Eine Frau und ein Mann vor einem grünen Hintergrund in der Mitte Mikrophone. Text: Oversharing Folge 10

Folge 12 - Interview mit Esther

21.10.2024

In dieser Folge ist Hannahs Schwester Esther zu Besuch und wir sprechen über späte Diagnosen und ADHS in Highperformance Jobs.

Zur Folge

Takeaways

  • ADHS kann in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich wahrgenommen werden.
  • Die Diagnose kann eine Erleichterung bringen, aber auch Herausforderungen mit sich bringen.
  • Die gesellschaftliche Sicht auf Erfolg kann Druck erzeugen.
  • Es ist wichtig, persönliche Grenzen im Berufsleben zu setzen.
  • Die Erfahrungen von Geschwistern mit ADHS können stark variieren.
  • Therapie kann helfen, mit ADHS-bedingten Herausforderungen umzugehen.
  • ADHS ist nicht nur ein Kinderthema, sondern betrifft auch Erwachsene.
  • Die Akzeptanz der Diagnose kann den Umgang mit ADHS erleichtern. ADHS kann zu Burnout führen, besonders bei Menschen, die nicht lernen, Nein zu sagen.
  • Die Art und Weise, wie man mit ADHS umgeht, beeinflusst das Leben erheblich.
  • Stigmatisierung von ADHS in der Kindheit kann langfristige Auswirkungen haben.
  • Organisationstechniken wie Papierlisten können für Menschen mit ADHS sehr hilfreich sein.
  • Die Methode 'Eat the Frog' funktioniert nicht für jeden, da individuelle Strategien wichtig sind.
  • Offenheit über ADHS im Beruf kann Repräsentation und Unterstützung fördern.
  • Medikamente wie Ritalin können das Leben von Menschen mit ADHS erheblich verbessern.
  • Selbstverständnis und die Fähigkeit, eigene Symptome zu benennen, sind entscheidend für den Umgang mit ADHS.
  • Ein unterstützendes Umfeld ist wichtig für Menschen mit ADHS. Die Wahl der Altersvorsorge ist wichtig und sollte gut überlegt sein.
  • ADHS-Regrets sind ein häufiges Thema bei Betroffenen.
  • Perfektionismus kann zu einem Druck führen, der das Leben beeinflusst.

Transkript Folge 12

Johannes (00:01.506)
Hallo und herzlich willkommen bei Obersharing, dem ADHS Podcast mit Johannes und

Hannah (00:07.468)
Hannah und heute auch mit Esther.

Johannes (00:13.698)
Hallo. Erst mal eine kleine Entschuldigung, dass unsere letzte Folge ausgefallen ist, aber da hatten wir aus organisatorischen Gründen es einfach nicht geschafft, eine Folge aufzunehmen. Das wird uns hoffentlich in den Jahren Zukunft nicht noch mal passieren, aber wir sind ein ADHS-Podkarast, von daher, wir werden sehen. So, aber wir haben heute genau, wie gerade Hanna schon gesagt hat, einen Gast dabei oder eine Gästin dabei und ja, wollen ihr erstmal die Möglichkeit geben.

sich vorzustellen.

Hannah (00:45.676)
Okay, also ich bin Esther, Hannah's Schwester und habe auch ADHS. Ich bin 28 und freue mich heute dabei zu sein. Ja, schön, dass du da bist. Wir freuen uns auch für uns was ganz Besonderes und Neues. Heute nicht zu zweit zu sein, sondern mit dir hier zu sprechen. für alle, die sich jetzt fragen, warum habt ihr Hannes' Schwester eingeladen? Vielleicht die kleine...

Einführung dazu, warum du jetzt hier ausgerechnet heute mit uns sitzt. Als Johannes und ich uns überlegt haben, was wir in Zukunft so besprechen wollen, haben wir uns auch überlegt, wozu wäre es denn cool, Außenperspektiven zu haben, weil wir entweder selber nicht die passenden Erfahrungen haben oder weil wir einfach auch gerne mal noch neue Perspektiven hören würden. Und unter anderem haben wir uns da überlegt, dass es ja auch interessant wäre, mal

von Leuten zu hören, die ihre Diagnose auch noch nicht so lange haben. Und auch in herausfordernden Jobs arbeiten. Und da bist du mir eingefallen. Und vielleicht magst du einfach mal so ein, zwei Sätze dazu erzählen, wer du so bist. Und vielleicht auch mal ganz kurz ... eine Kurzbeschreibung liefern, was du eigentlich beruflich machst. Ja, sehr gerne. Also, wie du schon erwähnt hast, hab ich meine Diagnose tatsächlich erst vor ...

hast genau im Jahr bekommen. ganz anders als du, wurde ich zwar auch in der Grundschule damals getestet, habe aber da einen TBC bekommen sozusagen. Und habe dann auch mein Abi mit einem ziemlich guten Durchschnitt gemacht, auch mein Studium dann zwar mit sehr viel Mühe, aber auch ganz gut absolviert und habe seitdem

Ich habe meinen Abschluss vom 7.7.2018 gemacht und arbeite seitdem in sehr demanding, schnellen Rollen. Jetzt gerade arbeite ich in der Consulting-Branche, würde ich mal sagen, bei einem Experten-Netzwerk oder auch hier wieder super fast paced. Und habe vor knapp eineinhalb Jahren überlegt, dass ich die Diagnose ganz gerne hätte. Und genau, glaube, darüber reden wir gleich noch ein bisschen.

Hannah (03:10.316)
Ja, genau. Danke dir. Also, wie jetzt vielleicht schon klar wird, also Leuten, die schon bisschen länger Johannes und mir zuhören beim Reden, ist, dass es ja eine genetische Prävalenz gibt für ADHS. Also, wenn du jemanden in deiner Familie hast, der eine ADHS-Diagnose hat, könnte es durchaus sein, dass du auch eine bekommen kannst.

Und genau wie Esther schon erzählt hat, gerade ist es ja so, dass ich meine Diagnose in der vierten Klasse bekommen hab und Esther nicht. Und damit würde ich gerne auch starten, Johannes, ich hoffe, das ist für dich auch okay, dass wir einfach mal darüber sprechen können, warum das bei Esther nicht so war. Und bei mir schon. Weil ich glaube, dass das kein Einzelschicksal ist. Ähm ... grade bei weiblich gelesenen Menschen, aber auch generell bei Menschen, nicht so wahnsinnig schlecht in der Schule waren.

Johannes (03:48.13)
Ja, Sie kennen.

Johannes (04:06.21)
Ja, das wollte ich tatsächlich auch gerade ansprechen. Zum einen natürlich als weiblich gelesene Person, aber es gab ja auch lange das Vorurteil, dass Menschen mit ADHS eher schlecht in der Schule sind. Teilweise gab es auch erste Untersuchungen, dass Menschen mit ADHS eine geminderte Intelligenz haben sollen, was sich natürlich auch als falsch herausgestellt hat. Aber wie war das denn damals?

Also kannst du dich auch noch an die Diagnose, die du damals mitgemacht hast, die Diagnostik erinnern?

Hannah (04:39.884)
Ja, tatsächlich schon. war lustigerweise auch zum gleichen Zeitpunkt wie ein IQ-Test. Ich erinnere mich noch an den IQ-Test und dass ich sogar damals gedacht habe, okay, jetzt muss ich beweisen, wie schlau ich bin. Ich war noch ziemlich jung da, ich glaube, ich war in der ersten Klasse.

Ich erinnere mich daran, dass ich auch ganz aktiv diese Diagnose nicht haben wollte. Weil die ganzen Kinder, bei uns mit ADHS diagnostiziert waren, waren die Leute, die irgendwelche Problemkinder waren, die störenfriede, sag ich mal, oder Klassenkasper waren. Und als ich dann halt damals nicht diagnostiziert wurde, sondern gesagt wurde, wir müssten noch mal nach ein paar Jahren schauen, haben wir das gar nicht weiterverfolgt.

Ich glaube, das hat auch viel mit dem Stigma zu tun, dass ich dachte, ist was, was man nicht haben sollte und was ich nicht haben wollte. Ich glaube auch, dass es was damit zu tun gehabt hat, in deinem speziellen Fall jetzt, wie es sich bei mir gezeigt hat. Ich weiß, dass ehrlich gesagt gar nicht mehr genau wann bei dir die Diagnostik gemacht worden ist, aber wenn du sagst, erste Klasse passt das ja zu meiner Diagnosezeit, also einfach als kleine Back-Info-Esserung, ich bin vier Jahre auseinander, bin vier Jahre älter.

Und meine Diagnose kam ja in der vierten Klasse. Und bei mir war es ja relativ eindeutig. Also ich habe ja auch damals einen IQ-Test gemacht und dieses ganze Diagnostikverfahren gemacht. Und der IQ-Test, das weiß ich noch, war überdurchschnittlich hoch und alles andere war aber doch sehr auffällig. Und da haben wir uns einfach ja sehr unterschieden. Denn meine Grundschulzeit war ja auch schon geprägt von nicht ganz so tollen Noten und von viel vergessenen Hausaufgaben und von viel einfach

Ja, so auffällig, dass die LehrerInnen quasi schon gesagt haben, entweder ist sie dumm oder sie hat was anderes. Und das war bei Esther in der ersten Klasse damals dann ja noch nicht so. Und ich glaube auch, dass das vielleicht dazu geführt hat, dass das dann gar nicht bei dir so weiterverfolgt worden ist, weil du halt einfach nicht so problematisch warst wie ich. Ihr Zuhörer zu Hause könnt wahrscheinlich nicht erahnen, dass ich die ganze Zeit hier ganz doll am Licken bin. Aber auf jeden Fall ...

Hannah (06:55.436)
hatte ich auch das Gefühl, das hat sich bei uns ganz anders bezeigt. Aber ich hatte auch das große Glück damals natürlich, dass ich eine ganz tolle Lehrerin hatte, die das mit mir auch ganz toll angegangen ist. Das heißt, die vergessenen Hausaufgaben, das bisschen unorganisiert sein etc. Das hat sich bei mir natürlich sehr ähnlich präsentiert, hatte aber da ganz tolle Unterstützung mit kleinen Checklisten zu Hause, die ich schon auf der Frühstücksmatte hatte und so weiter.

Eine andere Sache noch zu meiner Diagnostik, ich auch interessant fand, war, als ich vor einem Jahr da zur Diagnostik gegangen bin, hab ich meinen Fragebogen von damals mitgebracht. Und den hat sich mein Neurologe dann auch angeschaut. Den hatte unsere Mama aufgehoben. Und meine Grundschulzeugnisse, denen überall stand, es da super interessiert, vor allem sehr engagiert, wenn's ein Thema ist, sie interessiert. Es da sehr sozial, aber disorganisiert, et cetera.

Aber auch diese Fragebogen damals aus der Diagnostik, den habe ich da mitgenommen. Der war anscheinend auch nicht irgendwie eindeutig, dass ich keine ADHS habe, auch wenn ich das damals so verstehen wollte.

Johannes (08:06.466)
Zusätzlich zu Problemen in der Schule ist ja auch eine Sache, die mit ADHS einhergeht, dass man auch oft soziale Probleme hat. Du meintest aber gerade, dass dein Sozialleben offensichtlich eigentlich ganz in Ordnung war oder hattest du da auch Probleme?

Hannah (08:25.548)
Ich glaube, ich hab ganz viel darüber nachgedacht, als ich mich auf die Folge heute hier vorbereitet hab. Ich glaube, mein größtes soziales Problem ist das Thema, was ihr, glaub ich, auch schon mal angehandelt habt, von Rejection Sensitivity Dysphoria. Das heißt, auch jetzt noch in meinem Leben begleitet mich das ganz doll, dass ich mir dauernd Sorgen mach, dass Leute mich nicht mögen, sauer auf mich sind, irgendwie negative Gefühle über mich haben. hab

wenn ich jemandem länger nicht spreche, das Gefühl, dass der Zeit irgendwas passiert sein muss, dass die nicht mehr mich mögen könnten. Und gerade dadurch, dass man auch als ADHS-Kind, wie Hannah das eben ganz gut beschrieben hat, so viel negatives Feedback bekommt, was man natürlich auch sehr ernst nimmt, weil man es einfach nicht besser machen kann, ist es, glaube ich, noch ganz viel schlimmer. Das heißt, ich hatte zwar immer gute Freundschaften, habe aber ...

ganz oft die einfach auch nicht so weiterverfolgt, wie ich das hätte können oder wollen oder auch sollen. Weil ich einfach meinen Stellenwert bei Leuten auch ganz krass unterschätzt hab. Und ich glaube, das macht es sehr schwierig, dann Leute richtig zu priorisieren und richtig wertzuschätzen, wenn man selber sich gar nicht zugesteht, dass eigentlich man vielleicht was Besonderes für die Leute sein könnte. Und das hat mich tatsächlich bis Mitte 20 und manchmal jetzt noch mitverfolgt. Und zwar privat und aber auch ...

in der Weiterarbeit.

Johannes (09:50.69)
Du meintest aber gerade, dass dich das grad nicht mehr so intensiv verfolgt. Hast du da ein Gefühl, wo das herkommen könnte?

Hannah (09:56.524)
Therapie, jeden Fall. Also, ich glaube, die initiale Reaktion ist häufig noch da, natürlich. Aber ich hab ein bisschen gelernt, damit umzugehen, ein bisschen zu relativieren. Und es ist für mich manchmal immer noch so. Auch natürlich dieses typische ADHS, Out of Sight, Out of Mind, ist für mich natürlich auch präsent. heißt, Freunde, die ich eigener Zeit nicht gesehen hab, die denke ich dauernd, aber in den schlimmsten Momenten, und erinnere mich dann nicht.

Johannes (09:58.306)
Hehehehehe

Hannah (10:24.556)
zu den richtigen Momenten einchecken. Aber ich versuchte Mechanismen zu haben, dass ich mich daran erinnere, dass ich liebgehabt werde von den Leuten und dass ich das aber auch dann zeigen muss, dass die Leute das gleiche Stellenwert in meinem Leben haben.

Johannes (10:40.514)
Jetzt ist natürlich eine interessante Frage, wie bist du jetzt dann doch zu der Diagnose gekommen?

Hannah (10:49.804)
Ja, das ist wirklich eine gute Frage. zwar ... lag das daran, dass ich vor gut eineinhalb Jahren eine nicht so einfache Zeit bei der Arbeit hatte. Und immer wieder hatte ich Zeiten, wo die Arbeit ein bisschen schleppender war oder ein bisschen schwieriger war und ich diese ... Bestätigung nicht bekommen hab, dass meine Arbeit gut gelaufen ist. Und sobald sozusagen diese Bestätigung und dadurch auch dieses Dopamin bei mir nicht mehr

Da war meine Arbeit unglaublich schwierig. Ich würde da auch noch mal kurz ergänzen für alle Zuhörenden einfach, wie zeitintensiv und anspruchsvoll dein Job auch einfach ist. Das finde ich auch noch mal nicht ganz unwichtig bei der Betrachtung von wie viel Belohnung kriege ich auch über meine Arbeit, wenn man so viel Zeit wie du auch auf der Arbeit verbringt. Also das ist ja schon ein Job, der über nine to five deutlich hinausgeht.

der sehr, sehr viel Engagement und zeitliches Engagement, auch generell Energieengagement, alles Mögliche, ja eigentlich schon erwartet. Und das, glaube ich, spielt schon auch noch mal eine Rolle da rein, wie frustrierend ist es dann auch, wenn man sich nicht gewertschätzt fühlt oder wenn man nicht so viel positives Feedback oder generell Feedback auch bekommt. Also vielleicht kannst du dazu auch mehr sagen, aber ich dachte, das ist vielleicht noch mal relevant. Ja, nee, auf jeden Fall. Es ist, ich, auch

Abgesehen von positiven Feedback auch die Erfolgsmomente, ich. Die waren halt eine Zeit lang einfach nicht da. Und ich habe gemerkt, zu diesen Zeiten habe ich manchmal auch das Minimum, was ich von mir erwarten würde, nicht geschafft. Ich habe mich wirklich durch den Arbeitstag gequält und konnte mich nicht motivieren. Ich konnte mich nicht konzentrieren. Ich habe in jedem Feedback, was ich bekommen habe, extrem schuldig und schlecht gefühlt und ...

Da spielt nämlich auch wieder dieses, jeder, dieses Rhein, ich eben gesagt habe, jeder Moment, ich wo ich irgendwie das Gefühl habe, ich habe was falsch gemacht, hat mich extrem belastet und ich konnte mich einfach nicht mehr dazu zwingen, meine Arbeit so auszuführen, wie ich das sollte und wollte. Und das war nicht das Einzige. Ich habe auch mein ganzes Leben lang schon mit Organisationen auch in meinem Privatleben mich beschäftigt. Ich habe es...

Hannah (13:15.148)
zwischendurch meine Wohnung nicht mehr in den Griff bekommen, et cetera. Und ich hab halt gemerkt, als ich ein bisschen drüber reflektiert hab, dass ich viele Momente in meinem Leben hatte, die ich bewältigt hab. Aber die ich vielleicht gar nicht so schwierig hätte haben müssen. Ich glaub, zu diesem Zeitpunkt wurde jedem auch der ADHS-Content bei TikTok zugespielt.

Und ich finde, der ganze Diskurs da den TikTok-ADHS-Trend ganz schwierig, weil viele Leute sagen, dass es ein Trend ist. Und natürlich ist es kein Trend, sondern Leute reden einfach paar mehr drüber, was natürlich auch wichtig ist. Aber ich habe mich in ganz vielen dieser Sachen wiedererkannt. Sorry.

Johannes (13:58.786)
Ich habe da eine Meinung zu. Zum einen glaube ich gar nicht, dass dieser ADHS-TikTok-Trend allen zugespielt wurde, sondern ich glaube schon, dass der Algorithmus da nicht ganz schlecht ist. Und zum anderen ja, dieses Trenddiagnose-Ding, das ist ja was, was AutistInnen und ADHS-LerInnen und allgemein neurodivergenten Menschen gerade irgendwie sehr stark umtreibt.

Hannah (14:07.404)
Ja.

Johannes (14:23.906)
Und das finde ich echt problematisch, weil das so bisschen eigene Lebenserfahrungen und eigene Probleme auch irgendwie de-evaluiert und schlecht macht. Und ja, bin ich total bei dir. Ich glaube tatsächlich, ja, es mag dann Leute geben, die sich dann vielleicht da sehen, ohne da wirklich reinzufallen. Weil klar, einzelne Symptome von ADHS haben auch Menschen, die nicht ADHS haben. Aber ich glaube, dass es vielen Leuten mir ...

Hannah (14:30.316)
Vielen

Johannes (14:50.53)
und dir auch dabei geholfen hat, mehr über dich selbst herauszufinden.

Hannah (14:54.668)
Ja, auf jeden Fall. Und ich glaube, gerade auch als es dann bei mir zur Diagnose kam und das auch sehr, sehr eindeutig war tatsächlich, laut meinem Neurologe, hat es für mich auch einfach so viel Scham weggenommen von diesen ganzen Problemen, die ich hatte und auch den Sachen, die ich gefühlt hab, die ich erlebt hab. Und ich glaube, ich hab mich halt so viel bei diesen Leuten wiedererkannt und dachte ...

Genau damit, genau so fühle ich mich, damit habe ich auch Probleme. Und sobald ich das für mich selber angenommen habe und dann auch noch mal die Bestätigung hatte, das macht es ja nicht magisch weg. Diese Diagnose ist ja nicht plötzlich so ein Freifahrtschein, dass man plötzlich seine Sachen nicht mehr abwaschen muss oder so was. Solche Sachen gehen ja nicht weg, dass man mit so etwas Schwierigkeiten hat. Und auch die Arbeit, dass man manchmal die Arbeit vielleicht immer noch nicht hinkriegt.

Obwohl man alles reinsteckt und wo man emotional nichts mehr zu geben hat, auch mental nichts mehr zu geben hat, das geht alles nicht weg mit der Diagnose. Aber für mich ist es einfacher geworden, Strategien zu finden, die für mich funktionieren, dadurch dass ich jetzt weiß, womit ich umgehe. Und es ist auch für mich einfacher geworden, mir da ein bisschen Freiraum zu geben und zu sagen, du brauchst gerade einfach deinen Sloth-Day, wo du nichts machst, und du hast vielleicht

110 Prozent gegeben, wenn du es nicht konntest. Heute gibst du einfach mal null Prozent. Dann ist das okay. Früher konnte ich das gar nicht. Diesen einen Tag abschalten war für mich was, möglich jahrelang unmöglich war. Das wurde mir auch immer wieder als Feedback gegeben, dass ich anscheinend Hummeln im Hintern hab und dass ich nie auch nur im Spa liegen kann oder mich nicht entspannen kann. Das wurde mir auch in den Kopf geworfen manchmal. Das war, weil ich immer dieses Schuldgefühl hatte, ich muss mehr machen. Ich so viel nicht gemacht.

Und damit kann ich jetzt sehr gut umgehen. Ich würde da auch gerne noch mal kurz ergänzen. Ich finde nämlich, man kann an dem Beispiel von uns beiden sehr, sehr gut sehen, wie die Gesellschaft mit so Stereotypen von Diagnosen oder von in Anführungszeichen Krankheitsbildern umgeht. Weil bei mir war das ja so, ich habe die Diagnose bekommen, weil ich meine Hausaufgaben oft vergessen habe, weil ich Probleme hatte, mich zu konzentrieren.

Hannah (17:16.652)
und so weiter, und weil ich da ein Glück hatte, dass eine Lehrerin ADHS auch damals schon kannte und darauf gekommen ist. Und du hast die Diagnose nicht bekommen und dann wurde es auch nicht weiterverfolgt. Ich habe da schon sehr oft drüber gesprochen, dass wir, wir haben ja im gleichen Elternhaus sind wir aufgewachsen und trotzdem haben wir so bisschen unterschiedliche Rollen eingenommen.

Ich habe unter anderem auch an dich gedacht bei dieser Folge, weil Esther bei uns in der Familie immer so die Rolle der super ehrgeizigen, akademischen Person eingenommen hat und wie viel dieser Blick auf jemanden auch damit macht, wie valide eine Diagnose wahrgenommen werden kann oder wie man darauf schaut. Also weil man von außen ja viel dann sieht.

Das sind die Erfolge, das sind die Leistungen einer Person, aber halt wenig darauf geguckt wird, wie viel musste diese Person dafür leisten oder halt auch irgendwie opfern, da hinzukommen.

Johannes (18:16.13)
Ja.

Johannes (18:20.806)
Ich habe da tatsächlich gleich eine Nachfrage zu Esther. Glaubst du, du wärst heute an dem Punkt, an dem du bist, wenn du die Diagnose schon als Kind bekommen hättest?

Hannah (18:32.236)
Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, das kommt bisschen drauf an. Ich glaube, nein, wäre nicht genau da, wo ich jetzt bin. Ob ich mehr oder weniger erfolgreich wäre, das kommt ein bisschen darauf an, wie man Erfolg misst, würde ich sagen. Ich habe, bevor ich jetzt in die Rolle gekommen bin, fast zehn Jahre lang in der Gastronomie gearbeitet zum Beispiel. Was ja auch ein sehr, sehr, sehr, sehr ...

Fast-paced-Environment ist auch eins, wo man viel für aufgeben muss, lange Stunden arbeiten muss, etc. Und ich glaube, diese Sachen, die gebraucht werden und ohne dich geht deine Arbeitswelt unter, etc., das hat mir ganz viel Empfätigung gegeben. Aber ich habe dafür auch sehr viel aufgegeben, weil ich natürlich immer da präsent sein musste. Und für mich war das manchmal ganz praktisch, dass ich das musste, weil ich mich gar nicht irgendwie ...

Ich musste gar keine Ausreden finden, mich nicht sozial zu beschäftigen. Und ich glaube, diesen Weg hätte ich eventuell nicht gewählt, wenn ich schon früher die Diagnosen bekommen hätte. Ob das jetzt was Positives oder Negatives ist, das kann ich, glaube ich, nicht benennen. Aber auf jeden Fall anders wäre es gewesen, denke ich.

Johannes (19:46.338)
Ja, das wollte ich jetzt auch gar nicht bewerten, aber ich glaube schon, dass es einen Unterschied macht, wie man von der Gesellschaft wahrgenommen wird. Ich glaube, dass... Ich habe bisschen die Befürchtung, dass Leute, die vielleicht gut diagnostiziert werden, dass denen am Ende weniger zugetraut wird. Und dass die dann vielleicht versucht werden, eher zu schützen, was ich nicht gut finde. Man sieht ja gerade auch an dir und an mir... Ich bin ja auch in einem relativ fast paced Job, wo viel Druck auch existiert. Vieles von dem, was du erzählst, kenne ich auch.

Ich frage mich manchmal auch, ob ich an dem Punkt wäre, wenn ich vorher gewusst hätte, dass ich ADS habe, oder ob ich dann nicht vielleicht auch mich selbst zu schützen, gesagt hätte, ich nehme eher eine Karriere, die bisschen weniger Stress hat, die mich vielleicht auch bisschen mehr pacing zulässt und ein bisschen mehr halt auch selbst fürsorge. Ja, das reiche ich mich manchmal schon.

Hannah (20:33.9)
Darf ich dich eine Frage zurückfragen? das okay? Perfekt. Wie hast du das erlebt, in deinem selber Grenzen zu ziehen? Weil ich glaube, das ist ein ganz spannender Teil davon, wenn man einen Job hat, einen immer braucht, wie man das selber für einen definiert. Ich sehe schon, das ist eine schwierige Frage.

Johannes (20:36.066)
Natürlich, natürlich.

Johannes (20:54.722)
Nein, überhaupt nicht. ist eine witzige Frage, weil ich in diesem Job, wie auch in dem Job davor, den Ruf habe, nicht Nein sagen zu können. ich befürchte, ich bin leider immer derjenige, der sich gerade an diese stressigen Themen zieht. Ich habe tatsächlich auf meiner alten Arbeit auch den Ruf gehabt. Ich habe etwas geschafft, was fünf Jahre vorher niemand geschafft hat, wo drei Leute vorher dran gescheitert sind, oder zwei zumindest.

Ich habe ein Projekt durchgezogen, das eigentlich als unmögliches Projekt galt. Und ich glaube, das hängt auch damit zusammen, dass ich einfach nicht nein sagen kann. Dass ich dann aber auch durchaus bereit bin, ja, Täler zu bewegen und halt auch einfach mal 150 oder 180 Prozent zu geben, wenn es sein muss. Aber ob das natürlich gesund ist, und ich glaube nicht, dass das gesund ist. Wenn ich mir meine mentale Gesundheit manchmal so angucke,

Aber ja, ich ADHS Burnout ist ja auch durchaus ein Ding, wo wir endlich mal eine Folge machen könnten. Aber ich glaube schon, da viel auch ADHS-typisches Verhalten, wie halt auch People-pleasing und nicht Nein sagen zu können, mit dazu.

Hannah (22:07.052)
Ich würde gerne euch noch mal kurz die Perspektive von jemandem, die Diagnose im Kindheitsalter bekommen hat, anbieten zu diesem Thema. ich glaube, es kommt nicht unbedingt auf den Zeitpunkt der Diagnostik an oder nicht nur, sondern auch darauf, wie wird damit umgegangen. Gibt es zum Beispiel eine medikamentöse Einstellung oder wie auch immer. Denn ich würde sagen, ich war in meinem Leben schon das Öfteren ziemlich kurz vorm Burnout. Und es hat wahrscheinlich nicht nur was mit meiner Berufswahl zu tun.

sondern auch was damit, wie ich diesen Job gemacht habe. Vor allen Dingen, als ich noch als Sozialpädagogin gearbeitet habe. Und ich meine, die Diagnose war ja da. Aber ich glaube, das habe ich in einer vorherigen Folge schon mal gesagt, war ja sehr lange auch gar nicht so wahnsinnig präsent in meinem Leben. Und ich habe damit nicht gearbeitet, sozusagen, sondern habe es einfach irgendwo verstaut und habe das abgehakt.

Ich glaube, das geht vielleicht auch anderen Leuten so, weil gerade in unserem Alter war ja ADRS zu haben auch wirklich noch sehr, sehr stigmatisiert in der Kindheit, in der Jugend. da hat man im Zweifelsfall gar nicht so viel mitgemacht und daraus gar nicht so viel gezogen, sondern hat sich eher geschämt, dass man das hat und hat versucht, da gar nicht so viel ein Thema draus zu machen. Deswegen denke ich, sind das ganz, viele verschiedene Schichten davon.

wie das sich nachher auf die Berufswahl oder die Ausübung des Berufes ausübt. Und ich glaube auch, dass man ja auch im Laufe seines Lebens viele Strategien entwickelt, wie man so arbeitet und welche Werte man da auch mit reinbringt. Damit meine ich jetzt gar nicht nur super Werte, sondern auch welche, die vielleicht nicht so wahnsinnig gesund sind auf lange Zeit. Und die verändern sich vielleicht auch nicht so mal eben durch eine Diagnose. Man kann sie vielleicht

enttarnen. Aber die sind ja trotzdem da, auch so Glaubenssätze oder Überzeugungen davon, ob man gut genug ist als Grundperson, sodass man dann vielleicht seinen Wert nicht noch über 60.000 Überstunden oder so was sammeln muss. Ja, ich muss euch mal kurz alleine lassen, weil hier klingelt es irgendwie gerade.

Johannes (24:27.554)
Gut.

Vielleicht ganz kurz Cut, damit wir das rausschneiden können.

Hannah (24:37.644)
Das kann man ja am Ende alles zusammen schnippeln, oder?

Johannes (24:43.65)
Ja, aber ich habe tatsächlich hier noch einige Fragen an dich stehen und tatsächlich ein Thema, das ich mal gerne anschneiden würde, vielleicht so eine Mischung aus wie gestaltest du deinen Beruf und wie siehst du deinen Beruf? Weil ADHS hat natürlich auch Vorteile, die man im Beruf nutzen kann, wie beispielsweise zumindest eine kurzfristige, sicherlich sehr hohe Belastbarkeit, wenn man halt in einer Art Hyperfunkus auf der Arbeit ist. Und dazu die Frage zum einen, nutzt du das auch? Also nutzt du auch gerade so Hyperfunkus?

Foki, kannst du dich in der Arbeit so stark fokussieren, wie du es eigentlich bräuchtest? Und was für Strategien nutzt du so im Alltag, halt irgendwie auch mit deinen ADHS-typischen, naja, unorganisiertheiten und ähnlichen...

Hannah (25:27.852)
jeden Fall eine sehr, gute Frage. Ich fang mal von hinten an. Ich bin lustigerweise bei der Arbeit dafür bekannt, wie unglaublich organisiert ich bin. Das heißt, ich hab schon mehrmals mit Leuten Sessions gehalten darüber, wie sie ihren Tag am besten strukturieren können und organisieren können, weil unser Job tatsächlich sehr, sehr, sehr, sehr anstrengend ist und so viel auf einen zukommt, dass man gar nicht alles mit allem auf einmal umgehen kann. Und da hab ich eine Liste ...

Vor mir zum Beispiel, mit allem, was ich zu tun hab am Tag, hab ich immer auf Papier direkt neben mir. Ich zwar drei verschiedene Screens, denen ich arbeite, plus noch ein Handy. Aber damit ich nichts verpasst und auch besser die Sachen umschieben kann, sie reinkommen, hab ich immer eine Liste neben mir, wo ich abhaken kann. Und du kannst dir auch vorstellen, der ... Dopamin-Hit, ich was abhaken kann, super für mich.

Johannes (26:24.482)
Ich muss mal Coaching bei dir buchen, weil das sind so Dinge, denen ich manchmal noch scheitere.

Hannah (26:29.324)
Ja, also wirklich eine Papierliste zu haben, für mich so ein Gamechanger. hab alles Mögliche an Productivity-Tools probiert von Slack-Reminder. Ich hab mir Zeit in meinem Kalender eingetragen. Ich Trello benutzt, wo man alles rumschieben kann. Das war für mich am Anfang supercool, weil ich hab ein neues Tool entdeckt. Und es war ja auch irgendwie superpraktisch und schön farbig und megahilfreich. Aber ...

Weil das ganze Pflegen dieses Tools so viel Zeitaufwand war, war das dann für mich noch ein Task, der am Ende mich davon abgehalten hat, es wirklich zu machen. Jetzt hab ich zwei Stifte, einmal schwarz, einmal rot, schreib mir alles auf, auf einem Blatt Papier und hack ab. Das dauert nicht lang, aber ich hab's vor mir. Und diesen Raum zu nehmen, wirklich diese 30 Sekunden, alles aufschreiben am Morgen und dann noch mal am Nachmittag, war für mich so ein Gamechanger. Das klingt so einfach.

Aber das hilft für mich wirklich ganz doll, auch am Abend mit einem guten Gewissen zu gehen. Das war eine Sache für mich, die ganz doll hilfreich für mich war. Und es gibt ja diese ... diese Regel bei ganz vielen Firmen. Wir haben zum Beispiel eine Zero Inbox Policy. Bedeutet, man sollte immer ein leeres Postfach haben bei den E-Mails, weil es sonst irgendwann einfach overwhelming wird, wenn man da 30 E-Mails hat.

bis 500 E-Mails. Ich hab schon Inboxes gesehen, die über 1000 E-Mails waren, ungelesen. Man weiß nicht, was da drin ist, was man damit machen muss. Hanna zeigt mir gerade ihre Inbox, die sieht auch besorgnisatrigend aus. Ich möchte kurz sagen, das ist von einem Account, von dem ich nicht mal weiß, welcher das ist, der hier angezeigt wird. Mein Arbeitsaccount hat null ungelesene E-Mails. Aber ich hab halt auch gemerkt, ...

Johannes (28:05.122)
Meine leider gerade auch.

Johannes (28:18.946)
Das hätte ich auch gerne.

Hannah (28:20.652)
Wenn ich da ungelesene E-Mails hab, das tatsächlich stresst, weil ich immer denke, das Potenzial, da drin sein könnte, da könnte ein negatives Feedback drin sein, ein Task sein, anstrengend ist, da könnte was drin sein, negativ ist, hat mich immer so beschäftigt, dass wenn ich da eine rote Ziffer gesehen hab, dachte ich immer, das muss ich noch machen, hab's immer wieder von mir hergeschoben. Was ich jetzt mach zum Beispiel, ich lese jede E-Mail, wenn sie reinkommt, und wenn es was ist, was ich machen muss, aber nicht machen kann, weil ich noch was anderes mach, wichtiger ist,

Das heißt, Boomerang, das schickt mir die E-Mail wieder zurück in mein Postfach, zu einem besseren Zeitpunkt. Ich kann sagen, einer Stunde, zwei Stunden, auch immer, sodass ich sie nicht vergesse, aber sie nicht mehr als ungelesen E-Mail da steht. Das heißt ... und das hilft für mich wirklich, weil es ist nicht mehr da als was, was ich meinem Kopf halten muss, weil ich weiß, mein Gehirn kann das nicht. Und ich muss es aber auch nicht direkt behandeln. Solche Tools haben wir wirklich ganz, ganz durch.

Johannes (29:11.81)
Ja.

Hannah (29:19.916)
damit mich besser zu organisieren. Genau. Und ich habe auch, ich habe drei Millionen Business-Bücher gelesen, weil ich natürlich immer das Gefühl habe, ich muss besser sein. Manchmal habe ich sie auch nur halb gelesen, manchmal habe ich sie mehr als Audiobook angehört, aber irgendwie habe ich auf jeden Fall davon bestimmt 20, 30 gelesen. Und eins davon hieß Eat the Frog. Und bei Eat the Frog ist das Konzept, dass man die

den Task, den man am wenigsten machen möchte, als Erstes macht. Und das hab ich irgendwann auch angefangen, so, hey, warum möchte ich diesen Task nicht machen? Erledigen. Und dann fühlt sich alles andere viel leichter an. Ich glaube, gerade wenn man ADHS hat, sind diese Sachen auch manchmal so, dass man sie gar nicht kann. Grad zu Hause fällt mir das viel schwerer noch. Executive dysfunction ist manchmal was, mit dem ich sehr, sehr, sehr stark zu kämpfen hab, dass ich einfach auf dem Sofa liege und nichts machen kann. Aber bei der Arbeit ...

hab ich gemerkt, dass wenn ich einmal die Überwindung habe, etwas zu machen, ich es direkt wegmache, es mir danach tausendmal besser geht. Ich finde das so spannend, weil es zeigt, wie individuell solche Hilfsstrategien sind. Weil ich glaube, wir haben darüber schon mal gesprochen irgendwann. Und es ist auch tatsächlich was, was ich häufig schon in ADHS-Workshops oder auch in der Zusammenarbeit mit Klientinnen hier vor Ort bemerkt habe, ist, dass bei ganz, ganz vielen eat the frog überhaupt nicht funktioniert.

weil die Überwindung so groß ist, dass es so viel Frust macht und dass es bei vielen eher funktioniert, kleinen, sehr schaffbaren, schnell dopamine-spendenden Tats zu starten, dann quasi in diesem Heil das zu schaffen, was man wirklich nicht will. Und ich finde das aber, es ist ja ein sehr, sehr guter Beweis dafür, wie unterschiedlich wir alle mit ADHS funktionieren, weil in diesen Workshops z.B. taucht das immer wieder auf, dass einer sagt, the frog, und einer sagt,

Eat the Frog auf gar keinen Fall. Und dass das halt echt immer ein bisschen drauf ankommt, wie man auch seine Strategien so aufgebaut hat im Laufe seines Lebens. Und ... genau, wie man halt funktioniert. Ich glaube, ganz kurzer Einwurf dazu, das ist superspannend, du das sagst, weil ich in meinem Privatleben und in meinem Arbeitsleben ganz andere Strategien hab, funktionieren. Und da, wo ich eine Deadline hab ...

Hannah (31:43.5)
Wie zum Beispiel bei der Arbeit, wo ich weiß, heute muss noch etwas passieren, da funktioniert eTheFrog für mich. Weil ich da sowieso fast base bin, da hab ich sowieso das Momentum schon. Da hab ich Leute, die was von mir wollen, Leute, die mir sozusagen das Adrenalin geben, dass ich es machen muss. Da funktioniert das. In meinem Privatleben absolut nicht. Da muss ich auch zu Hause erst mal die kleinen Sachen machen, mich stemmen, timer für ...

15 Minuten irgendwas sauber machen und dann bin ich schon dabei und dann mache ich sowieso noch ein bisschen länger. Aber da ist das Anfang erstmal wichtig und bei der Arbeit ist es genau andersrum. ja, auf jeden Fall super guter Punkt.

Johannes (32:22.946)
Ich glaube, für mich hängt das auch tatsächlich bisschen davon ab. Also auf der Arbeit bin ich total dabei. glaube, auf der Arbeit wird Ease of Drop für mich auch eher funktionieren, weil sonst für mich der ganze Tag oder auch die ganze Woche irgendwie von diesem Riesentask, den ich total furchtbar finde, überschattet wird und ich mich dann auch für die anderen Tasks nicht begeistern kann. Ich glaube, im Privatleben hängt es davon ab, ist das ein großer Einzeltask, der zwar eklig ist, den ich irgendwie halbwegs zeitnah erledigt bekomme oder sind das ganz viele ätzende Tasks. Und wenn ich jetzt zum Beispiel als

wenn ich als furchtbaren Task keine Badezimmerputzen ansehe, dann ist es sinnvoll, erst mal andere Sachen zu machen, irgendwann den Dopaminschub zu haben und zu sagen, jetzt hab ich genug Dopamin, jetzt kann ich auch das Badezimmer putzen. Ich gerade Situationen, wo ich im Privatleben mit Anwaltskanzleien kommunizieren muss, weil ich grad einen Prozess führe privat. Das sind tatsächlich Sachen, die nehm ich mir vor, so fortzumachen, sonst schieb ich die zu lange auf. Das sind halt Sachen ...

Da fühle ich mich viel besser, wenn dieses riesen Stress-Ding irgendwie weg ist, weil es auch relativ schnell ist. Ich muss einmal das Schreiben der Anwaltskanzlerin lesen und dann einfach Ja sagen. Das ist jetzt aber kein Task, ich irgendwie eine Stunde mein Badezimmer putze oder eine halbe Stunde. Ich glaube, da muss man wirklich bisschen unterscheiden. Ich kenne diese Methode tatsächlich noch nicht und werde mir das auf jeden Fall mal angucken. Vielleicht kann ich da noch was draus mitnehmen und wir werden auch

Also ich werde versuchen, daran zu denken, das Buch auch in den Show Notes zu verlinken. Muss ich zwar wieder Werbung angeben, aber egal.

Hannah (33:57.996)
Mich würde noch interessieren, ich... Also, Johannes, wenn das jetzt doppelt ist, schneid's einfach raus, ja? Mich würde auf jeden Fall noch interessieren, inwieweit du offen mit der Diagnose in deinem beruflichen Umfeld umgehst. Weil Johannes und ich haben uns ja schon mal drüber unterhalten, dass das durchaus sehr hilfreich sein kann, aber gerade in einem Berufsfeld wie deinem könnte ich mir vorstellen, ohne es zu wissen, dass das...

Johannes (34:05.218)
Alles Gute.

Hannah (34:24.716)
auch eventuell nicht nur Vorteile haben kann. Mich würde interessieren, wie handhabst du das und wie bist du zu dieser Entscheidung gekommen? Ja, also tatsächlich bin ich sehr, offen mit meiner Diagnose. Ich habe viel darüber geredet mit meinen Kollegen und auch meiner Managerin damals, als ich die Diagnose bekommen habe, et cetera. Und ich hab tatsächlich ... negatives Feedback bekommen. Ich hab mir sehr viel Gedanken ...

davor gemacht, ob das was ist, was ich kommunizieren möchte. Aber bei uns wurde bei der Arbeit immer gescherzt, dass jeder zweite ADHS hat auf dem Job. Weil es so viel ist, wo du halt alle zwei Sekunden auf was Neues springen musst, wo in anderen Jobs es schlecht ist, wenn du von einem neuen Task abgelenkt wirst. Es ist bei uns erwartet, dass du direkt auf was Neues springst, wenn was reinkommt und dann erst später das andere weiter machst. Ich glaube aber, dass, also wir haben, soweit ich weiß, in unseren Büros jemanden,

der außer mir eine Diagnose hat. Aber ich dachte, für den Fall, dass es jemanden gibt, der wirklich damit gerade umgeht, ist es ja eigentlich wichtig, Repräsentation zu haben und Leute, mit denen man sprechen kann, etc. Und ich dachte, wenn jemand damit ein Problem hat, dass ich so offen über meine Diagnose spreche, dann ist es auf keinen Fall ein Problem, was ich mir anschreiben muss. Und meine Arbeit spricht hoffentlich auch für mich, dass niemand sagen würde,

Ja, natürlich hat sie Aderes, weil sie macht ja das und das und das. Genau.

Johannes (36:00.322)
Dann eine Frage, deswegen mache ich auch so einen kleinen Cut. Wenn du die nicht beantworten möchtest, schneide ich die raus. Nimmst du gerade Medikamente?

Hannah (36:08.62)
Ja. Aber auch da gehe ich sehr offen mittlerweile bei der Arbeit. Also, was heißt mittlerweile? Direkt als ich angefangen habe, Medikamente zu nehmen, ich das auch erzählt. Und auch aber dann ganz klar gesagt, was die Medikamente sind und was sie nicht sind. Einige Leute sehen gerade Ritalin etc. an wie Doping. Ich glaube, das hat ...

gibt es ja ganz viele ... Serien, Filme, et cetera, wo Leute darüber reden, dass sie das in ihren Uni-Zeiten genommen haben, sich durch Klausurenphasen zu bringen, oder irgendwelche Mamas, genommen haben, mit ihrem Alltag klarzukommen, et cetera. Und ich glaube, da gibt es einfach ganz viel, wo die Leute noch nicht wissen, was Rittelin eigentlich macht. Und so, ich das für mich am besten beschreiben kann, ist, dass ich einfach ... eine Sekunde mehr in meinem Alltag hab. Wenn mein Handy plötzlich ...

auf zeigt, dass ich eine neue Nachricht habe, kann ich auf Ritalin die Entscheidung treffen, möchte ich drauf gucken oder nicht. Vorher war es fast so compulsive, ich muss auf mein Handy gucken. Das war so instinktiv, ein neuer Stimulant kommt und ich muss darauf reagieren. Jetzt habe ich diese Sekunde, zu entscheiden, dass ich es mache oder eben nicht mache. Das macht mein Leben nicht aufgrund ganz komplett anders, aber es erlaubt mir einfach, mich ein bisschen besser zu fokussieren.

Johannes (37:36.962)
Ich finde das gerade mit Ritalin total witzig, weil ja auch ganz viele gar nicht wissen, dass Ritalin oder wie heißt der eigentliche Begriff? Ja, ich weiß gar nicht genau, wie es gerade aktuell in Deutschland verkauft wird. Auf jeden Fall wirkt das ja auf Menschen mit ADHS ganz anders als auf Menschen ohne ADHS. Ich habe da mal irgendwie ein total witziges Reel gesehen, wo irgendwie

Hannah (37:37.612)
Genau.

Hannah (37:47.852)
Mit Tüpfel, das?

Johannes (38:06.402)
eine Frau ihre ersten Drogenerfahrungen beschrieben hat und alle ihre Freunde waren total auf dem Trip und die so, cool, das erste Mal in meinem Leben, dass ich ruhig irgendwo sitzen kann, keine Stimmen in meinem Kopf habe und warum drehen die Anwohnerchen so ab? Und ich glaube, ist halt etwas, was oft unterschätzt wird, dass es halt für uns nicht so wirkt wie auf die normalen Bevölkerung, würde ich erst mal sagen.

Hannah (38:30.54)
Nee, auf jeden Fall.

Johannes (38:35.426)
Okay,

Johannes (38:40.829)
Wie hat sich deiner Meinung nach dein Leben verändert seit du die Diagnose hast? Ist dein Umfeld irgendwie ein anderes? Achtest du vielleicht auch auf andere Sachen? Jetzt gar nicht nur im Job, sondern halt auch so im sonstigen Umfeld. Achtest du vielleicht auch mehr auf dich?

Hannah (38:56.012)
Ich denke, ich kann die Sachen einfach besser benennen. Und das hilft mir damit schon mal umzugehen. Zum Beispiel weiß ich, dass ... in den Zeiten, wo es mir gerade nicht so gut geht, wo vielleicht das mit dem Dopamin sowieso schwieriger ist, ich ein bisschen mir selber mehr verzeihen kann, wenn Leute nach Sachen nicht so laufen, wie ich mir das vorstelle, und hab dann aber auch meine Strategien. Zum Beispiel ... Wir haben ganz viel über meine Wohnung geredet, ja schon, mein Primat in dem Kontext.

Und da funktioniert für mich zum Beispiel Bodydoubling richtig gut. Das heißt, früher hab ich das vielleicht unbewusst gemacht, dass wenn ich gerade was aufräumt, sauber machen musste, ich meine Mama angerufen hab und mit ihr stundenlang telefoniert hab und wir beide dabei Haushalt gemacht haben. Aber mittlerweile kann ich das benennen und sag, ich brauche gerade jemanden, der mir dabei zuguckt, wie ich meine Küche sauber mache. Und ich glaube, wenn man ... Oder ... Ich spreche jetzt natürlich nur für mich.

Seitdem ich weiß, was Symptome sein können, kann ich sie auch besser behandeln. Und auch gerade das mit dem ... Schamgefühl, dass Leute mich nicht mögen oder negative Gefühle für ... mir gegenüber haben. Das hat mich früher ganz oft davon weggehalten, mit Leuten zu kommunizieren und auch manchmal Probleme anzusprechen.

Und das kann ich mittlerweile auch ein bisschen besser benennen. Und dann ist es immer noch trotzdem Überbindung, was damit zu machen. Aber ich kann ein bisschen anders drüber reflektieren und es auch anders angehen. Das heißt, ich glaube schon, dass ich mir selber einfach mehr Verständnis eingeräumt habe und dann auch bessere Methoden für mich selber ausprobiert habe. anderes Umfeld tatsächlich, würde ich sagen, habe ich nicht. Aber das liegt daran, dass ich schon eigentlich in den letzten zwei Jahren mir ein sehr unterstützendes

herzliches Umfeld schon gebaut hatte, schon vor der Diagnose, die mir dann auch natürlich die Unterstützung gegeben haben, die Diagnose anzugehen und was damit zu machen.

Johannes (41:00.802)
Du meintest, ich glaube im Vorgespräch, das kann auch sein, dass Hanna das gesagt hat, dass du so bisschen mit deinem Job verheiratet bist. Hast du das Gefühl, das auch ein ADHS-Ding ist? Weil eigentlich kenne ich das ja von vielen Menschen mit ADHS so, dass die einfach sehr viele Hobbys haben, total viele Interessen haben. War das bei dir nie Thema? Oder glaubst dass du einfach durch deinen sehr abwechslungsreichen Job quasi diese ganzen Dinge, sonst mit unterschiedlichen Hobbys, unterschiedlichen Menschen vielleicht zu

Hannah (41:07.372)
Ja.

Johannes (41:30.402)
einfach schon so ab.

Hannah (41:32.844)
Ich glaube auf jeden Fall, dass das bei mir eine ADHS-Dings weil ich mich da so drin verlieren kann. Ich hab die ganze Zeit immer wieder Dopamin-Hits von den neuen Tasks, die ich erledigen kann. In meinen Jobs in jedem bisher hab ich immer direktes Feedback bekommen. Ob das in der Gastronomie ist, wo man direkt Leute glücklich machen kann mit einem guten Kaffee, einem guten Kuchen oder einem guten Cocktail.

oder ob das jetzt in meinem Job ist, wo ich auch ganz schnell Sachen täglich abhaken kann. Das ist auf jeden Fall was, was mir ganz viel Bestätigung und ganz viel Halt gibt. Und was, glaube ich, ich deswegen auch noch mal sehr, sehr viel ernster nehme als vielleicht andere. Deswegen denke ich ja schon auf jeden Fall. Ich habe trotzdem noch 1.000 Millionen Hobbys. Vielleicht nicht ganz so wie Hannas großer Hobbyraum. Aber ich habe gerade schon wieder ein neues Nibprojekt angefangen.

Und das hört bei mir leider auch nicht auf.

Johannes (42:32.034)
Du hast kein Leben, der schon länger irgendwo ruht. Leben war das, ich, Kein Leben? Ton. Entschuldigung. Entschuldigung.

Hannah (42:36.972)
Ich bitte dich.

Hannah (42:42.54)
Ton nicht, nee. Wollte ich zwar, aber das war mir zu teuer, ehrlich gesagt, da rein zu investieren. Ja, man muss seine Altersvorsorge halt einfach präzise wählen und ich hab mich halt für Ton entschieden. Das ist die ADHs Steuerhüter, das passiert.

Johannes (42:48.962)
Ich hab gehört, Hanna hat recht übrig.

Johannes (43:01.218)
Ja, auf jeden Fall. ADHS-Steuer kennen wir glaube ich alle. Wenn du jetzt nur zurück guckst, also ganz großes Thema mit ADHS ist ja auch ADHS-Regrets. dass man quasi bereut, nicht früher die Diagnose zu bekommen zu haben, dass man vielleicht denkt, man hätte Dinge anders machen können. Hast du das auch?

Hannah (43:23.471)
Toll, Johanna, so fünf Minuten vor Schluss noch mal so eine Frage raus. Also Esther, wie sieht es

Johannes (43:29.186)
Es steht auf der Liste!

Johannes (43:34.626)
Das steht auf den Fragen, die du hier vorher geschickt hattest.

Hannah (43:37.836)
Nö. Ich glaube ... Ich glaube, mit der Diagnose kann ich es ehrlich gesagt nicht sagen. Was ich aber ... Was ich bereue, ist, dass ich eine Therapie so spät angefangen habe, wie ich es habe. Und ich glaube, auch wenn das dann vielleicht eher ... mich dann vielleicht früher zur Diagnose gebracht hätte, hätte ich die Unterstützung und die Selbstreflektion schon früher gebrauchen können.

Und ob das dann in der Form von ADHS-Diagnose oder auch einfach nur von, was sind denn Mussten in meinem Leben, die ich sehen kann und mit denen ich vielleicht besser umgehen könnte, wäre, ich glaube, das hätte ich gerade als Teenager und auch in meinen Early-20s sehr gebrauchen können. Ich würde gerne noch eine anschließende Frage darzustellen und du kannst dich natürlich auch dazu entscheiden, sie nicht zu beantworten, aber mich würde interessieren mit diesem Blick auf die Vergangenheit auch, ob du denkst, dass

diese Rolle als Perfektionistin oder Overachieverin oder wie man auch immer das nennen möchte, auch dazu beigetragen hat, dass es so lange ohne die Diagnose funktioniert hat, weil es ja auch, also mit so einer Rollenbeschreibung kommt ja auch oft der Druck, die erfüllen zu müssen. Ja, auf jeden Fall. Also ich glaube, ich habe mich schon immer in Sachen schneller reingestürzt, als ich das vielleicht müsste, weil ich das Gefühl hatte, ich muss zu einem

positiven Ergebnissen kommen und ich muss Leuten was präsentieren können. Und ich darf nicht unsicher sein mit meinen Entscheidungen. Ich darf mich nicht selber second guessen, sondern ich muss schon mit einer Lösung kommen. Und das hat unsere Mama ja auch immer gesagt, dass ich nie mit Problemen angekommen bin, sondern immer nur mit Lösungen. Und ich glaube, hat mich auch ein bisschen was gekostet. Wenn ich jetzt drüber nachdenke, wie Leute zum Beispiel Auslandsjahr in Australien gemacht haben und einfach

aus keinem Grund da waren, sondern nur Spaß zu haben, Lebenserfahrung zu sammeln. So was wäre in meinem Leben halt einfach nicht passiert. Ich habe immer etwas gemacht, in meinem Leben weiterzukommen. Ich hab so im Ausland studiert, aber da ging es ja auch mit Studium. Da ging es ja auch wieder eine Leistung und etwas, was mich erfolgreich machen könnte. Und ich hatte immer das Gefühl, ich habe keine Zeit. Ich muss schneller, ich muss besser, ich muss mehr.

Hannah (45:55.948)
Und ich denke schon, dass das ganz viel in meinem Leben gemacht hat, was ich vielleicht im Rückblick anders hätte machen wollen. Ich finde das sehr, sehr interessant in meinem ganz persönlichen Blick. Weil wir haben diese unterschiedliche Historie mit der Diagnose und diese unterschiedlichen Rollen, nenne ich das mal. Und bei dir hat quasi dieser Anspruch oder dieser vermeintliche Anspruch an deine Leistung und Perfektion dafür gesorgt, dass du so

rein gehauen hast, wenn ich das mal und so viel schon in deinem jungen Alter gemacht hast. Und bei mir war es ja so, gefühlt hat keiner, sorry Mama, das ist nicht gegen dich, sondern generell für mein Empfinden, was von mir erwartet, weil ja klar war, dass ich Probleme habe mit Konzentration oder was auch immer. Und das hat bei mir dafür gesorgt, dass ich das Gefühl hatte, ich muss ganz viel leisten, genau das Gegenteil zu beweisen.

Das hat ja jetzt auch nicht nur was mit familiärer Prägung zu tun, sondern einfach auch mit dem, wie man in der Schule oder so angenommen wird. Und das finde ich einfach so interessant, dass wir ein ähnliches Ergebnis haben, nämlich, dass man ganz viel leisten muss, mit komplett unterschiedlichen Origin-Stories dahinter.

Johannes (47:13.282)
ist ganz interessant, meine Schwester ist auch Overachieverin. Bei mir hat das einen total gegenteiligen Effekt gehabt, weil ich dann dachte, ach, aus dem wird eh nix, dann muss ich mich jetzt auch nicht anstrengen. Dass ich dann eher so aus Versehen doch was geworden bin, war glaube eher Zufall.

Hannah (47:34.924)
versehen.

Johannes (47:38.05)
Ja, also das ist jetzt bisschen übertrieben gesagt, aber bei mir war das schon oft, also ich hab glaub ich schon oft ein schlechtes Selbstbewusstsein deswegen gehabt, weil es halt immer hieß, ach ja deine Schwester, die keine Ahnung, ich kann mich noch dran erinnern, da hab ich glaub ich so ein sechste Klasse Zeugnis bekommen, wo ich mich echt drüber gefreut habe und da meinte meine Mama, ja okay, aber guck dir mal das Zeugnis deiner Schwester an. Danke Mama. Also von daher, ja.

Hannah (47:57.74)
Ja, also ich kann das jetzt sagen, weil es zwischen Esther und mir kein Geheimnis mehr ist. ich glaube, das hat in unserer Beziehung auch manchmal eine Rolle gespürt und ich habe sehr viele Hobbys nicht weitergemacht, weil Esther einfach besser war als ich. Also ich glaube, dass das einfach nicht unbedingt war, weil sie wirklich für immer besser gewesen wäre, sondern weil sie so schnell sich da reingestürzt hat und ich einfach schneller das Interesse verloren habe und dann halt nicht mehr weitergemacht habe, weil ich das todesfrustrierend fand.

dass meine vier Jahre jüngere Schwester das einfach besser kann als ich. Ständig.

Johannes (48:30.338)
Ja, das... Gott sei Dank haben meine Schwester und ich so unterschiedliche Interessen, dass das quasi nie ein Problem war. Von daher, ja, aber ich kann mir das sehr gut vorstellen, dass das bei mir auch ein Problem gewesen wäre, hätte meine Schwester die gleichen Interessen gehabt wie ich. Ja, genau.

Hannah (48:49.708)
Mittlerweile, ganz kurzer Einwurf, sind Hannah und ich aber voll bereit, eine Familienband zu eröffnen. Also, das hat sich zum Glück auch gelegt.

Johannes (48:57.474)
wo kann ich Karten kaufen?

Hannah (48:59.628)
dich laden wir auch umsonst, kein Problem.

Johannes (49:02.722)
Ach, das ist nett. Das ist nett. Ich, keine Ahnung, schmeiß auch T-Shirts oder so auf die Bühne. Ja. Okay. Also, wir haben ja gesagt, dass unsere Folgen, die wir mit Gästinnen machen, ein bisschen länger sind. Deswegen sind wir jetzt zwar schon bei 50 Minuten, aber noch nicht komplett über die Zeit, die wir uns vorgenommen haben. Aber so ganz langsam sollten wir trotzdem zum Ende kommen. Deswegen würde ich mal gerne die Frage nach der Zukunft.

Hannah (49:07.052)
Okay, mehrere Betten.

Johannes (49:30.242)
Stellen. Hast du das Gefühl, dass sich deine Zukunftspläne geändert haben? du die Diagnose hast, hat sich dein Blick auf deine Zukunft geändert?

Hannah (49:43.084)
Noch so eine große Frage. du, das sind die Guten, die die Leute noch dabei bleiben. Also, tatsächlich ... nicht so doll, wie ich, glaub ich, vielleicht erwartet hätte. Ich glaube, die Ambition ist bei mir so tief steckend, dass ich immer noch ganz krass das Gefühl hab, ich will noch mehr und ich will noch weiter und ich möchte ...

auch noch die nächste Beförderung mitnehmen und sonst was. tatsächlich, das hatte ich auch schon ganz lange besprochen, vielleicht sogar auch irgendwann mein eigenes Unternehmen gründen. Das heißt, ich glaube, ich habe auch akzeptiert, dass dieser Tatendrängen und die Liebe am Arbeiten ein Teil von mir ist, der vielleicht auch nicht weg muss. Aber ich glaube, ich habe aufgehört, dafür Zeitleistung zu setzen.

Das heißt, ich muss vielleicht nicht schon alles unter 30 machen und es gibt irgendwie keine Deadlines, die ich mir selber gesetzt habe, sondern ich erreiche es einfach, wenn ich dahin komme und bis dahin mache ich das Beste, was ich kann und vergebe mir auch, es mal nicht so schnell geht, wie erwartet. Ich habe tatsächlich, und das haben wir noch gar nicht besprochen, ich hatte mich auf den Job, den ich jetzt mache, also die Managerposition, schon mal beworben und habe es nicht bekommen. Und gerade mit dem Hintergrund von

Rejection sensitivity at dysphoria war das für mich so schwierig, weil ich dachte, ich mach alles falsch und wie schrecklich. jetzt im Nachhinein bin ich so dankbar, dass ich's damals nicht bekommen hab, weil ich mit so viel mir Selbstbewusstsein in die Rolle rein konnte ein halbes Jahr später und es mir jetzt auch viel besser damit gegangen ist. Aber das war für mich ein ganz, ganz, ganz schwieriger Moment. Und ich glaube, genau so was hoffe ich, ist in der Zukunft vielleicht ein bisschen einfacher für mich zu mastern.

die Sachen Zeit in Antwort nehmen dürfen.

Johannes (51:41.73)
So, und dann vielleicht eine letzte Frage und ich hoffe, wir jetzt nicht wieder in die ganz tiefen Themen rein müssen. Gibt es noch etwas, was du anderen Opa-Echiverinnen, vor allem Frauen mit ADHS, auf den Weg geben möchtest?

Hannah (52:00.364)
Bestimmt. Aber gib mir eine Sekunde. Ich denke ganz kurz drüber nach. Die Stille können wir rausschneiden. sehr gut. Also, Johannes kann das rausschneiden, nicht ich.

Johannes (52:06.466)
Genau. Dann vielleicht während du darüber nachdenkst, Hanna, vielleicht mal noch eine Frage an dich, wir mit deiner Schwester interviewt und wird sich denn dein Blick oder wird sich euer Verhältnis denn verändert, sie auch die Diagnose hat? Hat das vielleicht auch eure Bindung nochmal verstärkt? So nach dem Motto One of us, one of the team?

Hannah (52:12.556)
Ja.

Hannah (52:29.676)
Boah, das ist gar nicht so leicht zu trennen, ich, weil ich glaube, Esers und meine Beziehung hat sich in den letzten Jahren sowieso verändert. es hat aber in den letzten Jahren, hört sich jetzt so an wie in den letzten zwei, ich meine eher so in den letzten, was würdest du sagen, fünf, sechs? Wollte ich genauso sagen. Einfach aus dem Grund, dass wir beide ganz viel uns ausgetauscht haben über ...

wie wir so aufgewachsen sind über unsere verschiedenen Rollen auch. Und Esther ja aber auch eine lange Zeit im Ausland gewohnt hat und jetzt seit einiger Zeit wieder zurück ist und wir natürlich auch einfach durch die räumliche Nähe auch beziehungstechnisch wieder viel, viel näher gekommen sind. Und ich würde sagen, dass die ADHS-Diagnose gar nicht so eine wahnsinnig große Unterschiede gemacht hat. Also spielt schon eine Rolle, glaube ich, weil Esther manchmal sagt, hallo, ich hab das auch.

So, bitte Verständnis und ich so denke, ja, stimmt. Aber grundsätzlich würde ich sagen, sind wir ein gutes Beispiel dafür, dass man seiner Schwester auch außerhalb von schwesterlichen Beziehungen eine sehr enge, freundschaftliche Beziehung führen kann. Und das hat sich jetzt nicht erst durch diese Diagnostik ergeben, sondern wir sind schon bisschen länger miteinander getackert, würde ich sagen.

Da hab ich einen Einwurf, den, glaub ich, du einfach ganz gekonnt als große Schwester ignorierst. Du hast mich aber auch einfach ganz krass unterstützt, drin die Diagnose zu bekommen und damit umzugehen. Vielleicht hast du dich für dich nicht so viel verändert. Aber ich glaube, ohne dich hätt ich die Diagnose nicht. Deswegen ... Also, ich glaub schon, dass das einen großen Impact auf unsere Beziehung hatte. Aber als große Schwester sieht man das manchmal gar nicht. Also, ja.

Ich denke schon. Deswegen ist es ja gut, dass wir beide hier sitzen. Ich würde sagen, es hat sich nicht so viel verändert. Ich würde meine Rolle da jetzt nicht so groß bemessen, weil ich glaube einfach, dass Esso und ich eine Beziehung haben, in der wir uns grundsätzlich einfach sehr, viel unterstützen und sowieso sehr, sehr viel teilen.

Johannes (54:20.962)
Ja.

Hannah (54:36.844)
sehr viel Anteil am Leben der anderen haben. Deswegen hätte ich das jetzt gar nicht so auf diese Diagnostik oder dieses Thema bezogen, sondern einfach generell gesagt, so ist halt unsere Beziehung und die ist einfach sehr, eng.

Johannes (54:51.426)
Okay. Du hattest jetzt ein bisschen Zeit, über meine folgende Frage Gedanken zu machen.

Hannah (54:58.092)
Ich glaube, auch. Ich fühle mich gar nicht so qualifiziert, einen ... ja, einen Rat zu geben. Ich glaube, das ist aber auch ganz normal, ein Imposter-Syndrom. Aber ich würde genau darauf tatsächlich auch eingehen. Und zwar ... ich glaube, wenn man ADHS hat, ist es ganz, ganz, ganz einfach zu vergessen, wie weit man schon gekommen ist und was man schon erreicht hat. Und was halt wirklich im Rahmen des Möglichen ist. Und was für Ansprüche man an sich selber so setzt. Und ich glaube ...

sich die Zeit einzuräumen, genau darüber zu reflektieren, was wirklich gerade wichtig ist und was wirklich einen gerade beschäftigt. Das haben vielleicht Leute mit ADHS noch bisschen mehr nötig. Und es ist aber vielleicht auch ein bisschen schwieriger für gerade diese Leute. Deswegen würde ich sagen, sich diese Zeit zu nehmen und sich sich selber zu kümmern, selbst wenn man dieses Entschleunigen ganz schwierig findet.

umso wichtiger, auch wirklich das über eine lange Zeit durchzuhalten, da hoffentlich noch weiter ein Ovejcima zu bleiben.

Johannes (56:06.178)
Okay.

Hannah (56:06.476)
Ich finde, das ist schönes Schlusswort. Hoffentlich bleiben alle zuhörenden Ova-Inchieber-Innen. Das war ein Tipp an Ova-Inchieber-Innen. geht an euch und an alle anderen. Das muss man aber auch nicht sagen. Ihr könnt aber auch welche werden. Auf jeden Fall.

Johannes (56:11.49)
Das ist ein richtig schönes Schlusswort.

Johannes (56:25.698)
Ich glaube, das ist vielleicht auch nochmal ein ganz wichtiger Punkt. Bitte habt ihr sicher das Gefühl, dass wir hier Leute unter Druck setzen wollen, Over-Ed Schieber zu werden. Das ist auch ein harter Weg, der mit sehr viel Blutschweiß und Tränen verbunden sein kann.

Hannah (56:40.524)
Ich muss noch kurz einwerfen, als ich die Fragen vorab gelesen hab, hab ich Hannah geschrieben, bitte nenn mich nicht die ganze Zeit Oboe Achieber, so fühl ich mich gar nicht. Das ist ja auch Definitionssache. Ich glaube, das ist im Kontext von uns, aber ... daher entstanden. Ich denke, das ist was ganz Persönliches, wie man sich da als Oboe Achieber oder nicht definiert. Aber genau.

Johannes (57:04.386)
Vielleicht ist dieser Begriff grundsätzlich problematisch, weil es dann auch im Prinzip das Underachiever gibt. Das heißt ja nicht nur, weil man keine große Karriere macht, dass man damit unbedingt unglücklich sein muss. Ich kenne sehr viele Leute, die ohne oder mit wenig Karriere sehr glücklich sind und vielleicht sogar glücklicher als Menschen mit großer

Hannah (57:16.844)
Guck dir das an!

Hannah (57:24.236)
voll auf jeden Fall. Und wie man ja in S3M hier auch sieht, also selbst wenn man das Problemkind war oder halt die Pet das nicht problematische Kind, man kann auch so oder so einen Job bekommen.

Johannes (57:40.002)
Wow, mal, sind kapitalistisch.

Hannah (57:45.932)
Toll, wie wir das machen.

Johannes (57:47.362)
Toll, toll, wir das machen. ich sehe schon meine Linke. Egal. Das, ähm, wie reden wir jetzt einfach mal. Ja, das war richtig gut. Ich finde gerade auch für unsere erste Interviewfolge lief das meiner Meinung nach super. Vielen Dank, Esther, dass du da warst.

Hannah (58:03.243)
Und wir wollen kein anderes Feedback dazu hören, dass es nicht gut gelaufen ist. Weil Rejection-Sensitive Dysphoria bitte nicht.

Johannes (58:12.962)
Ja, bitte seid lieb zu uns. Nein, aber wenn ihr natürlich Kritikanmerkungen oder Ähnliches habt, immer gerne auch negative Kritik. Die tut zwar weh, aber ist natürlich auch wichtig, das, was wir hier machen, noch besser zu machen, auch wenn das Feedback momentan echt super ist. ich kriege so viel positives Feedback gerade. Vielen Dank dafür an alle, die uns zuhören. Und, Jara, Esther, es war sehr schön. Danke, dass du da warst.

Hannah (58:38.348)
Danke, dass ich dabei sein durfte. Vielen Dank auch von mir.

Johannes (58:41.314)
Und dann würde ich sagen, bis zum nächsten Mal. Tschüss.

Hannah (58:46.444)
Tschüss!