Eine Frau und ein Mann vor einem grünen Hintergrund in der Mitte Mikrophone. Text: Oversharing Folge 10

Folge 11 - ADHS & Selbstfürsorge

09.09.2024

In dieser Folge sprechen wir über das Thema Ordnung und Ordnung halten. Wir teilen unsere persönlichen Erfahrungen und Strategien, um mit Unordnung umzugehen.

Zur Folge

Takeaways

  • Selbstfürsorge ist entscheidend, um mit Stress umzugehen.
  • Die Spoon-Theorie hilft, den eigenen Energiehaushalt zu verstehen.
  • Es ist wichtig, Grenzen zu setzen und Hilfe anzunehmen.
  • Transparente Kommunikation in Freundschaften fördert das Verständnis.
  • Körperliche Entspannungstechniken können Stress reduzieren.
  • Aktive Entscheidungen im Alltag helfen, Stress zu vermeiden.
  • Es ist okay, sich Zeit für sich selbst zu nehmen.
  • Hilfe annehmen ist kein Zeichen von Schwäche.
  • Freundschaften können auch ohne ständige Präsenz bestehen.
  • Feedback von Zuhörer:innen ist wertvoll für die Weiterentwicklung des Podcasts.

Transkript Folge 11

Johannes (00:02.684)
Herzlich willkommen bei Oversharing, dem ADHS Podcast mit Johannes und

Hannah (00:07.458)
Hanna, hallo!

Johannes (00:09.692)
Hi! Ja, wollen, nachdem wir die letzten Male so ein bisschen über, ich würde mal sagen, Themen gesprochen haben, die unseren Alltag mit ADHS bestimmen, über ein weiteres Thema reden, das auch damit zu tun hat. Und zwar wollen wir zum einen so ein bisschen drüber reden, wie es uns aktuell geht, aber halt auch immer selbst für Sorge sprechen. Heißt, was tun wir, wenn es uns nicht gut geht oder wie sorgen wir dafür, dass es uns auch allgemein gar nicht erst schlecht geht.

Hannah (00:40.546)
Genau, Johannes und ich haben ein bisschen darüber gesprochen, wie wir die heutige Folge so füllen wollen und haben dann überlegt, dass wir einfach auch gerne euch einen kleinen Einblick in unsere privaten Herausforderungen geben wollen, die es gerade so gibt. Und so ist dann das Thema für heute entstanden.

Johannes (01:04.412)
Ja, ich fange gleich mal an. Bei mir ist es gerade tatsächlich bisschen schwierig, weil ich ein größeres Problem in meiner Wohnung habe. Da ist Feuchtigkeit an diversen teilweise auch unabhängig voneinander. Das ist richtig super. Und nachdem ich jetzt mehrere Monate oder tatsächlich schon ein Jahr lang da mit der Eigentümergemeinschaft, der Verwaltung drüber

gesprochen habe, habe ich mir jetzt heute einen Anwalt genommen und werde das jetzt alles auslagern. Aber so richtig gut geht es mir damit tatsächlich nicht, weil wir wissen alle, die Mühlen der Justiz malen langsam. Das heißt, wird ein sehr langer und auch unsicherer Prozess, weil es überhaupt nicht klar ist, bin ich da wirklich komplett im Recht oder ich bin mir sicher, dass ich im Recht bin, aber kann ich das auch beweisen, dass ich im Recht bin? Das wird noch eine

spannende Herausforderung, aber naja schauen wir

Hannah (02:06.146)
Ja, und wie das Schicksal es so will, geht eins meiner akuten Belastungsthemen tatsächlich auch Immobilien -Stress. Also wer mir auf Instagram folgt oder bei mir Klientin ist, hat es wahrscheinlich schon mitbekommen. Meine Kollegin und ich, ziehen Und auch das ist tatsächlich nicht so ganz freiwillig gewesen.

Und durch diese nicht ganz freiwillige Umzugsentscheidung haben sich auch andere Themen ergeben, für total, die zu total viel Druck und irgendwie auch Stress geführt haben, weil einfach ein Umzug von alleine ja schon sehr anstrengend ist. Wenn man aber gar nicht so richtig selber entscheiden kann, wann der denn dann stattfindet.

finde ich, ist er noch mal deutlich anstrengender, weil jetzt alles auch relativ schnell geht und gehen muss und das doch deutlich belastender ist, als ich mir das Ganze gewünscht hätte.

Johannes (03:11.644)
Ja, und wie geht es dir gerade damit? Du meinst, es ist belastend, aber hast du das Gefühl, dass dich das jetzt auch über deinen beruflichen Alltag hinaus belastet?

Hannah (03:26.018)
Also, ich sag das ja ganz häufig, dass ich so zwei Persönlichkeitsanteile hab oder so zwei verschiedene Moody und ich würde sagen, das was momentan mir echt gar nicht schwerfällt und was weiterhin nicht belastet ist, ist wirklich die eins zu eins Arbeit mit meinen Klientinnen und alles was da drumherum ist, arbeitsmäßig aber auch privat, finde ich gerade echt

viel anstrengender als es normalerweise so ist. Und ich habe auch gemerkt, dass ich tatsächlich schon seit einer sehr langen Zeit nicht mehr so angestrengt war, wie es jetzt gerade ist. Und ich finde das wirklich schade, weil ich das Gefühl hatte, dass ich wirklich mich sehr angestrengt habe, stressresilienter zu sein und irgendwie frühzeitiger auch sehr gut auf mich zu achten.

hab einfach gemerkt, dass mir das noch nicht so gut gelungen ist, wie ich es mir wünschen würde.

Johannes (04:31.26)
Ja, das geht mir auch so. Beziehungsweise bei mir ist es ja andersrum. Ich habe ja den Stress mehr im Privaten. Und ich habe aber schon gemerkt, dass ich das auch mit auf die Arbeit genommen habe. Das ist mir sehr stark aufgefallen, ich, ich habe Urlaub, aber als ich vor zwei oder drei Wochen irgendwie mit einer Arbeitskollegin gesprochen habe und irgendwas lief nicht so gut und ich merkte so richtig, wie ich auf einmal ungehalten ihr gegenüber wurde, obwohl sie da überhaupt nichts für konnte und sie dann noch angeheizt habe, was eigentlich überhaupt nicht meine Art ist. Also ich bin eigentlich

Auf der Arbeit, gerade gegen ArbeitskollegInnen, höchst professionell, und dass ich wirklich schlechte Laune an denen auslasse, passiert eigentlich nie. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mir das schon mal passiert ist. Ich mach das auch bei anderen nicht, wenn das passiert. Und da ist mir echt aufgefallen, okay, stimmt hier gerade, oder irgendwas ist hier gerade gar nicht in Ordnung. Und da musste ich dann echt ganz stark irgendwie gegensteuern, weil ich halt echt gemerkt habe,

Da laufe ich jetzt auch psychisch in eine Situation, wo ich halt Privates und Berufliches nicht mehr getrennt bekomme. dem Fall halt eher Berufliches, nicht vom Privaten. Normalerweise ist es, obwohl häufiger ist, ist es eher umgekehrt mal ein Problem. ja, hab ich danach auch entschuldigt. Also es ist jetzt nicht so, als ob ich meine Arbeitskollegen damit irgendwie einfach abstehen lassen. Aber trotzdem ist das etwas, was ich halt wirklich vermeiden möchte.

Hannah (05:33.986)
Hm.

Hannah (05:55.426)
Das ist ja dann noch einfach zusätzlich noch frustrierend, wenn man das Gefühl hat, dass man irgendwie unfreundlich oder unfair zu Leuten ist, die man eigentlich mag oder die gar nichts damit zu tun haben. Das ist ja dann auch potenziell noch mal ein neuer Stressfaktor, der sich da ergibt, wenn man das Gefühl hat, man ist auch gar nicht mehr so bei sich selber.

Johannes (06:12.732)
Nee, genau, dann kommt ein People Pleasing mit durch, dann kommt RSD mit durch, wo ich gleich Angst habe, jetzt hab ich die einfach angehalten, ich mag die mich gleich nicht mehr. War natürlich nicht so, aber ich hab schon, ja, ich hab da schon gemerkt, dass ich da irgendwie mehr selbst für Sorge betreiben muss, als ich das sonst vielleicht in der Situation getan hätte und ich hab dann tatsächlich angefangen und jetzt kommen wir vielleicht...

zu dem Punkt, wo wir eigentlich darüber sprechen wollten, erst mal private Termine zu verringern, weil ich bin total gerne unter Menschen und mit Leuten unterwegs, aber ich habe halt gemerkt, dass ich halt mehr Zeit für mich brauchte, weil ich halt in sozialen Kontexten dann auch immer so in so einer Art, ja klar...

Neurodivergenz, wir maskieren alle, das heißt, es ist auch irgendwie auf eine gewisse Art anstrengend. Ich habe halt gemerkt, ich muss halt eher in einem Umfeld sein, wo ich halt nicht maskieren muss und das war in dem Fall vor allem halt in Situationen, wo ich alleine bin. Was halt einfach heißt, dass ich halt geguckt habe, dass ich halt einfach alle Termine, die irgendwie jetzt nicht zwingend waren oder wo sich Leute von abhängen einfach abgesagt haben, nicht mehr auf Stammtische gegangen bin und ähnliches. Einfach da halt Stress rauszunehmen für mich.

Hannah (07:14.018)
Hm.

Hannah (07:28.834)
Ja, das kann ich total verstehen. da bin ich auch total froh, dass ich mittlerweile da auch gut für mich sorgen kann. Also dass ich auch das schaffe, sehr, sehr häufig zumindest mit meinen Freundinnen so zu kommunizieren, dass ich auch einfach sage, ey Leute, grad ist es ein bisschen viel, tut mir total leid, aber diese Verabredung kann ich jetzt nicht halten, weil ich einfach...

Ich muss einfach in die Horizontale, ich muss mich hinlegen und mich ausruhen. ich glaube, dass ich das früher und mit früher meine ich jetzt nicht in der Kindheit oder in der Jugend, sondern tatsächlich so vor fünf, sechs Jahren absolut nicht so gehandhabt hätte, wie ich das jetzt tue und wie ich es jetzt kann. Weil ich glaube, können ist da wirklich ein wichtiger Faktor. Das musste ich mir schon echt hart erarbeiten, da mehr auf mich und meine Bedürfnisse zu hören und nicht zu denken, wenn ich jetzt absage.

dann ist diese Freundschaft vorbei, weil die Person sich dann vielleicht so gekränkt fühlen könnte, dass sie mich nicht mehr mag.

Johannes (08:29.884)
Ja, ich hab euch dann früher oft krank gemeldet. Weil ich hatte dann einfach früher gesagt, keine Ahnung, ich hab Kopfschmerzen, hab irgendwie Husten oder was weiß ich. Und hatte dann irgendwann halt den Ruf, oder Jhon ist ja so oft krank. Was meistens einfach gar nicht so war. Und heute bin ich da auch eher bereit, tatsächlich dann zu sagen, mir geht's grad psychisch nicht gut, ich kann das grade nicht. Ich hatte tatsächlich so eine Situation am Samstag, wo ich auf einem Spieleabend eingeladen war und ich irgendwie den halben Tag keine Lust.

und wollte aber auch nicht absagen, weil ich die Freundin wirklich lange nicht gesehen hatte. Und am Ende habe ich dann auch nicht abgesagt. war auch tatsächlich, im Nachhinein bin ich froh, nicht abgesagt zu haben, aber ich bin mir trotzdem nicht sicher, ob das zumindest im Vorhinein schlau war, weil die Wahrscheinlichkeit, dass mir dieser Abend nichts tut, war glaube ich höher, als dass er mir gut getan hat. Er hat mir dann gut getan, aber ich glaube, am Ende muss ich da vielleicht dann doch noch mal ehrlicher auch zu mir selbst sein und halt sagen, dass ich halt, also und dann halt mit solchen Verabgehungen halt vorsichtiger für mich umgehen.

Ja.

Hannah (09:31.33)
Ja, das ist halt auch manchmal bisschen schwierig zu sortieren. Also was tut mir jetzt wirklich gut? Wo ziehe ich mehr Kraft raus und wo verliere ich vielleicht mehr? Ich war jetzt vor kurzem auf einem Konzert mit meiner Schwester und anderen Freundinnen und es war total schön. Also es war ein super, super schönes Konzert. Ich bin froh, dass ich das erleben durfte, weil es auch eine ganz tolle Location war. Und trotzdem habe ich einfach bei dem Konzert gemerkt, wie

extrem erschöpft ich auch einfach bin und habe so gedacht, es hätte mir jetzt auch nicht geschadet, wenn das Konzert eine Stunde früher angefangen hätte und auch eine Stunde früher zu Ende gewesen wäre. Da war ich auch so, genauso wie du es gerade beschrieben hast, so bisschen im Zwiespalt. Wie gut hat mir das jetzt eigentlich gerade getan, auch wenn ich es total genossen habe, da zu sein.

Johannes (10:23.324)
Bei mir war das tatsächlich vor ein paar Wochen so, wo ich mich, ich hab mich wochenlang auf ein Konzert gefreut und hab dann die Woche vorher so viel gemacht, ich zu dem Konzert nicht gehen konnte, weil ich so fertig war. Und da ärgere ich mich auch ein bisschen darüber und da hätte ich, ich, auch mehr auf mich hören müssen. Es gibt ja diese, kennst du die Spoons Theorie? Dass du halt, also wer die nicht kennt, im Endeffekt müsst ihr euch das so vorstellen, keine Ahnung, ihr habt zehn Löffel am Tag, die ihr halt irgendwie an Energie ausgeben könnt und

Hannah (10:40.642)
Ja klar.

Johannes (10:51.836)
Keine Ahnung, Zimmer aufräumen kostet ein Löffel und mit Freunden treffen kostet vielleicht drei Löffel und wenn ihr halt keinen Löffel mehr habt, dann könnt ich auch nichts mehr tun. Ist wie eine Batterie. ich glaube, was ich halt für mich noch lernen muss, ist halt wirklich in mich rein zu hören und zu sagen, wie viel kann ich denn gerade? Wie viele Möglichkeiten habe ich denn gerade überhaupt, etwas zu tun? Und dann aber auch entsprechend zu handeln. Das ist, glaube ich, etwas da.

bin ich auch selbst noch zu sehr vielleicht davon geprägt, dass ich halt aus einer Familie komme, wo eher erwartet wird, dass man halt immer funktioniert und dass man sich halt einfach durch Dinge durchquälen muss. das ist halt einfach, ja, das funktioniert jetzt so leider einfach nicht.

Hannah (11:36.994)
Ja, also die Spoon -Theorie, baut ja quasi aufs Pacing auf und wenn man das mal aus therapeutischer Sicht betrachtet, dann wundert mich das ehrlich gesagt nicht, dass es für dich momentan noch schwer ist, da auf dich zu hören, weil wenn man das jetzt, also wenn ich das mit Klientinnen mache und denen quasi Pacing beibringe, hört sich so falsch an, aber wenn ich mit denen darüber spreche und wir gucken, wie kann Pacing oder Spooning irgendwie

integriert werden, dann geht das ja erstmal auch mit einer langen Beobachtung einher. Also, dass man auch mit tatsächlich so Dokumentationen auch schaut, wie viel Kraft kosten mich, welche Dinge, wie viel Zeit brauche ich auch dafür. dass da wirklich auch quasi Forschungsarbeit vorausgeht und es ja nicht nur ein Gefühl ist sozusagen, was kostet mich gefühlt, wie viel Energie, sondern wirklich erstmal eine Beobachtungsphase.

vorhergeht, das auch wirklich richtig gut einschätzen zu können.

Johannes (12:36.252)
Hm?

Johannes (12:41.752)
Ja, könnte ich vielleicht auch mal drüber nachdenken. Ich mache sowas tatsächlich, wenn ich mir Zeitpläne schreibe, dass ich dann schon überlege, wie viel Kraft könnte das mich denn kosten. Aber ich habe noch nie quasi nachher mal überlegt, war das denn jetzt wirklich so oder war das etwas, was halt nicht so war. Ich glaube, da kann es sich auch tatsächlich gut eignen, Tagebuch zu schreiben und mal zu gucken, was kostet mich denn, wie viel Kraft. Aber eigentlich wollten wir gar nicht darüber reden, sondern wir wollten eigentlich über selbst für Sorge reden.

Hannah (12:50.978)
Mhm.

Hannah (13:08.93)
Ja, obwohl ich finde, ist total selbstfürsorglich, weil ich glaube, Selbstfürsorge gehören nicht immer nur Sachen, so klassisch, wenn wir jetzt Hashtag Self -Care oder so uns angucken würden, was da so auftaucht, sondern zu Selbstfürsorge gehören halt auch solche Dinge, die vielleicht erstmal auch bisschen Arbeit irgendwie erfordern, wie zum Beispiel sich selber zu beobachten, dann bessere Kenntnis über die eigenen Energievorräte zu bekommen. Und es gehört zu Selbstfürsorge auch zum Beispiel

Johannes (13:11.9)
Ja.

Hannah (13:39.106)
eine Idee davon zu bekommen, inwiefern hilft mir zum Beispiel Bewegung und Sport, also wo ist da die Grenze von, was tut mir gut, was überfordert mich. Und das sind so alles Sachen, die sind vielleicht nicht so bequem und nicht so schön, wie ich mache mir einen Spa Day, was auch nur total tolle Selbstversorge sein kann, aber es ist halt meistens nicht so einfach, es hört nicht mit diesen, ich nenne das mal kosmetischen Self -Care -Dingen auf.

Johannes (14:07.231)
Was ist denn so, wenn du jetzt an Selbstversorge denkst, was hilft dir denn tendenziell am besten?

Hannah (14:15.298)
Ich glaube, was ich in den letzten Jahren für mich entwickelt habe und was ich immer noch ausbaue, ist es immer noch bisschen ausbaupfähig, ich sagen, aber was ich auf jeden Fall mir da erarbeitet habe, einfach so eine größere Fehlertoleranz und ein recht großes Mitgefühl für mich selber. dass ich mir auch erlaube, dass es mir auch einfach mal scheiße gehen darf und dass es nicht so ist, dass ich jetzt die...

Superfrau sein muss, die alles im Alleingang reißen kann. ich weiß nicht, ob dir das auch so geht, aber ich habe auch das Gefühl, dass das tatsächlich auch ein bisschen was mit ADIAS zu tun hat, dass ich es total schwierig fand und manchmal auch immer noch finde, zuzugeben, wenn ich was nicht alleine kann oder wenn mir Dinge über den Kopf wachsen.

Johannes (15:01.532)
Ich bin total schlecht da drin, Hilfe zu bitten und auch Hilfe anderer anzunehmen. Ich habe das auch mal im Zusammenhang mit ADHS gehört. Ich frage mich tatsächlich, welchem Symptom oder was das mit ADHS zu tun hat. bisschen damit, dass es oft noch ein Familientrauma ist.

kann mir gut vorstellen, dass das irgendwie daherkommt, aber ja, ich hab das auch. Ich bin total schlecht darin, wenn ich umziehe, Leute zu fragen, sie mir helfen können. Ich zieh meist professionell weil ich mich einfach nicht traue, Leute zu fragen. Und ... ich hatte jetzt auch mit der Wohnung lange echt bedenkt, einen Anwaltskanzler einzuschalten, weil ich dachte, das musst du ja selber können. Aber ... ich hatte ...

Da vor einigen Tagen ein ganz interessantes Gespräch, wo eine Freundin von mir meinte, naja, es gibt einfach Dinge, da ist es doch viel sinnvoller, die auszulagern, wenn man sich selbst nicht drum kümmern kann. Einfach weil man dann halt viel mehr Energie hat, andere Dinge zu tun. Und klar, das ist natürlich immer eine finanzielle Frage oder nicht immer eine finanzielle Frage, aber auch eine Frage von, welchen Kontakt da hat man gerade, wo kennt man gerade jemanden. Aber wenn man Sachen auslagern kann an Leute, die Dinge besser können als man selbst, ist das hier überhaupt keine Schande.

Hannah (16:11.49)
Absolut.

Johannes (16:26.94)
Weil ich bin ja auch durchaus bereit, Sachen für andere Menschen zu tun, die ich vielleicht besser kann. möchte gar nicht wissen, wie viele Leute ich schon mal mit, was weiß ich, Versicherungen oder so geholfen habe, die mich irgendwas gefragt haben oder halt auch mal mit einer juristischen Einschätzung.

Hannah (16:43.106)
Ja, ich glaube aber ehrlich gesagt, was du gerade gesagt hast, ist ein wichtiger Punkt dazu, warum das so schwer ist, nämlich weil man sich ja auch oft schämt. Also zumindest ist es in meinem Fall ein Thema gewesen dafür, dass ich es schwieriger fand, Hilfe anzunehmen oder überhaupt Hilfe zu fragen, weil ich immer dachte so, das muss ich doch alleine können. Andere Leute schaffen das doch bestimmt auch alleine. Und ich glaube, da ist in meiner Idee der Connect zu ADHS, dass es schwierig ist einzuschätzen, was andere können.

Johannes (16:53.308)
Ja.

Hannah (17:13.437)
Und zwar auch ohne eine extreme Belastung zu spüren und was ich deswegen vielleicht auch können müsste. Und dann da den Weg zu machen, Hilfe zu fragen. glaube, ist es, was schwierig ist.

Johannes (17:25.756)
Ja, und da vielleicht noch einen oben drauf zu setzen, ich glaube, dass uns mit ADHS Dinge schwierig fallen, die die Gesellschaft als relativ normal ansieht, während wir Dinge vielleicht gut können, die die Gesellschaft eher als kompliziert ansieht. Und ich glaube, dass da so der Twist drin ist, weil, keine Ahnung, ich kenne ganz viele Menschen mit ADHS oder auch allgemein neurodivergente Menschen, denen es schwerfällt, private Telefonate zu führen, einen Arzt anzurufen, äh...

Hannah (17:52.546)
Mhm.

Johannes (17:54.62)
keine Ahnung, die eigene Steuererklärung zu machen, hat jetzt mit Telefonieren nichts zu tun, aber denen so viele, ich würde sagen, Alltagsdinge schwerfallen. Und das ist ja ein Punkt, weil dann, wenn ich jetzt sage, ey, mir fällt es total schwer, einen Arzt anzurufen, kannst du das für mich machen, dann kann auch die Reaktion sein, wie alltagsuntauglich muss man denn sein, dass ich mal einen Arzt anrufen kann. Und ich glaube, das wird sehr viel damit zu tun.

haben, weil ich glaube, wenn wir jetzt vielleicht als Kinder beispielsweise unsere Eltern gefragt haben, ob sie etwas für uns tun können, wo aber die Eltern erwarten, das eigentlich alltagsgerecht vielleicht etwas was man schon können müsste, dass dann die Reaktion auch nicht unbedingt positiv war und dann da halt auch eine Art Trauma draus entstanden ist.

Hannah (18:44.226)
Das kann ich mir bei vielen Leuten auch vorstellen. Also ehrlich gesagt habe ich da gar nicht so eine Erinnerung an meine Kindheit. glaube ich, ich würde sagen, habe da schon ein sehr supportive Elternhaus. Gerade meine Mutter, glaube ich. Da habe ich nicht so eine Erinnerung, aber ich finde die Schlussfolgerung total sinnig. Also dass das auf jeden Fall was macht, macht dann mit der Fähigkeit oder dem Zulassen.

von Hilfe und von Nachhilfe fragen.

Johannes (19:14.652)
...müssen bei dir ja nicht mal die Eltern gewesen sein, das können auch Freunde gewesen sein oder LehrerInnen oder... ...keine Ahnung, vielleicht das allgemeine Gefühl, dass du halt Dinge nicht kannst, die halt andere eigentlich können solltest, oder die du eigentlich können solltest in deinem Und...

Hannah (19:29.282)
Absolut, absolut. Das ist ja auch das, was ich gerade gesagt habe. dieses, dass man einfach denkt, das müsste ich doch können, andere Leute können das doch auch. Und dass das einfach so beschämend ist, dass das dann einen auch daran hindert, sich anderen Leuten anzuvertrauen. Und ich würde sagen, das kann ich mittlerweile eigentlich ziemlich gut in vielen Fällen und mir auch selber einfach zugestehen, dass ich dann auch mal Dinge nicht mache. So, wenn sie einfach gerade nicht gehen. als Beispiel zum Beispiel

Johannes (19:36.22)
Hmm.

Johannes (19:43.26)
Ja.

Hannah (19:58.178)
als Beispiel zum Beispiel. Ich habe mich ja gerade so ein bisschen von Social Media distanziert, weil ich einfach gemerkt habe, dass mit dem ganzen, was hier gerade so im Hintergrund abläuft, ich einfach keine qualitativ für mich in Ordnung Posts gerade machen kann. Und auch die Artikel, die ich eigentlich wöchentlich auf meiner Homepage veröffentliche, die habe ich auch erst mal

Johannes (20:19.452)
Hmm?

Hannah (20:27.138)
sein gelassen, weil ich einfach gedacht habe, das sind mehrere Ebenen von Stress, die das gerade verursacht. In mir nämlich einmal, dass ich das Gefühl habe, ich muss das einfach deliveren und dass ich aber auch eine Qualität dahinter haben möchte, die ich vertreten kann und die ich dann nicht schon beim Posten irgendwie scheiße finde. Und das hat einfach so viel Druck erzeugt, dass ich mir selber dann gedacht habe, warum mache ich das eigentlich? Also keiner erwartet das von mir. Das ist einfach nur meine Idee davon.

dass Leute das erwarten könnten. Und gerade kann ich das einfach zeitlich nicht abbilden und vom Energielevel auch nicht. Ja, dann gönne ich mir jetzt eine Pause davon und wenn ich mich wieder ready fühle, dann mache ich halt weiter.

Johannes (21:10.332)
Ich glaube gerade Social Media im beruflichen Kontext kann echt ein krasser Stressfaktor sein, weil du halt auch, ja, wenn du vernünftigen Content produzieren möchtest, musst du den ja konstant erzeugen und ich glaube gerade mit ADHS ist es ja eh schwierig, Dinge konstant zu machen. Mir fällt das gerade auf, dass ich habe so die letzten Wochen ein neues Hobby für mich gewonnen, das ist Online -Rollenspielen, aber nicht per Pen & Paper, per Discord oder so, sondern halt als Forum.

Ich merke halt, das habe ich auch gerade massiv reduziert, weil ich aber merke, dass das halt ein Stressfaktor ist, ich da halt irgendwie immer dran denken muss, da mal wieder was zu posten. Und ich glaube, gerade so Dinge, die ich konstant häufig mit Wiederholung machen muss, die stressen mich einfach. Und da muss ich einfach gucken, dass ich halt diese Form von Stress echt reduziere, halt zu gucken, wie kann ich denn eher Sachen machen, wo ich den Kopf mal für frei bekomme.

Was mir gerade tatsächlich echt hilft, regelmäßig Kopf frei zu bekommen, ist Serien zu gucken, weil ich da nicht nachdenken muss, weil ich da einfach nur für mich existiere, ohne dass da ständig der Kopf mir irgendwelche anderen Dinge sagt. Und das ist für mich halt gerade so die größte Form der Self -Came, einfach eine Stunde am Tag zu gönnen, wo ich mal den Kopf komplett ausschalten kann. Das kann ich eigentlich fast nur darüber.

Hannah (22:26.997)
Ich finde das auch total fair. finde, solange das keine schädlichen Strategien sind für mich oder für mein Umfeld, ist es doch auch okay, wenn das erstmal nur so Pflaster sind. Also, nicht alle Probleme durch Serien gucken gelöst werden, das ist ja jedem eigentlich klar. Aber dass es ab und zu einfach mal gut tut,

etwas zu tun, was nicht den Anspruch hat, dass es irgendwas lösen muss oder irgendwas darstellen, ergeben, herstellen muss, ist, ich, total gesund, dass man auch mal einfach Zeiten ohne Anspruch hat. Also, ja.

Johannes (23:08.38)
Ja, total. ich glaube, da kommt vielleicht der Jurist in mir bisschen durch. Ich glaube, ist echt ein Problem, dass zumindest ich das im Studium echt verlernt habe. Weil im Studium hast du eigentlich so wenig Zeit, gerade im Jubalstudium, überhaupt irgendwie das Studium durchzubekommen, dass dir eigentlich sehr intensiv beigebracht wird, nichts anderes nebenher zu tun. Und es hat bei mir echt Jahre gedauert, bis ich wieder auf ein Niveau kommen konnte, wo ich mir echt zugestehen konnte.

auch mal was anderes zu tun als fürs Studium zu lernen. das ist, glaube ich, etwas, ich teilweise bis heute mit struggle, wenn ich ehrlich bin.

Hannah (23:45.442)
Ich glaube da bist du auch nicht alleine mit, ehrlich gesagt. ich glaube, gerade in der Leistungsgesellschaft, in der wir leben, ist das ein total häufiges Phänomen, dass man auch irgendwie das Gefühl hat, dass man permanent produktiv sein muss und dass man auch seine Freizeit möglichst effektiv gestaltet und so viel rausholt, wie es irgendwie geht. Und da denke ich mir häufig, in meiner Freizeit möchte ich gar nicht so effektiv sein. Also

Johannes (23:59.452)
Ja.

Hannah (24:14.082)
Wenn ich mich aktiv dafür entscheide, im Park zu liegen und eine Stunde in die Wolken zu stahn, dann ist das ja überhaupt nicht effektiv, aber es tut mir vielleicht trotzdem total gut. Wenn ich jetzt aber dabei noch die ganze Zeit darüber nachdenke, was ich gerade alternativ alles noch hätte machen können oder leisten können, dann wird mich das enorm stressen. Deswegen habe ich für mich so ein bisschen überlegt, dass ich versuche, viele Dinge einfach als aktive Entscheidung.

zu gestalten und mich nicht irgendwelchen Dingen so zu ergeben. Also wenn ich mich aktiv dafür entscheide auf dem Sofa zu verrotten ein ganzes Wochenende, dann ist es vielleicht total geil. Wenn ich einfach da liege, weil ich das Gefühl habe, ich kann gar nichts anderes mehr machen, könnte es sein, dass es mich nicht so erholt.

Johannes (24:46.78)
Hmm...

Johannes (24:59.484)
Ich glaube, aktive Entscheidung treffen, das fällt mir teilweise noch schwer, weil ich dann schnell in diesen Modus komme, wo ich mich dem ergebe, wo ich eigentlich sage, okay, ich wollte jetzt eine Stunde Serien gucken, aber ich habe jetzt drei Stunden Serien geguckt. Und ich glaube, den Übergang zu schaffen von, ich tue etwas aktiv und ich tue es jetzt nicht mehr aktiv und das mitzubekommen und dann zu sagen, okay, ich höre jetzt aktiv damit auf, das ist glaube ich echt ein Punkt, der mir schwerfällt und das siehst du ja auch, sagen wir mal, wenn du

die Instagram Reels oder ähnliches zur ADHS anguckst, dass das oft ein Problem ist, dass man dann halt sehr schnell in so einen Zug, also in so eine Entscheidungsparalyse kommt und dann halt einfach das, was man gerade tut, weiter tut, ohne das noch aktiv zu tun.

Hannah (25:42.658)
Also ich sage auch nicht, dass mir das immer gelingt oder dass das so total einfach ist, aber grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass es einen Unterschied gemacht hat in meiner Alltagsgestaltung. wirklich auch aktiv zu entscheiden, mich mal gegen Dinge zu entscheiden. Also ich glaube, da geht es gar nicht so sehr ich gucke jetzt eine Stunde Serie, sondern eher darum, auch aktiv

mich mal für mich oder für Zeit mit mir zu entscheiden und Gegenzeit mit anderen oder Gegenzeit mit irgendwas super aufregendem, sondern wirklich zu sagen, okay, ich genieße das jetzt auch hier gerade auf der Couch zu wägen oder bisschen Doomscrolling zu machen und muss mich dafür jetzt irgendwie nicht schlecht fühlen oder vor mir selber rechtfertigen, weil ich könnte auch gerade auf der Party sein oder mit dieser Freundin irgendwas machen, sondern ich...

Johannes (26:25.66)
Hmm...

Hannah (26:39.714)
liegt jetzt hier und ich habe mich dafür aktiv entschieden, weil ich das gerade brauche.

Johannes (26:43.516)
Ja, glaube Fear of Missing Out ist sicherlich auch ein Problem, das viele von uns haben. Ich weiß nicht, ob das ein typisches ADHS -Problem ist, aber sicherlich kommt das noch mit dazu, weil bei uns ja das People -Pleasing vielleicht noch ein bisschen mehr verstärkt ist als bei neurotypischen Menschen. Aber ich glaube, dass es ein sehr guter Punkt ist, halt zu sagen, wir müssen uns aktiv...

für Dinge entscheiden und nicht den hingeben, sondern wirklich sagen, okay, ich bleibe heute drin und ich weiß, findet gerade eine tolle Party statt, aber die kann ich jetzt auch mal ignorieren. Also das finde ich einen sehr guten Punkt von dir.

Hannah (27:22.53)
Also fairerweise muss man da sagen, glaube ich, hat das Alter auch geholfen. da einfach auch ein bisschen mehr zu sagen, okay, und es wird auch nochmal ein Konzert geben, es wird auch nochmal eine Party geben und dann bin ich halt das nächste Mal dabei. Und auch. Ich glaube, was für mich ein wichtiger Punkt auch gewesen ist, dass mir das jetzt mittlerweile auch möglich ist, in vielen Fällen ist.

Johannes (27:26.3)
Ja, ja.

Hannah (27:50.882)
dass ich so bisschen mehr auch bei mir angekommen bin in den letzten Jahren und auch mit meinem Selbstwert ein bisschen stabiler geworden bin, dass ich einfach auch nicht mehr so viel Angst habe, wenn ich was absage oder wenn ich mich für mich und gegen eine Unternehmung entscheide, dass ich dann nicht denke, und jetzt sind die, die da sind, die sind jetzt ganz, close und ich kann da gar nicht mehr rein, weil ich jetzt mal nicht mitgemacht habe und diese Erfahrung nicht geteilt habe, sondern weil ich einfach mittlerweile darauf vertraue, dass

Johannes (27:53.116)
Ja.

Hannah (28:20.386)
meine Freundschaften nicht schlechter werden dadurch, dass ich einmal nicht dabei war.

Johannes (28:25.22)
Ja, was ich tatsächlich für mich gelernt habe, dieses Gefühl ein bisschen loszuwerden, ist auch gleich andere Pläne zu machen. Also gleich zu sagen, hey, ich kann heute nicht dabei sein, aber habt ihr Lust in drei Wochen, keine Ahnung, Brettspielabend zu machen? ich hab zuletzt letztens ein Konzert abgesagt oder ein Festival, wo ich nicht konnte. Hatte dann aber gleich das Gefühl, gehe jetzt irgendwie, keine Ahnung, jetzt ist mein Festivalsommer zu Ende. Dann habe ich immer gleich vier andere Konzertkarten gekauft.

weil ich gesagt habe, ich möchte zumindest auf Konzerte weitergehen. Und ich glaube, was mir tatsächlich mal hilft, ist Alternativen zu haben, die ich dann auch anderen Leuten anbieten kann oder auch mir selbst anbieten kann, dieses Gefühl nicht so stark zu konkretisieren.

Hannah (29:05.41)
Mhm.

Hannah (29:09.922)
Ich finde das aber auch eigentlich eine sehr wertschätzende Form von Absage sozusagen. Also dass man gleich schon sagt, hey, es liegt nicht daran, dass ich keine Zeit mit dir verbringen will, sondern es liegt jetzt einfach gerade, dass ich nicht kann oder das gerade nicht abbilden kann. Aber ich habe trotzdem Lust darauf, dir meine Zeit zu verbringen und deswegen schlage ich dir einen Alternativtermin vor.

Johannes (29:28.892)
Ja, das ist vielleicht doch etwas, was... Ich meine, wir haben ja auch Angehörige von Mensch mit ADHS, uns zuhören. Und was mir tatsächlich auch hilft, ist, wenn ich eine Absage bekomme für irgendwas, dass ich halt gleich das Gefühl bekomme, dass halt die Person mir nicht böse ist oder die Person irgendwie doch Zeit mit mir verbringen möchte. Und mir hilft das schon, wenn dann die Person auch einen Alternativtermin oder einen Alternativvorschlag hat. Das kann nicht immer funktionieren. Manchmal hat man vielleicht gar nicht die Zeit akut für einen Alternativtermin, aber...

Hannah (29:51.938)
Ja.

Johannes (29:57.148)
Mir hilft das auf jeden Fall, wenn ich das Gefühl bekomme, dass die Person schon mit Zeit verbringen möchte, dass es gerade in diesem speziellen Moment nicht gut funktioniert.

Hannah (30:05.634)
Ja. Und das nochmal ganz kurz zurückzulenken aufs Thema Selbstfürsorge, ist, finde ich, was man da als selbstfürsorgliche Handlung auch machen kann, ist genau dieses Gefühl auch oder diese Gedanken zu kommunizieren. Also auch einfach zu sagen so, hey, Absagen meinerseits oder deinerseits sind irgendwie für mich ein schwieriges Thema, weil, ne, also dass man einfach lernt, und das ist, ich, ein wichtiger Punkt, da einfach

mit sich ehrlich zu sein und dann irgendwann auch mit anderen ehrlicher zu sein. ich sage jetzt nicht, dass man sich da komplett super aufmachen muss, sodass es einem unangenehm ist, aber dass man zumindest so viel Transparenz zeigt, dass die anderen Leute eine Chance haben, einen zu verstehen. Das macht es auch für mich dann ja einfacher, wenn ich das Gefühl habe, die haben eine Chance.

zu verstehen, warum ich gerade so handle, kann ich leichter so handeln, als wenn ich das Gefühl habe, jetzt muss ich mir sonst was für Ausreden ausdenken, meine Entscheidung zu rechtfertigen.

Johannes (31:13.34)
Ja, total. Und das vielleicht noch zu ergänzen, ich glaube, was mir auch geholfen hat, nachdem ich die Diagnose habe, ist anderen Leuten in meinem Freundeskreis RSD zu erklären. Weil ich glaube, dass vielen gar nicht bewusst ist, wie stark diese Angst vor Zurückweisung ist und was das auch für Folgen haben kann. ich glaube, dass viele da viel

Hannah (31:25.218)
Ja.

Johannes (31:42.556)
vorsichtiger mit sind und auch verständnisvoller, wenn man das halt erklärt. Und was ich tatsächlich einer guten Freundin auch erklärt habe, es wird mal Situationen geben, da werde ich dir sagen, ich bin krank, ich bin aber gar nicht krank und ich möchte nicht, dass du das dann hinterfragt, sondern es wird schon Grund geben, warum ich dann an dem Tag absage. Und das heißt nicht, dass ich an dem Tag dann keine Lust habe, mit dir Zeit zu verbringen, aber ich habe dann nicht mal die Kraft zu erklären, dass es mir gerade psychisch nicht gut geht, sondern ich muss dann einfach eine Ausgabe finden. Und das ist auch nicht böse gemeint. Und das hat auch ganz gut funktioniert.

Hannah (32:12.258)
Ja, ich glaube, das ist einfach total wichtig, darüber auch Gedanken zu machen, mit wem man auf welcher Ebene auch solche Dinge kommunizieren kann. Also wie viel Transparenz in welcher Beziehung einem auch einfach gut tut und vielleicht auch nicht.

Johannes (32:23.356)
Ja.

Johannes (32:30.428)
Genau, das sehe ich auf jeden Fall auch so. Ich glaube, was mir tatsächlich... Sorry, ja.

Hannah (32:34.178)
Ja, was? Ich wollte eigentlich nur noch was ergänzen. Genau, also eine wichtige Sache im Rahmen von Selbstfürsorge und das haben wir, glaube ich, bei der Folge zur Selbstoptimierung auch schon so bisschen gesagt, ist halt auch wirklich realistisch nochmal einzuschätzen, was kann ich gerade verändern und was nicht und in welchem Maße kann ich auch gerade eine Veränderung...

Johannes (32:41.66)
Na, komm schon.

Hannah (33:01.474)
irgendwie einführen. Also zum Beispiel jetzt gerade mit diesem ganzen Mitkram hier habe ich halt wenig Handhabe, deswegen kann ich gar nicht so viel selber machen und das, was ich machen konnte, ist zum Beispiel unnötigen Arbeitsaufwand mir selber ersparen. auch also umgekehrt gedacht auf andere Sachen, also was müsste ich tun, damit es mir besser geht, könnte jetzt zum Beispiel sagen mehr schlafen, mehr Bewegung, mehr bla bla bla.

Johannes (33:14.972)
Hmm.

Hannah (33:28.674)
Und da aber auch nochmal ganz realistisch und ehrlich irgendwie mit sich einchecken, was davon kann ich eigentlich gerade wirklich umsetzen und was ist einfach nur ein schöner Wunschtraum, was vielleicht sich also klar irgendwie gut eignen würde und was auf dem Papier auch total sinnvoll ist, aber was ich eigentlich gerade gar nicht umsetzen kann und was dann dadurch einfach noch viel viel mehr Stress erzeugt, weil ich mir unrealistische Ziele gesetzt habe, damit es mir besser geht.

Und dann geht's mir nachher irgendwie schlechter.

Johannes (33:58.908)
Ziele realistisch setzen ist auf jeden Fall auch eine Sache. ist etwas, das habe ich auch irgendwann für mich gelernt. Ich habe so eine Putz -App und die hat mir irgendwann gesagt, du weniger Punkte, also du gibst da eine Anzahl an Aufgaben ein, die du erledigen möchtest. Diese Aufgaben gibst du Punkte und dann sagst du, die Punkte du pro Tag erledigen möchtest und dann bautest du dir einen Plan. Und irgendwann hat es mal gesagt, hey, du hast hier weniger Punkte, die du pro Tag abarbeiten möchtest, als du eigentlich pro Monat tun solltest. Und ich so, ha.

Ist mir jetzt völlig egal, mehr schaffe ich nicht. Und dann wird halt meine Wohnung unordentlich. Aber immerhin versumpft sie nicht total. Mir hat in meiner letzten Therapie mal meine Therapeutin einen sehr guten Hinweis gegeben. Und zwar, sie meinte so, naja, was funktioniert denn bei kleinen Kindern, denen es nicht gut geht? Kuscheltieren in Arm nehmen. Und so doof das klingt, ich sitze jetzt hier schon den ganzen Tag mit einem Kuscheltier auf dem Arm.

weil ich merke, dass zum einen ist das gutes Dimmingtool, du hast irgendwas zum Streicheln, aber auch das simuliert ja bisschen Körperkontakt und ich glaube tatsächlich, was mir echt gut hilft, wenn es wenig gut geht, ist halt Körperkontakt und wenn man den halt gerade nicht durch eine Partnerperson bekommen kann, ist es überhaupt keine Schande, den durch ein Kuscheltier zu bekommen und das ist tatsächlich etwas, was bei mir auch hilft, bisschen Emotionsregulation zu betreiben.

Hannah (35:23.906)
Ja, hier herzliche Einladung, auch mal mit Freundinnen, natürlich mit Konsens, aber trotzdem irgendwie auch mal sich in Arm zu nehmen und da auch vielleicht mal auch nach einer Umarmung zu fragen. Also ich das ist auch was, was tatsächlich voll schön sein kann, einfach mal ganz kurz in Arm genommen zu werden und einfach mal ganz kurz das Gefühl zu haben, das einfach alles mal kurz abgeben zu können, was gerade so auf meinen Schultern ist.

Johannes (35:32.86)
Ja.

Johannes (35:53.244)
Total, da bin ich tatsächlich für meinen Freundeskreis sehr dankbar, der allgemein sehr touchy -feely ist und wo auch körperliche Berührungen zwischen, ich würde mal sagen, zwischen Personen, die, wie sagt man das, auf dessen Geschlecht man auch steht, wo es trotzdem okay ist. Das heißt, keine Ahnung wo auch sich, sagen wir mal, heterosexuelle Männer und heterosexuelle Frauen in Arm nehmen und

halt einfach nur Freunde sein können, oder dass da gleich irgendwas hinterstehen muss. Ich hab zum Beispiel eine Freundin, der ich relativ viel kuschel, worüber ganz klar ist, dass wir halt einfach kein Interesse aneinander haben. Und das ist halt auch völlig okay. Und ich glaube, dass viel mehr zu normalisieren ist halt auch eine total wichtige Sache.

Hannah (36:38.306)
Auf jeden Fall. Also Körperkontakt in Kuscheln oder Umarmungen oder sowas, da habe ich echt auch ein guter Stressrelief.

Johannes (36:50.076)
Ja, sehe ich auf jeden Fall auch so.

Hannah (36:54.85)
Und vielleicht nochmal ein ganz einfacher Trick, wo ich merke, dass mir das gerade auch total gut tut, abends zur Ruhe zu kommen, weil natürlich auch Schlaf ein wichtiger Faktor davon ist, wie gut man mit Stress umgehen kann. Ich habe mir vor echt langer Zeit schon so eine Acropessurmatte gekauft.

Und die empfehle ich auch die ganze Zeit weiter. Meine Schwester hat sich auch gerade eine gekauft und eine Freundin von mir, glaube ich, wollte das jetzt auch tun. Und ich finde, die Dinger sind so gut, die körperliche Anspannung abends ein bisschen abzugeben. Also ich habe auch häufig Rückenschmerzen und ich habe auch oft so Nackenschmerzen, weil ich so angestrengt dann irgendwo sitze und ich...

Johannes (37:41.596)
Mhm.

Hannah (37:42.562)
Ich mittlerweile auch Rückensport und so. Das hilft natürlich auch. Aber an Tagen, wo ich das Gefühl habe, kann schlechter abends zur Ruhe kommen, lege ich mich dann für 10 bis 30 Minuten auf diese Matte. Und danach bin ich ein bisschen wie ausgeknipst. Ich kann dann deutlich besser schlafen. Manchmal schlafe ich auch auf der Matte ein sogar. Weil mich das wirklich total runterfährt und die körperliche Anspannung einfach verringert.

Johannes (38:14.576)
Okay, das ist auch nochmal etwas, da müsste ich mal drüber nachdenken. Das klingt auf jeden Fall nicht schlecht.

Hannah (38:24.034)
Da gibt es ja auch ehrlich gesagt ziemlich viele Tools. Jetzt sind wir schon wieder bei monetären Dingen. Also so eine Akro -Pistole -Matte muss man natürlich auch kaufen. Obwohl, ich muss auch sagen, mittlerweile gibt es, glaube ich, fangen die bei 15 Euro an. Wie langanhaltend die dann sind, kann ich nicht sagen. Aber wir haben zwei zu Hause und eine hat, glaube ich, 20 Euro gekostet und eine hat 60 gekostet. ich finde die teurere ein bisschen besser. Mein Freund findet die günstigere deutlich besser.

Johannes (38:26.684)
Hmm.

Hannah (38:53.602)
Also das ist ja wirklich auch ein bisschen Geschmackssache. Also auch die günstigen können schon total gut funktionieren. Und was es ja auch so im therapeutischen Bereich gibt, sind ja auch zum Beispiel so Gewichtsdecken, die auch dabei helfen können, Anspannung loszulassen oder auch generell einfach ein bisschen zur Ruhe zu kommen.

Johannes (39:13.82)
Das ist total witzig, weil ich kenne so viele Menschen mit ADHS, auf Gesichtdecken, äh Gesichtdecken, ja wow, Gewichts, Gewichtsdecken schwören. Ich musste meine Nacht drei Nächte wieder rausschmeißen, weil ich dieses Gefühl vom Erdrücktwerden überhaupt nicht gut leiden konnte. Also ich bin da überhaupt nicht mit warm geworden. Das war für mich, ich bewege mich halt auch nachts sehr viel und ich fühlte mich einfach nur, es war nur unangenehm. Es war einfach nur unangenehm.

Hannah (39:24.45)
Ja.

Johannes (39:42.748)
Ich weiß es nicht. Ja total, total. Aber ich finde es auch witzig, weil wie gesagt, haben so viele Leute drauf geschworen, wie toll diese Decken sind und nee, hat mir leider gar nichts gegeben.

Hannah (39:43.17)
Ja, das ist auch, glaube ich, bisschen auch eine Typfrage.

Hannah (39:56.666)
Also da war ich sehr gespannt von den Leuten, uns so zuhören, welche Tools ihr so nutzt und ob es Leute unter euch gibt, die zum Beispiel Gewichtsdecken benutzen oder auch schon so eine Akkupressurmatten haben und wie eure Erfahrungen damit so sind. Vielleicht habt ihr ja noch ganz andere Ideen. Das waren ja jetzt auch wirklich gerade so Tools für diese körperliche Anspannung und was

ihr so generell macht, euch was Gutes zu tun oder selbstfür sorglich mit euch umzugehen.

Johannes (40:29.436)
Ich würde sagen, damit sind wir auch ganz langsam am Ende. Wir haben jetzt die 40 Minuten schon geknackt. Es war wie immer eine sehr interessante Folge. bin sehr gespannt, wie das Feedback wird.

Und hast du noch etwas zu sagen, Hannah?

Hannah (40:50.402)
Nö, also ich freue mich auch immer über Feedback. Bisher hatten wir einfach auch sehr viel Glück, dass das immer so super nett war. Aber auch wenn ihr konkrete Fragen habt zu den Themen, die wir so besprochen haben, lasst sie uns gerne wissen. Dann können wir auch in anderen Folgen nochmal genauer darauf eingehen und vielleicht auch noch hilfreicher sein.

Johannes (40:57.532)
Ja.

Johannes (41:15.932)
wünsche euch einen schönen Resttag. Bis dann!

Hannah (41:19.97)
Bis zum nächsten Mal.

Johannes (41:22.78)
Tschüss!