, also normal im
Johannes (09:29.809)
Ja, sorry.
Hannah (09:40.336)
im psychotherapeutischen Sinne zu verarbeiten, sondern reagieren auf dieses Trauma anders, als wir vielleicht auf andere nicht so schöne Erlebnisse reagieren würden. Das heißt, es bleibt etwas übrig von diesem traumatischen Erlebnis. Und wenn wir das jetzt quasi im Zusammenhang setzen, dann, finde ich, ergibt das schon Sinn, dass diese vielen, vielen Zurückweisungen, vielen...
ja, vielen Erlebnissen von Kritik und Ablehnung dazu führen, dass so etwas wie eine posttraumatische Belastungsstörung sich entwickeln kann und wir sehr empfindlich für Veränderungen in Mimik, Veränderung in Gestik, Veränderung in Tonlage, in Kontaktverhalten und so weiter werden, weil es ja auch wichtig ist für unseren eigenen Schutz, also für
für unsere Unversehrtheit. Also quasi super, super aufmerksam zu sein darauf, wenn jemand etwas verändert im Kontakt mit uns. Und das ist auch etwas, was wir auch bei traumatisierten Menschen erleben. Das zum eigenen Schutz, zum eigenen Überleben ist wichtig, dass man diese Zeichen sehr sensibel durchen kann.
Johannes (10:57.361)
Also bei mir ist das definitiv ganz stark, wenn sich Kontaktverhalten verändert. Ich habe halt immer das Gefühl, also ich meine gerade bei neuen Freundschaften ist das ja durchaus so, gerade bei Freundschaften mit Menschen, die ADHS haben, dass die am Anfang sehr intensiv sind, weil man sich erstmal kennenlernt und man erstmal alles mit dieser Person kennen möchte und ganz viel Zeit mit der verbringen möchte. Und dann wird das ja auch einfach natürlicherweise weniger, weil sich dann auch vielleicht, keine Ahnung, dann kennt man sich vielleicht schon, dann kommt man in so eine, ja so eine...
in Anführungszeichen klassische Freundschaft, wo man sich vielleicht einmal die Woche sieht oder auch seltener. Und ich merke aber ganz oft, dass wenn sich eine Freundschaft von dieser sehr intensiven Phase in eine nicht so intensive Phase wechselt, dass ich dann sehr oft RSD bekomme, weil ich dann halt das, weil ich oder auch Panik, weil ich dann halt das Gefühl habe, die Freundschaft geht halt komplett kaputt. Was halt total, also auch unrealistisch ist, weil ich...
weil ich dieses intensive Niveau einer Freundschaft, die gerade angefangen hat, auch selbst nicht aufrechterhalten kann. Und trotzdem fühlt sich das für mich ganz furchtbar an.
Hannah (12:01.2)
Ja, also das, wie gesagt, das knüpft ja auch so ein bisschen an das, was du eben gerade schon gesagt hast, dass es einen auch sehr lehmen kann und dass es einen auch in so eine Ohnmacht irgendwie schicken kann. Und ich glaube, Ohnmacht ist eine Gefühlslage, die mit am gefährlichsten sich irgendwie anfühlt, weil das ja auch mit sich bringt, dass man keine Kontrolle, keine Handlungsfähigkeit mehr hat.
Und das ist ja gefährlich, logischerweise.
Johannes (12:33.649)
Ja, für mich fühlt sich das ein bisschen so an, als ob ich überhaupt keine Kontrolle mehr über irgendetwas hätte. Und ich glaube, Machtlosigkeit ist echt so, dass gerade für Menschen mit ADHS, die ja sehr freiheitsliebend sind eigentlich, die ja sehr, also für mich ist es ein ganz wichtiger Teil meiner Persönlichkeit, ist es, selbstermächtig zu sein, selbst Herr meiner Handlungen und meines Lebens zu sein.
Hannah (12:39.024)
Ja.
Hannah (12:55.728)
Ja.
Johannes (12:58.673)
Und dann halt in eine Situation zu kommen, wo ich gefühlt völlig abhängig von dem Verhalten einer anderen Person bin, die das A gar nicht realisiert, dass das mich so belastet, weil ich, also wir sind uns beide relativ einig, wir würden nicht drüber reden unbedingt mit dieser Person. Also, geh ich mal davon aus, bei mir ist es auf jeden Fall so, dass ich da nicht drüber reden kann. Okay, ich kann da definitiv nicht drüber reden, weil da kommt wieder Scham mit rein, weil ich möchte ja auch dieser Person nicht das Gefühl aufbürden, dass sie so wichtig ist für mich, weil das...
Hannah (13:18.32)
Da kann ich deutlich was zu sagen.
Johannes (13:28.081)
schafft ihr auch eine Form von Druck, den ich in der Freundschaft gar nicht haben möchte. Und zum anderen ist es aber halt auch so, dass es halt ganz schwierig ist für mich da rauszukommen, weil ich in so eine Art Gedankenspirale falle, aus der ich mich selbst kaum befreien kann.
Hannah (13:49.008)
Ja, also ich antworte jetzt mal in zwei Teilen, und zwar einmal quasi aus der professionellen Rolle und danach ergänze ich nochmal was Privates. Weil ich kenne das natürlich privat und beruflich, dieses was du gerade beschreibst, dieses Gefühl von Kontrollverlust und eine ganz klassische psychotherapeutische Intervention finde ich ist da zu gucken, was liegt in meiner Kontrolle, was liegt nicht in meiner Kontrolle und natürlich dann den Fokus mehr darauf zu legen.
Was kann ich gerade kontrollieren? Was kann ich denn in diesem Fall kontrollieren? Ich kann gucken, dass ich was tue, was mir gut tut, dass ich den Fokus auf was anderes lege, dass ich zum Beispiel auch, wenn sich das wirklich nicht anders lösen lässt, ins Gespräch gehe. Und dann kann ich aber ja auch mir vorher gut überlegen, wie muss dieses Gespräch aussehen, dass es sich für mich gut anfühlt, dass ich das auch führen kann und dass ich hinterher auch nicht das Gefühl habe, ich habe jetzt schon wieder jemanden ganz doll belastet.
und mich dann hinterher dafür schämen muss. Deswegen auch da dieses Kontrolle im Unkontrollierbaren finden muss manchmal, oder was heißt manchmal, ich glaube es muss oft gar nicht so was riesiges sein, sondern können auch ganz, ganz minimale Dinge sein. Ich bin ja sowieso großer Fan davon, erstmal so ganz kleine, mini, mini, mini Schritte zu finden, eine Veränderung zu machen, weil die kann man auch realistisch irgendwie dann durchführen.
Johannes (14:48.753)
Das ist es.
Hannah (15:16.592)
Und für mich ist es so, das ist jetzt quasi der private Twist, dass ich das gut kenne, dass wenn sich auch so gerade so Schreibverhalten oder sowas verändert, dass ich dann auch denke, Gott, das habe ich jetzt schon wieder gemacht. Habe ich jetzt zu lange nicht geantwortet, nochmal die letzte Folge anzuknüpfen oder habe ich irgendwie was anderes gemacht? Habe ich irgendwie, gab es irgendeinen Grund, warum diese Person jetzt auf mich wütend sein könnte? Und...
Ich habe mittlerweile da für mich, würde ich behaupten, einen ziemlich guten Umgang gefunden, weil ich mache das so nicht mehr. Also ich bin irgendwann an mehrere Punkte gekommen, wo ich angefangen habe, mich auch zu fragen, habe ich eigentlich realistisch, wenn ich jetzt mal nicht mich fragen würde in meiner Scham und in meiner Sorge gerade, sondern wenn ich mal von außen drauf gucken würde, habe ich irgendwas gemacht, worauf man wirklich irgendwie wütend sein könnte. Ich würde sagen 99 Punkte.
ist die Antwort nein gewesen. Und dann habe ich gedacht, ja, okay, dann kann ich jetzt auch jedenfalls schon mal einen Gang in der Sorge zurückschalten. Ich habe offensichtlich nichts gemacht. Und ein weiterer Schritt war einfach auch zu sagen, naja, also im Zweifelsfall, wir sind beide erwachsene Personen. Wenn diese Person wirklich ein Thema mit mir hat, dann erwarte ich irgendwie oder wünsche mir in einer erwachsenen Freundschaft auf Augenhöhe, dass diese Person mir auch zumuten würde,
das mit mir zu kommunizieren. Und das ist was, was ich in meinen Freundinnen schafften, total wichtig finde und was ich auch an denen, die ich führe, sehr sehr schätze, dass ich ziemlich, ziemlich sicher bin, dass wenn meine Freundinnen wirklich ein Problem mit mir haben, dass sie das mit mir kommunizieren würden. Und was damit einhergeht, ist, dass ich für mich auch beschlossen habe, nicht mehr so oft das Denken für andere Leute zu übernehmen. Und
mir einfach gedacht habe, ne, also das möchte ich so einfach nicht mehr. Wenn du was hast, was du mit mir besprechen möchtest, dann bin ich dafür offen und das kannst du tun, aber ich werde das nicht mehr permanent übernehmen, diese emotionale Kehrarbeit zu machen und alles wie so ein Spürhund rauszufinden. Du könntest jetzt mit mir ein Problem haben, weil ich grad noch mal ein bisschen tiefer...
Hannah (17:42.192)
und dann irgendwann zu fragen, sag mal, hast du eigentlich ein Problem mit mir, weil ich das und das gemacht habe? Da habe ich einfach für mich irgendwann entschieden, diese Verantwortung möchte ich nicht permanent tragen. Ich gehe einfach davon aus, dass ich dir glauben kann, was du zu mir sagst. Wenn du sagst, alles ist fein, dann nehme ich das so und arbeite mit, alles ist fein. Es gibt natürlich, möchte ich kurz für den Reality -Check sagen, auch Situationen, in denen mir das auch nicht ganz gelingt. Aber...
Ich habe da wirklich viel Arbeit reingesteckt, dass es mittlerweile in den allermeisten Fällen so für mich funktioniert, dass ich sage, ich glaube dir als Erwachsene und auch selbst ermächtigte Person einfach mal, dass du mich nicht anlügst, wenn du mir sagst, alles ist gut.
Johannes (18:25.969)
Ja, ich muss vielleicht auch gerade ein bisschen, was ich vorhin sagte, relativieren. Ich spreche nicht über RSD. Das ist vielleicht eher so eine Aussage, die wahrscheinlich noch richtig war, als ich noch die ADRS -Diagnose nicht hatte und als ich in dieser ganz, ganz schweren Phase war. Das war so Oktober vor zwei Jahren, also Oktober 2022. Was dann auch am Ende der ...
Sprung für mich war zu sagen, okay, ich muss da nochmal an meine Psyche ran, irgendwas muss sich da ändern. Ich finde das eigentlich ganz interessant, weil ich dieses Problem, dass man nicht miteinander spricht und dann irgendwie Dinge ungesagt bleiben, selbst total ätzend finde. Das ist tatsächlich etwas, was ich gerade in Büchern ganz ätzend finde. Wenn man jetzt so, ich würde sagen so Young Adult oder New Adult Bücher liest, ist das ja ganz oft...
ein Trope, wo eigentlich der ganze Plot sich darum dreht, dass Charaktere nicht miteinander reden. Und gerade auch, so ich mal sagen, so in Jugend -Fantasy oder junge Erwachsenen -Fantasy hast du das super oft. City of Bones ist dann ein richtig schönes Beispiel. Also Shadowhunters, das kennen wahrscheinlich einige, weil das auch mal verfilmt wurde. Und ich habe tatsächlich diese Serie abbrechen müssen, weil sich quasi jedes Buch darum, der Konflikt darum drehte, dass die beiden Hauptcharaktere nicht miteinander kommunizieren.
Gleichzeitig merke ich aber, dass mir das gerade in Beziehungen total schwer gefallen ist, früher Probleme offen anzusprechen, weil ich Angst vor Zurückweisungen hatte. Heißt, ich habe irgendwie ein Problem, dass ich in dieser Beziehung habe, nicht angesprochen, weil ich dachte, dass die einzige Lösung für dieses Problem ja aufgrund, also für meinen Beziehungspartner, meine Beziehungspartnerinnen eigentlich nur sein kann, okay, dann beenden wir die Beziehung. Und nicht wie erwart, wie wir arbeiten, wie erwachsene Menschen an diesen Problemen und gucken, ob wir eine Lösung finden.
Und ich muss sagen, das ist etwas, was ich bei meiner aktuellen Beziehung total erfrischend finde. Ist aber auch die erste Beziehung, die ich führe, seit ich meine Diagnose habe, wo ich halt sagen kann, hey, ich habe hier dieses Problem und ich weiß gerade nicht genau, wie wir es lösen können, aber wir versuchen dann halt, Gemeinsames zu lösen. Es kann natürlich sein, dass wir irgendwann an ein Problem kommen, wo wir sagen, okay, das können wir nicht innerhalb dieser Beziehung lösen. Und das führt ja dazu, dass wir diese Beziehung beenden. Aber am Ende...
Johannes (20:49.649)
wird das ja nicht dadurch besser, dass wir über dieses Problem nicht gesprochen haben, sondern wir dieses Problem verschweigen. Und ich merke, das ist glaube ich, das ist glaube ich vielleicht das größte, die größte Veränderung, die ich durchlebe seit ich meine ADHS -Diagnose habe und seit ich weiß, was Rejection Sensitive Dysphoria ist, ist halt, dass ich dieses Gefühl für mich objektifizieren kann und
Hannah (20:52.196)
Ja.
Johannes (21:16.753)
dann halt auch entsprechend handeln kann, also mich auch mal aus der Situation rausnehmen kann. Ich habe tatsächlich bei einer Person, die regelmäßig bei mir RSD ausgelöst hat, ich weiß gar nicht, ob das jetzt bewusst durch sie passiert ist oder ob es unbewusst war, ist auch völlig egal, aber da habe ich tatsächlich den Kontakt abgebrochen. Nicht weil ich dieser Person böse bin oder so, sondern weil ich einfach gemerkt habe, dass der Kontakt zu dieser Person mir so schlecht tut, dass ich das halt für mich nicht mehr vernünftig begründen kann.
Hannah (21:46.416)
Ja, also ich glaube, das ist auch ein wichtiger Faktor. Und das habe ich ja auch schon mehrfach jetzt in anderen Folgen auch gesagt, je besser man sich kennt und je besser man seine Symptome und seine Herausforderungen irgendwie erkennen kann, desto einfacher wird es auch halt für sich, Strategien zu entwickeln. Also ich muss auch dazu sagen, das, was ich gerade gesagt habe, kommt natürlich so von dem Punkt, dass ich jetzt auch
einfach schon ein bisschen älter bin. Ich habe den Luxus, dass ich mich beruflich und privat sehr mit diesem Thema auseinandergesetzt habe, dass ich auch einfach im Rahmen meiner Ausbildung und Supervisionen und so weiter viel Zeit hatte, mich auch mit mir selber und meinen ganzen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Und auch in meinem Freundinnenkreis natürlich viele Menschen habe, die im psychosozialen Bereich arbeiten und mit denen ich auch ganz gut über solche Themen sprechen kann. Und
mit denen ich aber auch total gut mich selber nochmal reflektieren und angucken kann. Also das heißt, ich habe im Alltag auch viele Punkte, wo ich immer wieder dazu komme, mich auch anzuschauen und meine Strategien irgendwie nochmal zu reflektieren. Also quasi eigentlich ein bisschen das, was ich mit meinen Klientinnen in unseren Therapieprozessen mache, mache ich auch privat mit meinen Freundinnen. Und dieser Punkt, den ich gerade beschrieben habe, dass ich dann einfach auch sage, so ich...
übernehme das Denken nicht mehr so häufig für andere. Den habe ich natürlich auch nicht immer gehabt und habe ich auch noch gar nicht so lange, würde ich sagen. Also ich würde sagen, das ist so ein Ding von, sagen wir mal so zwei, drei Jahren. Und ich werde jetzt am Sonntag 32. Das heißt, in sehr, sehr langer Zeit meines Lebens war mir das auch nicht so möglich. Und ich glaube auch, dass ich...
Johannes (23:22.609)
Mhm.
Hannah (23:35.472)
dass ich in den letzten Jahren sehr, sehr viel in meinen Freundschaften auch verändert habe und auch verändert habe, mit wem ich mich eigentlich verbinden möchte. Und ein wichtiger Teil davon, jetzt kommen wir nämlich wieder zum Thema Scham und auch Ablehnungsgefühl, ist, dass ich mir auch überlegt habe, mit wem möchte ich eigentlich befreundet sein. Also nicht quasi immer geguckt habe, wer möchte mit mir befreundet sein. So, wem kann ich eigentlich dankbar dafür sein, dass der mich erträgt, sondern...
Wen möchte ich eigentlich in meinem Leben haben? So nicht immer nur kann ich genug bieten, also neben meinen ganzen Flaws und meinen ganzen Koffern, die ich so mit mir rumschleppe, wer kann mich eigentlich ertragen und kann ich eigentlich genug tun, meine Dankbarkeit für diese Beziehung auszudrücken, sondern kriege ich eigentlich auch das zurück, was ich verdiene. Und ich glaube, warum ich das erzähle, ist, dass für mich da RSD und Charme eine sehr, sehr große Rolle gespielt hat, weil ich
sehr lange in meinem Leben mich sehr doll geschämt hab für Dinge, die ich nicht so mache wie andere Leute oder die mir vielleicht nicht so einfach fallen oder einfach, denn eine lange Zeit in meinem Leben, die ist Gott sei Dank aber schon ein bisschen länger vorbei als zwei, drei Jahre, muss ich auch dazu sagen, mich wirklich für fast alles in meiner Existenz geschämt habe. Und das ist keine gute Grundlage natürlich für langfristige, authentische und auch ausgeglichene Freundschaft.
Johannes (25:02.321)
Ja, da habe ich tatsächlich zwei Dinge zu beizutragen. Zum einen, ich gehe da total d 'accord mit, wie wir... Also ich glaube, dass ich gerade jetzt an diesen Punkt komme, an dem du vielleicht vor zwei, drei Jahren warst, wo ich halt sagen kann, okay, ich muss halt für mich auch mal selbst überlegen, mit wem möchte ich eigentlich befreundet sein und...
Also bekomme ich eigentlich aus den Freundschaften das zurück, was ich denn auch selbst da rein stecke, dass das nie komplett gleich ist. Ist ja sowieso völlig okay. Und manchmal gibt es einfach Situationen, wo man manchmal mehr gibt und manchmal vielleicht auch immer mehr bekommt und das ist völlig okay. Ich habe tatsächlich zwei Freundinnen, die mich schon sehr lange begleiten, wo ich einfach weiß, dass, also wir sehen uns gar nicht so oft. Eine davon wohnt in Hamburg, die andere in Düsseldorf.
Aber das ist so, glaube ich, das, wo ich denke, das ist genau die Art von Freundschaft, die ich haben möchte. Weil es gibt immer jemanden von uns, dem es schlecht geht, und dann kümmert man sich den und das auch grundsätzlich in Rotation. Und wenn ich überlege, was die alles schon mit mir durchmachen mussten. Aber ich glaube, ein zweiter Punkt, weil du gerade über Scham gesprochen hast, ist, und das habe ich auch schon oft von anderen Menschen, die ADHS haben gehört, ich weiß nicht, ob das bei dir auch der Fall ist,
Aber ich hab das total oft, dass ich, oder das hatte ich zumindest sehr lange, dass ich so Flashbacks hatte von Erinnerungen, wo ich mich einfach, ja, nicht gut verhalten habe oder wo ich mich vielleicht auch einfach jetzt gar nicht mal, ich würde mal sagen, objektiv nicht gut verhalten habe, sondern wo ich mich so verhalten habe, dass andere da halt irgendwie das lustig fanden oder sich halt über lustig gemacht haben. Oder ja, auch wo ich mal, keine Ahnung, mich wirklich nicht gut verhalten habe, aber wo ich halt aus diesen Situationen nicht rausgekommen bin. Also es gibt so...
Sogar dass man in der Kindheit so einige Situationen, wo ich heute teilweise noch Flashbacks habe, wo ich einfach völlig random irgendwie mich dran erinnere und mich dann wieder schäme. Und ich glaube, aus dieser Schamenspirale rauszukommen, gerade als Mensch mit ADHS, ist halt total schwierig. Weil zumindest für mich spielt da auch so dieser Faktor mit rein, dass ich halt zumindest kein besonders gutes Zeitempfinden habe. Das heißt, ob jetzt etwas drei Wochen her ist oder ob das stattgefunden hat, als ich sechs war.
Hannah (27:02.704)
Ja.
Johannes (27:24.433)
Das macht für mich nicht so den unfassbar großen Unterschied. Das heißt, es gibt Erinnerungen für mich, die noch aus meiner Grundschulzeit sind, die so nahe sind, wie Erinnerungen, die drei Wochen her sind. Und das sind aber dann oft charmbehaftete Erinnerungen, die dann aber dieses Gefühl wieder hervorrufen, was dann aber dazu führt, dass ich mich halt sehr oft schäme. Und zwar in total random Situationen. Also ich merke, dass gerade jetzt kommen, gerade weil wir darüber reden wahrscheinlich, kommen wieder Erinnerungen hoch, die...
Hannah (27:46.768)
Ja.
Johannes (27:54.129)
Früher Grundschule, früheres Gymnasium.
Hannah (27:58.)
Ja, doch, also das kenne ich auf jeden Fall, dass man sich so erinnert an Dinge, die irgendwie auch einfach negativ konnotiert sind, ob sie jetzt tatsächlich wirklich irgendwie schlecht waren oder halt auch nicht, wo man einfach so negative Erfahrungen hat. Also das kenne ich auf jeden Fall und dass man das auch gerne vermeiden möchte, dass sich das wiederholt und dann auch so ganz sensibel ist für Situationen, die einen daran erinnern. Und da haben wir wieder so eine kleine Parallele zu dieser
posttraumatischen Belastungsstörungen. Also das ist ja auch Trigger in PTBS. Die können ja sein, ähnliche Situationen oder irgendwie Menschen, die einen daran erinnern an dieses Erlebnis und so. Und das ist, glaube ich, ähnlich bei diesem, was du gerade gesagt hast, diesen Erinnerungen an scharmbesetzte Situationen aus der Vergangenheit. Und ich...
Ich hab jetzt gerade ja auch auf meinem Blog zwei Artikel veröffentlicht zum Thema Scham. Also Scham einmal und einmal Scham und Perkzionismus. Und was finde ich ein ganz, ganz wichtiger Punkt von Scham ist, und das habe ich auch am Anfang ja schon gesagt, ist es zu isolieren. Das macht uns ganz einsam, weil wir auch einfach immer denken, wir sind alleine damit und wir können das auch niemandem zumuten. Diese Schwere an Emotionen und dieses Gefühl von ich hab mich irgendwie falsch verhalten oder...
Ja, das belastet mich so sehr, das kann ich gar nicht teilen. Und was aber dabei auch ganz, ganz wichtig ist, ist, dass Scham viel an Macht verliert, wenn wir das teilen. Also wenn wir quasi den Mut aufbringen, uns ehrlich und echt zu zeigen. Und dazu gehören natürlich auch unsere vermeintlichen Unzulänglichkeiten. Also wenn wir jetzt kurz nochmal an die letzte Folge denken.
Johannes (29:25.553)
Ja.
Hannah (29:50.704)
Als du gesagt hast, ja, und dann war Hannah drei Monate weg, da bin ich in meinem Stuhl zusammengesunken und dachte so, Gott. Ja, also ja, du hast angeboten, wir können das rausschneiden, aber naja, worüber reden wir denn jetzt? Ich muss das wohl jetzt aushalten. Und ich habe richtig gemerkt, wie es sich in mir angespannt hat und ich bin rot geworden. Und mir war das sehr unangenehm, dass das jetzt was ist, was so in die Öffentlichkeit getragen wird.
Johannes (30:13.329)
nein.
Hannah (30:18.736)
Und dann habe ich gedacht, so Hanna, ganz ehrlich, also du prägst dir deinen Klientinnen immer, dass sie sich irgendwie öffnen sollen und dass sie doch in Verbindung gehen sollen mit den Dingen, für die sie sich irgendwie schämen. Und ja, klar, also denen rate ich, das sollen sie in einem sicheren Raum machen und mit den Leuten, wo sie das Gefühl haben, das ist gut aufgehoben und das ist dann vielleicht keine Podcast Folge. Und auf der anderen Seite denke ich so, ist es jetzt was, wofür ich mich so extrem schämen muss, dass ich das nicht vielleicht...
im Rahmen eines ADHS -Podcasts irgendwie auch zugeben kann, dass das eine Problematik ist.
Johannes (30:51.633)
Also dazu zwei Punkte. Zum einen vielleicht hilft das ja auch anderen, die da gerade zuhören. Natürlich war das etwas, wo ich gemerkt habe, da gibt es gerade ein Problem mit einer exekutiven Dysfunktion von Hand. Aber das war nie etwas, was ich negativ fand. Mir war immer klar, da ist gerade irgendwie Stress hinter, da ist vielleicht geht es einfach gerade nicht. Ich hatte nie eine Situation, wo ich gesagt habe, okay, das ist jetzt irgendwie etwas, da bin ich jetzt sauer oder so. Ich habe
dir ja einmal dann geschrieben, hey du, das löst grad bei mir ein bisschen RSD aus, dass du dich so lange nicht meldest. Bitte sag doch mal was los ist, damit ich einfach für mich halt ja objektifizieren kann, was ist denn da gerade los. Aber wenn wir jetzt gerade so mit sehr schambehafteten, über sehr schambehaftete Dinge sprechen, dann kann ich ja vielleicht auch mal darüber sprechen, was bei mir ein ganz groß schambehaftetes Ding ist. Und zwar, das ist jetzt auch wieder ein Punkt, wo meine exekutive Disponenzum mit reinspielt. Ich bin unfassbar schlecht da mit Termine.
nicht einzuhalten, sondern zu machen. Und zwar sie so zu machen, dass ich sie eintrage und dann nicht gleichzeitig einen zweiten Termin lege. Also ich glaube, es gibt Jahre, da habe ich mich quasi immer wegen irgendwas geschämt, weil ich irgendwo Doppeltermine hatte und dann aber zum einen aufgrund von Exquivalent Dysfunktion auch das Problem hatte, einen Termin abzusagen und dann, das war wie so eine Doom Clock, das heißt, ich wusste vier Wochen vorher, okay, ich habe an dem Wochenende zwei Termine zugesagt und ich muss einem diese beiden Termine absagen.
Okay, mach's die nächste Woche. Drei Wochen? Okay, mach's die nächste Woche. Zwei Wochen? Okay, mach's die nächste Woche. Eine Woche? Kannst die auch in den Freitag machen, wenn du Samstag auf dem Geburtstag eingeladen bist. Und das ist... Dann fühlst du aber vier Wochen lang durchgehend Charme, weil du halt weißt, dass du diesen einen Termin absagen musst. Und das wiederum führt ja zum einen auch zur RSD, weil du Angst hast, du wirst danach nicht wieder eingeladen, gleichzeitig schämst du dich, weil...
Hannah (32:22.832)
Mhm.
Johannes (32:45.073)
Dumm kann man eigentlich sein, dass man zwei Termine an einem Tag gelegt hat. Warum hast du den einen Termin nicht eingetragen? Oder andersrum, warum hast du, obwohl du den Termin eingetragen hast, dich in dein Kalender geguckt, bevor du den anderen Termin zugesagt hast? Und ich muss sagen, das ist bis heute so großes Problem für mich, dass ich glaube, also ich würde behaupten, dass das von den letzten 15 Jahren mich vielleicht ein Drittel der Zeit belastet hat. Und zwar durchgehend. Und ähm...
Ich bin mittlerweile sehr gut darin geworden, das nicht mehr zu tun. Wie in der letzten Folge gesagt, automatisch Kalendererinnerungsfunktionen, automatisch Termineintragungen und so sind schon echt gut und ich gebe zu, ich warte einfach nur darauf, bis es eine KI gibt, die WhatsApp durchsucht, dass ich eben welche Termine zugesagt habe und diese Termine automatisch einträgt. Also das wäre für mich wahrscheinlich die Killerfunktion für KI überhaupt. Und...
Es tut mir trotzdem total leid, dass ich dieses Gefühl an letzter Folge über dir ausgelöst habe. Aber...
Hannah (33:46.672)
Es ist ja jetzt eigentlich total gut, weil wir dadurch ja quasi auch auf dieses Thema Scham jetzt auch nochmal quasi gekommen sind. Und wie gesagt, also eigentlich bin ich jetzt ganz stolz auf mich, dass wir dann darüber gesprochen haben, weil das genau das ist, was ich eigentlich tatsächlich hier in der Arbeit sehr, sehr oft auch, ich würde es schon fast Predigen nennen, weil ich denke, dass das genau das ist, was es braucht, nämlich...
sich auch dann zu trauen und den Mut zu haben, halt diese Unzulänglichkeiten irgendwie auch zu benennen. Und klar war das jetzt nicht super angenehm und wahrscheinlich nicht meine Lieblingsfolge, die wir jemals aufgenommen haben. Aber es führt auf jeden Fall dazu, dass ich mich sichtbar gemacht habe und dass das auch dazu führt, dass vielleicht andere Leute das hören und denken, boah, mir geht es genauso und sich nicht mehr so einsam und isoliert fühlen. Und deswegen ist es wichtig, dass wir über diese Themen sprechen.
Johannes (34:43.953)
am Ende können unsere Zuhörerinnen ja sehen, wir machen trotzdem noch einen Podcast. Also von daher scheint das ja auch unserem Verhältnis keinen Abbruch getan zu haben, dass das damals so war. Und das ist...
Hannah (34:55.888)
Nein, und ich glaube tatsächlich da merkt man aber auch, dass du hast es geschafft zu sagen, hey, mich verunsichert das. Und ich habe es geschafft, dass ich vor einigen Jahren garantiert so nicht gekonnt hätte, auch dann auch zu reagieren und zu sagen, ey, pass auf, es hat gerade gar nichts mit dir zu tun. Ich bin hier gerade einfach ein bisschen am jonglieren mit meinen ganzen Themen. Ich habe trotzdem Bock, das mit dir zu machen und ich melde mich später. Tut mir leid, dass ich das gerade nicht so gut kann.
Johannes (35:19.889)
Das war ja auch total wertschätzend, also uns beiden gegenüber. Ich konnte meine Gefühle äußern und sagen, hey, das verunsichert mich und du konntest sagen, du geht gerade nicht anders. Und ich glaube, wir beide hätten vielleicht fünf Jahre vorher, du wärst vielleicht über deine Energie hinausgegangen und hättest gesagt, okay, das machen wir jetzt trotzdem und hättest dann vielleicht Termine abgesagt und wärst irgendwie, keine Ahnung, wahrscheinlich hättest du diesen Podcast nicht gegeben und ich hätte wahrscheinlich mich einfach nicht wieder gemeldet und hätte gesagt, die Anna, die mag mich eh nicht.
Hannah (35:47.76)
Also ganz realistisch gesehen, ich kann das jetzt nicht so mit Zahlen studieren, aber früher, sagen wir einfach mal früher, hätte ich vermutlich, also die eine Option wäre die, die du gerade gesagt hast, oder ich hätte einfach nie wieder geantwortet. Weil ich mich so geschämt hätte, dass ich das vorher nicht geschafft habe, dass ich einfach gedacht hätte, nee. Und das ist tatsächlich auch was, was früher dazu geführt hat, dass ich an jeder zwischenmenschlichen Beziehung mich so...
Johannes (36:00.529)
Hahaha!
Hannah (36:16.08)
Ja, also so das Gefühl hatte ich muss mich extrem anstrengen. Ich muss irgendwie noch eine extra Meile gehen, damit ich es wert bin, in zwischen Menschen in Beziehung zu sein, weil ich es so oft erlebt habe in meiner Jugend, dass Leute zu mir gesagt haben oder dass Freundschaften, Freundinnen schafften, irgendwie zerbrochen sind mit den Worten Ja, du hast dich ja nicht mehr gemeldet. Und natürlich weiß ich, wusste ich auch damals schon und weiß ich auch jetzt noch, dass das eine Problematik ist, die ich habe und trotzdem jetzt als Erwachsene und als
durchaus auch ein bisschen mitfühlendere Person mit mir selber, habe ich auch jetzt für mich so ein bisschen den Punkt erreicht, wo ich denke, naja gut, aber auch Beziehungen sind keine Einbahnstraßen und du hättest dich ja auch melden können. So.
Johannes (36:56.817)
Ja, ich habe tatsächlich, ich habe gerade überlegt, ob ich das erzähle, aber ich werde anonymisiert erzählen. Ich hatte früher eine sehr gute Freundin und das war, auch wenn ich heute zurückgucke, sicherlich eine Freundschaft, die eh immer von relativ starkem Ungleichgewicht geprägt war, wo ich jetzt gar nicht zu tief einsteigen möchte. Aber der Kontakt ist halt die letzten Jahre weniger geworden. Dann ist der Kontakt mal während Corona für ein Jahr komplett abgeblieben.
Und dann hatte ich mich wieder gemeldet, weil ich dieser Person zum Geburtstag gratuliert habe. Und die Antwort war, ach meldest du dich auch mal wieder? Und das war dann der Moment, wo ich so dachte, nein, ja, ich melde mich jetzt noch mal wieder und jetzt nie wieder. Weil wenn ich also diese Person hat sich selbst ein Jahr lang nicht gemeldet. Ich melde mich und das erste, was ich zurück bekomme, ist, hatte jetzt sich aber früher melden können, wo sie sich selbst nicht gemeldet hat. Und dann habe ich einfach für mich gemerkt, ne, das ist keine Freundschaft, die mir gut tut. Da nehme ich mich jetzt raus.
Hannah (37:32.464)
Mh.
Johannes (37:54.193)
Und das war für mich tatsächlich auch ein sehr selbstermächtigender Schritt, weil ich dann halt gemerkt habe, okay, ich bin halt auf diese Freundschaft, die wirklich mein Leben sehr stark geprägt hat. Und es war wirklich eine sehr, sehr, sehr enge Freundschaft früher, wo ich einfach gemerkt habe, ich bin mehr wert, als diese Person mir offensichtlich geben möchte. Und das ist okay. Ich bin der Person gar nicht böse. Also vielleicht hatte die Freundschaft für sie einen anderen Wert als für mich oder...
Vielleicht konnte sie sich auch nicht melden aus irgendwelchen Gründen, aber da muss ich halt auch einfach für mich so weit sein, zu sagen, okay, da ist eine Grenze für mich, das ist dann halt so.
Hannah (38:34.416)
Ja, und guck mal, das ist ja eigentlich auch ein sehr, sehr gutes Beispiel für dieses Aus -Scharme -Heraushandeln oder halt auch nicht. Wäre, wenn du jetzt so sehr in so einem Scham -Moment gewesen wärst, hättest du ja auch so sein können, dass du sagst, Gott, ja, stimmt, tut mir leid, ja, ich hätte mich eigentlich früher melden können und tut mir leid, dass ich das jetzt erst nach einem Jahr tue und dann wäre eure Beziehung vielleicht noch weitergegangen. Ob das gut gewesen wäre für dich und vielleicht auch für die andere Person, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Aber hättest du aus dieser Scham und aus diesem ...
Ich bin die Person, die was falsch gemacht hat, gehandelt, dann wäre das ja auch eine mögliche Option gewesen.
Johannes (39:10.577)
war tatsächlich meine erste Reaktion, der ich nicht nachgegangen bin. Ich hatte das schon fertig getippt, hab's dann gelöscht und hab aber gar nicht mehr geantwortet, weil ich so dachte, nee, der Debatte stelle ich mich gar nicht. Also ja, das war vielleicht auch feige, aber ich weiß, dass ich mich da nur in Opferrolle begeben hätte, egal wie es ausgegangen wäre, und ich wollte diese Opferrolle in dem Moment nicht. Das war...
Mir ganz klar, dass ich diese, das war eine Debatte, die kann ich nicht gewinnen. Also führe ich die gar nicht erst, weil es wäre mir nur schlecht damit gegangen und ich ja, finde es trotzdem schade, dass diese Freundschaft zerbrochen ist. Bin aber sehr im Reinen mit mir, wie meine Reaktion darauf war.
Hannah (39:55.572)
Ja, also wie gesagt, ich glaube, Scham ist so ein Gefühl, das wir alle kennen, ob jetzt mit ADHS oder irgendeiner anderen Neurodivergenz oder nicht. Wir alle schämen uns und es ist was, was einfach einen wahnsinnigen Impact auf unsere Lebensqualität haben kann. Und je mehr wir, finde ich, persönlich auch ins Gespräch über die Dinge gehen, für die wir uns schämen und uns auch selber zugestehen, dass es diese Dinge gibt, dann kann man auch wieder
Johannes (40:13.521)
Ja.
Hannah (40:23.76)
viel besser in Handlung kommen und sich vielleicht auch mal Dinge wieder besser erlauben und Unzulänglichkeiten auch irgendwie erlauben, dass die da sein dürfen, weil natürlich niemand in allen Bereichen perfekt ist und wir alle irgendwie Fehler machen und die gehören dazu. Und im allerbesten verlernen wir vielleicht etwas aus unseren Fehlern und vielleicht aber auch nicht.
weil auch nicht alles, was wir tun, diesen Sinn haben muss, dass wir jetzt eine tolle Lernerfahrung machen. Wir machen vielleicht auch einfach mal Fehler oder verhalten uns irgendwie ein bisschen ungünstig und dann ist es genau das, nämlich halt ein Fehler und nicht noch eine Lernchance.
Johannes (41:00.337)
Ich glaube, das war tatsächlich eine der, auch eine sehr, sehr wichtige Kenntnisse der letzten Jahre, dass es auch in Freundschaften ist, okay ist Fehler zu machen. Also niemand, niemand ist perfekt und eine Freundschaft zerbricht halt nicht automatisch daran, dass man mal einen Fehler macht, sondern meiner Erfahrung nach zerbricht Freundschaften mehr daran, dass man einen Fehler macht und dann aus diesem Fehler nicht lernt.
Hannah (41:24.976)
Oder halt auch einfach zuzugeben, dass man vielleicht einen Fehler gemacht hat. Also ich hatte auch neulich ein Gespräch mit einer Freundin, wo ich mich auch entschuldigt habe für ein Verhalten, was ich an den Tag gelegt habe, von dem mir gar nicht so sehr klar war, dass ich das überhaupt so gemacht habe. Und auch wenn ich verstehe, warum ich dazu gekommen bin und auch nicht die alleinige Verantwortung für diese Situation zu mir nehmen möchte, und das habe ich auch in dem Gespräch gesagt, war es trotzdem wichtig,
Johannes (41:28.369)
Ja.
Hannah (41:54.256)
ich habe gemerkt, ich habe mich so und so verhalten, das tut mir total leid, weil ich weiß, was das in ihr ausgelöst hat. Und das ist glaube ich der wichtige Punkt, dass man dann nicht in dieser Scham, ich habe mich natürlich dafür geschämt, dass ich mich blöd verhalten habe, dass ich das nicht dann für mich behalten habe und gedacht habe, ich habe eigentlich richtig scheiße Verhalten, was bin ich eigentlich für eine schlechte Freundin, wenn ich eine tolle Freundin wäre, hätte ich das nicht gemacht, sondern auch für mich selber mir zu erlauben, ja das war nicht so cool, ich verstehe aus welchem Kontext das...
entstanden ist und ich hab mich auch verletzt gefühlt und ich hab mich in meinem empfinden auch zu recht verletzt gefühlt aber die reaktion war trotzdem nicht cool und das zu teilen hat dazu geführt dass wir uns natürlich auch wieder viel näher gekommen sind
Johannes (42:38.257)
Ja, und ich glaube, dass das vielleicht auch nochmal ein großer Unterschied zwischen, ich würde mal sagen, Freundschaften und Bekanntschaften ist, dass du halt in Freundschaften über solche Dinge auch nochmal zu sich bonden kannst, weil wir sind ja alle nur Menschen und wir sind ja alle nicht perfekt. Und ich glaube, dass gerade solche Gespräche, auch gerade mit ADHS, bei mir zumindest auch nochmal eine Form von Heilungen.
sind, wenn man halt quasi merkt, dass man geschätzt wird trotz seiner Fehler. Oder vielleicht sogar wegen seiner Fehler. Ja, ja, ja, ja.
Hannah (43:08.94)
Vielleicht auch einfach gar nicht nur trotz, sondern auch einfach mit. So und auch mit dem Blick auf die Uhr würde ich gerne noch zwei Sachen zum Abschluss sagen. Diese Folge ging jetzt wirklich sehr schnell rum, finde ich. Das eine weiß ich jetzt schon gerade gar nicht mehr. Vielleicht fällt es mir gleich wieder ein. Aber das andere ist, dass ich gerne noch mein Buch empfehlen würde. Und zwar...
Johannes (43:22.673)
Ja, für mich auch.
Hannah (43:35.408)
ist das Buch von Brené Brown und es heißt I thought it was just me. Und Brené Brown ist eine Charme -Forscherin und dieses Buch geht so ein bisschen darum, dass sie immer gedacht hat, sie ist alleine mit dem, was sie sucht, für was sie sich schämt und was sich dann verändert hat, als sie herausgefunden hat, es war gar nicht nur sie, sondern es geht uns allen irgendwie so. Und deswegen finde ich das eine gute Empfehlung und auch ein guter Gedanke.
irgendwie nicht alleine mit dem, wofür ich mich schäme. Wir alle schämen uns für Dinge und das ist auch einfach ganz normal und total menschlich.
Johannes (44:17.425)
Ja, erstmal vielen Dank für die Empfehlung. Wird in den Shownotes verlinkt. Ich hoffe, ich denke dran, wenn ich die Folge zusammenschneide. Genau. Ansonsten vielen Dank für deine Offenheit. Das war, glaube ich, für uns beide, war für uns beide, glaube ich, keine einfache Folge und wir werden...
Hannah (44:31.696)
Ja, danke gleichfalls.
Hannah (44:37.168)
Ich fand die letzte schlimmer, sag ich dir ganz ehrlich. Da hab ich mich viel mehr geschämt. Und das bestätigt schon wieder das, was ich gesagt hab, nämlich, dass sobald man aber anfängt, darüber zu sprechen, nimmt die Schaben ab und man ist wieder handlungsfähiger. Und ich hab mich in dieser Folge deutlich handlungsfähiger gefühlt als in der letzten.
Johannes (44:55.409)
Witzig. Bei mir war es andersrum, aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich in der letzten Folge bei dir das Schamgefühl ausgelöst habe und ich in dieser Folge selbst über Dinge gesprochen habe, für die ich mich schäme. Ich glaube, wir werden diese Thematik sicherlich noch häufiger behandeln, weil das halt so zentral für Menschen mit ADHS ist. Und ich glaube auch geradezu das Thema Freundschaften, da sollten wir auch nochmal drüber sprechen. Also Freundschaften mit ADHS.
Ja, wir sind am Ende dieser Folge, nur dieser Folge.
Hannah (45:25.456)
Vielen Dank.
Johannes (45:27.409)
Ich wünsche euch allen einen tollen Tag. Kommt, wenn ihr es morgens hört, kommt gut in den Tag nein. Und bis dahin.
Hannah (45:36.624)
Bis bald!